Sabine Bartsch klagt auf Arzthaftung

Sabine Bartsch ist das mutmaßliche Opfer eines Arztes. ©
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Sabine Bartsch ist das mutmaßliche Opfer eines Arztes. <br /><i>©

Bei Sabine Bartsch mischt sich Wut und Resignation: Inliner, Ski oder Fahrrad fahren - alles, was sie früher gern machte, ist seit 2002 vorbei. Die 41-Jährige kann nicht mehr lange sitzen, stehen oder gehen, ohne dass sie starke Schmerzen im rechten Bein verspürt.

Die einst schlanke Frau nahm - aus Bewegungsmangel und durch täglichen Tablettenkonsum - 35 Kilogramm zu. Die Schuld an ihrem Zustand gibt sie einem Behandlungsfehler im Krankenhaus Wermelskirchen. Auslöser war eine Verletzung am Schienbein, die sich später als Knochenhautentzündung herausstellte.

Sabine Bartsch fuhr, als sie es vor Schmerzen nicht mehr aushielt, ins Krankenhaus. Von dort aus wurde sie zur Computer- und Kernspin-Tomografie geschickt. Der Facharzt habe "eine zystenähnliche Anordnung" im rechten Oberschenkel entdeckt, der "nicht operiert" zu werden brauche.

Mit den Ergebnissen kehrte Sabine Bartsch ins Krankenhaus zurück. Hier gab es eine niederschmetternde Diagnose: "Knochenkrebs". Für die Wermelskirchenerin brach eine Welt zusammen.

Nach der Operation habe sich der Knochenkrebs als "knöcherne Zyste" entpuppt. Die sei wahrscheinlich von Geburt an vorhanden gewesen und hätte nicht operiert werden müssen. Das habe ihr später ein Arzt in Oldenburg versichert. Dort lebt ihre Mutter, die ihr einen Termin im dortigen Krankenhaus besorgt hatte.

Sabine Bartsch hat ein sechs mal zwei mal zwei Zentimeter großes Loch im Oberschenkel, das sich nicht schließt. Das verursache nicht nur die Schmerzen, sondern sei auch extrem bruchgefährdet.

Dadurch kann die 41-Jährige ihren Beruf als Verkäuferin nicht mehr ausüben, ist arbeitslos und bei der Agentur für Arbeit als "schwer vermittelbar" eingestuft. Sabine Bartsch hofft auf eine Umschulung aus gesundheitlichen Gründen.

"Wir haben immer ein offenes Ohr für die Patienten und nehmen alles ernst", versichert Ralf Schmandt, stellvertretender Geschäftsführer des Krankenhauses Wermelskirchen. "Wir bringen den behandelnden Arzt und den Patienten zusammen", spricht Schmandt von einer Moderatorenrolle bei Problemen.

Ansprechpartner ist auch der Patienten-Fürsprecher Friedhelm Becker, der vom Aufsichtsrat gewählt wurde. Der Ehrenamtler ist telefonisch erreichbar und einen Nachmittag in der Woche zur Sprechstunde im Krankenhaus. Geschäftsführer Christian Madsen betont, dass "Kunstfehler" kein Alltag in seinem Haus seien. Im Gegenteil: "Wir gehören zu den Krankenhäusern, die die wenigstens Haftungsschäden verursachen."

Wenn der Patient jedoch beim Anwalt war und die Klage läuft, sei "die höchste Eskalationsstufe" erreicht, so Ralf Schmandt. Dann könne er auch zu dem Einzelfall keine Stellung mehr nehmen. Außerdem unterliege das Krankenhaus der ärztlichen Schweigepflicht. Eine Klage wegen Arzthaftung hat Sabine Bartschs Anwältin Maia Steinert beim Landgericht Köln eingereicht. Den Streitwert beziffert die Juristin auf derzeit 80 000 Euro.

Die Wermelskirchenerin ist eine von vielen Klienten, die die Anwältin aus Köln wegen ärztlicher "Kunstfehler" vertritt. Maria Steinert engagiert sich auch ehrenamtlich in der Patienteninitiative Leverkusen und Rhein-Berg (igplev). Deren Gründer ist Jan Herrentals, dessen Ehefrau selber Opfer eines ärztlichen Fehlers wurde. Die Patienteninitiative veranstaltet regelmäßige Treffen und Informationen für Patienten. Herrentals gibt zudem Tipps, was aus seiner Sicht zu tun ist, wenn es zu einem Behandlungsfehler gekommen sei.

Zunächst sollte der Patient ein Gespräch mit den behandelnden Ärzten führen; er sollte ein Tagebuch anlegen, den medizinischen Dienst der Krankenkasse einschalten, eine Anfrage an die Gutachterkommission der Ärztekammer schreiben, Gesundheitsladen oder Patientenstellen um Rat bitten sowie einen Rechtsanwalt konsultieren.

Für die Geschädigten ist jeder Fall ein Fall zu viel, doch für die Krankenkassen gehören Patienten, die sich falsch behandelt fühlen, zum Alltag. Stefan Wurth, Leiter der Wermelskirchener AOK-Geschäftsstelle: "Wir sprechen mit den Versicherten und lassen uns den Fall schildern." Um alles Weitere kümmere sich die Krankenkasse, deren medizinischer Dienst auch ein Gutachten erstelle.

Wegen eines Schmerzensgeldes müsse der Patient jedoch selber einen Anwalt einschalten. Zivilprozesse, in denen Patienten gegen Ärzte streiten, seien keine Seltenheit. Zu einer Strafanzeige jedoch kommt es nur sehr selten. Im Amtsgericht Wermelskirchen "sind keine Fälle bekannt", sagt Direktorin Ute Weiss.

Selbst am Landgericht Köln beschäftigen ärztliche Behandlungsfehler fast nur Zivilkammern. "Strafverfahren sind relativ selten", meint Richter Jürgen Mannebeck. Wenn, fielen sie unter "fahrlässige Körperverletzung". Aber da die Patienten in der Regel in ihre Operationen einwilligten, sei eine Beweisführung äußerst schwierig.

- Jan Herrentals von der Patienteninitiative Leverkusen und Rhein-Berg berät täglich von 19 bis 22 Uhr unter 02 14 / 50 08 2 10.

- Weitere Informationen im Internet unter www.igplev.de

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