Russische Propaganda im Bergischen

Redakteur Leon Hohmann am Newsdesk: Auch der Remscheider General-Anzeiger gerät immer wieder ins Visier von Trollen und Bots, die Meinungen im Sinne Russlands beeinflussen wollen. Foto: Michael Schütz
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Redakteur Leon Hohmann am Newsdesk: Auch der Remscheider General-Anzeiger gerät immer wieder ins Visier von Trollen und Bots, die Meinungen im Sinne Russlands beeinflussen wollen.

Bots und Trolle verbreiten Unwahrheiten im Sinne des Kremls – Experten sehen Sicherheitslücken

Von Björn Boch

Auch Remscheid und das Bergische Land werden von Russland virtuell ins Visier genommen. Das Ziel: Die Meinung zu Putins Krieg in der Ukraine soll zugunsten des Kremls beeinflusst werden. Auch lokale Medien wie der Wermelskirchener General-Anzeiger müssen sich mit Bots und Trollen auseinandersetzen, die gezielt Desinformationen streuen – zum Angriffskrieg Russlands oder rund um Wahlen.

Während Bots Computerprogramme sind, die mittels künstlicher Intelligenz Texte automatisch verfassen, stecken hinter den Trollen echte Menschen. Besonders auf Facebook versuchen sie, Nutzer von Seiten ebenso wie Betreiber und Moderatoren in Diskussionen zu verstricken. „Facebook hat zwar Filter-Software im Einsatz, die aber längst nicht alles erkennt. Es ist eine permanente und anstrengende Aufgabe für das gesamte Team, Bots und Trolle zu erkennen, zu melden und konsequent zu blockieren“, sagt Kerstin Neuser, Leiterin der Online-Redaktion der B. Boll Mediengruppe. Bot-Programme könnten leicht heruntergeladen und für eigene Ziele angepasst werden.

Unternehmen sollten verdächtige Profile melden

Dementsprechend verbreitet sei das Problem, berichtet Tobias Erdmann vom Systemhaus Erdmann, das unter anderem unsere Mediengruppe berät. Gegen die automatischen Programme müsste es bessere Software geben, betont der IT-Experte. Bots seien für aufmerksame Leser noch verhältnismäßig leicht zu erkennen, da sie oft zusammenhanglos posten. „Aber die Troll-Fabriken, in denen Menschen aktiv sitzen und schreiben, haben leider die Qualität zu manipulieren, Angst zu machen, in die Irre zu führen und Propaganda zu verbreiten.“

Ein weiteres Problem: die Algorithmen in den sozialen Netzwerken. „Was kontrovers und radikal ist und stark geteilt oder geliked wird, wird belohnt“, erklärt Erdmann. Zuletzt habe man bei Corona gesehen, wie das die Gesellschaft zerreißen könne. Dabei gäbe es Anhaltspunkte, Aktivitäten automatisch zu blockieren – etwa die Vernetzung mit Fake-Accounts oder die Kommentar-Häufigkeit. Unternehmen sollten verdächtige Profile melden, Facebook sei dann verpflichtet, sich das anzusehen.

Auch Nutzer sozialer Medien seien nicht schutzlos: „Sie sollten Dinge immer hinterfragen. Kommen Artikel, auf die Bots und Trolle verlinken, aus seriösen Quellen oder sind es Verweise auf Pseudo-Quellen? Fake News sind ein Riesenthema – und Medienkompetenz.“

Aus Sicht der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK) sind neben Medienunternehmen vor allem jene Firmen von Stimmungsmache und Fake News betroffen, die sich eindeutig gegen Russland positionieren, etwa jüngst die Baumarkt-Kette Obi mit Sitz in Wermelskirchen, die ankündigte, ihre russischen Filialen zu schließen. „Das betrifft also meist größere Konzerne“, erklärt Ralph Oermann, Stabsbereichsleiter Industrie, Innovation und Energie bei der IHK. Er sieht die Aufgabe der Kammer vor allem darin, Firmen für IT-Sicherheit zu sensibilisieren. „Im Bereich der Trolle und Bots geht es um die Beeinflussung der Öffentlichkeit. IT-Sicherheit umfasst wesentlich mehr, ist anders zu betrachten – und kann schnell ein Thema für kleine und mittlere Unternehmen werden.“

Das Remscheider Start-up Wetog, vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik in die „Allianz für Cybersicherheit“ berufen, hat zu russischen Cyberangriffen ein Papier veröffentlicht. Die zehn Punkte behandeln unter anderem Sicherheit bei Videokonferenzen, Datenversand oder Cloud-Speichern: „Die Einflüsse auf die Datensicherheit sind die vier M: Mensch, Maschine, Methode und Material.“

Das häufigste Einfallstor blieben aber Mitarbeiter, sagt Ralph Oermann. „Starke Passwörter suchen und vor allem: nicht auf alles draufklicken.“

Medienkompetenz: Der RGA stärkt die Medienkompetenz von Schülern gemeinsam mit Lehrkräften im Projekt „Zeitungstreff“:

www.rga.de/lokales/zeitungsprojekte/zeitungstreff

Netiquette

Die Netiquette (Kunstwort aus „net“ für Netz und „etiquette“ für Verhaltensregel) legt den Rahmen für elektronische Kommunikation fest. Um sachliche Diskussionen zu ermöglichen, gilt auch bei den digitalen Angeboten der B. Boll Mediengruppe eine Netiquette. Verstöße werden gemeldet und Wiederholungstäter blockiert.

https://www.rga.de/ueber-uns/netiquette/

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