Hochbegabt

Ruben Charara macht mit zwölf Jahren sein Abi

Ruben möchte selbst Spuren hinterlassen: Der Zwölfjährige hat in diesem Jahr sein Abitur am Gymnasium gemacht.
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Ruben möchte selbst Spuren hinterlassen: Der Zwölfjährige hat in diesem Jahr sein Abitur am Gymnasium gemacht.

Hochbegabter beginnt nach nur sechs Jahren Schule nun sein Studium an einer Uni.

Von Theresa Demski

Wermelskirchen. Ruben ist zwölf. Er fährt gerne Fahrrad, tüftelt am Computer, begeistert sich fürs Kartfahren und verreist gerne. Er spielt Klavier, Tennis und Golf. Und im Winter fährt er Ski. Ruben ist halt zwölf. Aber vor rund zwei Wochen hat er im Bürgerzentrum sein Abiturzeugnis erhalten – so wie 119 andere Abschlussschüler des Städtischen Gymnasiums in Wermelskirchen auch. Nur, dass seine Mitschüler rund sechs Jahre älter sind.

„Als er ein Jahr alt war, konnte er fließend sprechen“, erzählt seine Mutter Hana Charara. Im Kindergarten habe er angefangen, Dinge auseinanderzunehmen und zu hinterfragen. Plötzlich konnte er lesen, ohne jemals dafür geübt zu haben. „Das war der Moment, in dem wir es verstanden habe“, sagt seine Mutter heute. Ihr Sohn wollte es genau wissen. Und vor allem wollte er in die Schule.

Ruben Charara: 12-jähriger lernt schnell - Freizeit ist ihm aber wichtig

Das erste Schuljahr an der Grundschule in Tente zog er durch – und langweilte sich schnell. „Wir haben damals als Familie gelernt, immer für den Moment zu entscheiden, was Ruben braucht“, sagt seine Mutter. Weil die Schulen einen Jungen wie Ruben zuvor nicht kennengelernt hatten, gab es keinen Masterplan, um ihn entsprechend zu fördern. Ruben und seine Familie entschieden also situationsbedingt – mit Hilfe von Inge Hausen-Müller von der Deutschen Gesellschaft für hochbegabte Kinder.

Ab der zweiten Klasse wechselte Ruben immer nach dem ersten Halbjahr in die nächsthöhere Klasse. Ob es ihm nicht schwergefallen sei, jedes Jahr in eine neue Klasse zu kommen, mit neuen Gesichtern und neuen Lehrern? „Die Schule ist der Ort, an dem ich lerne“, sagt Ruben Charara heute, „meine Freizeit ist der Ort für Freunde.“ Der Zwölfjährige klingt pragmatisch. Er sei nicht der Typ, der viel grüble, sagt er selbst. Es sei ihm allerdings immer wichtig gewesen, auch genug Freizeit zu haben.

Schließlich gibt es so viel zu entdecken: Sport, Musik, Kultur. Mit einer seiner beiden Tanten bereist er seit Jahren die ganze Welt. „Um auch was anderes zu sehen, andere Dinge kennenzulernen“, sagt er. Dann macht er sich den Antworten auf seine Fragen auf die Spur: Wo hat Beethoven in Wien gelebt? Welche Spuren hat die Französische Revolution in Frankreich hinterlassen? Oder wie leben eigentlich die Menschen in China?

Ayrton Senna ist für ihn zu einem Vorbild geworden

Ein nächstes Ziel könnte Brasilien sein. Sao Paulo. Der Geburtsort von Ayrton Senna. In einem Buch ist Ruben auf die Geschichte des Rennfahrers gestoßen. „Er hat nach Werten gelebt, die mir auch wichtig sind“, sagt der Zwölfjährige, „Mut und Zielstrebigkeit, Ehrgeiz und der Einsatz für andere.“ Senna sei zu seinem Vorbild geworden. „So wie meine Mama und meine Tanten“, sagt er dann, „sie haben mich immer bedingungslos unterstützt.“

Hana Charara blickt ihren Sohn an. „Auch als Familie haben wir viel gelernt“, sagt sie. Zum Beispiel, dass höchstbegabte Kinder auf anderen Ebenen und in anderen Dimensionen denken. Oder, dass ihr Sohn fast keine Aufregung kennt – weder vor Prüfungen noch vor dem Schulstart in einer neuen Klasse oder vor Referaten. „Ich glaube manchmal, er kennt keine Angst“, sagt seine Mutter. Und dass er ein großes Durchhaltevermögen habe: Bei allen Hürden, die sich während der Schulzeit aufgetan hätten, habe er nie ans Aufgeben gedacht. Es sei der Familie immer wichtig gewesen, Ruben auf Augenhöhe zu begegnen und zuzuhören, was er selbst will und denkt. „Wir glauben an ihn und wissen, dass er alles schaffen kann“, sagt sie.

Gemeinsam blicken sie als Familie nun nach vorne. „Ich freue mich auf die Zukunft“, sagt Ruben. Gerade macht er ein Praktikum in einem Unternehmen für Informationstechnik. Webseiten programmieren, Skripte für Apps schreiben und Software entwickeln: „Das macht mir Spaß“, sagt Ruben. Und deswegen will er auch in diesem Bereich ein Studienfach wählen. Medizin oder Jura, beides hätte ihn auch interessant, war erst mal nicht möglich. Als Minderjähriger könne er nicht ins klinische Praktikum gehen oder eine Kanzlei eröffnen.

Inzwischen laufen Gespräche mit verschiedenen Universitäten in Deutschland, für die es auch neu ist, dass ein Zwölfjähriger an ihre Tür klopft. „Ich würde überall hingehen, wenn meine Familie dabei ist“, sagt Ruben. Er könne sich aber auch vorstellen, von zu Hause auszuziehen. „Darüber reden wir aber noch“, sagt seine Mutter und lächelt. Nach dem ersten Studium werde er wohl mindestens ein Zweitstudium aufnehmen, nimmt Ruben heute an. „Aber wir machen es weiter wie bisher: Wir entscheiden für den Moment“, sagt Hana Charara. Zeit genug hat Ruben schließlich. Es wäre schön, wenn irgendwann etwas von ihm bleibe, sagt der Zwölfjährige. Wenn er mit seinem Einsatz etwas verändern könne.

Hintergrund

Unterstützung: Die Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGHK) unterstützt Familien auf dem Weg durch Schule und Entwicklung. Der gemeinnützige Verein hat sich die Förderung hochbegabter Kinder auf seine Fahne geschrieben.

Begleitung: Inge Hausen-Müller begleitet Ruben und seine Familie seit Schulbeginn. „Sie hat mich immer unterstützt und beraten und ist sehr wichtig für mich geworden“, sagt Ruben Charara. Dankbar ist auch seine Mutter für diese Unterstützung: „Bei vielen Unsicherheiten und Fragen haben wir wertvolle Hilfe von erfahrenen Beratern bekommen“, sagt Hana Charara.

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