Ersthelfer

„Rote-Kreuz-Pitter“ liebt seine Arbeit

Peter Hasse zeigt an einer Demonstrations-Kinderpuppe, wo und wie man bei Kindern eine Herzmassage machen soll.
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Peter Hasse zeigt an einer Demonstrations-Kinderpuppe, wo und wie man bei Kindern eine Herzmassage machen soll.

Peter Hasse ist seit 50 Jahren Ersthelfer und bildet Menschen aus – Die Aufgabe liegt ihm am Herzen.

Von Peter Klohs

Wermelskirchen. Da kommt einiges Positive zusammen bei Peter Hasse: Er hat das Herz am rechten Fleck, profunde Kenntnisse um Vorgänge im menschlichen Körper und eine immense Erfahrung, wenn es darum geht, Erste Hilfe zu leisten. Was kein Wunder ist, denn der Wermelskirchener hat vor 50 Jahren, genauer am 10. Februar 1973, die Befähigung erhalten, andere Menschen zu Ersthelfern auszubilden. Er ist bekannt im Bergischen. „Da kommt der Rote-Kreuz-Pitter“ hört er zuweilen im besten Wermelskirchener Platt, wenn er durch die Stadt geht.

Geboren wurde Peter Hasse in Lauenburg an der Elbe, kam aber bereits im Alter von einem halben Jahr nach Wermelskirchen, wo er seitdem lebt. Er war Kaufmann bei einer großen Lackfabrik in Wuppertal, späterhin bei der Wohnungsaufsicht in der Wermelskirchener Stadtverwaltung tätig.

„Hin und wieder mal geschah es, dass ich bei Unfällen helfen musste“, erinnert er sich. „Ich war damals recht unsicher und wollte nichts falsch machen. Darum habe ich mich für die Grundausbildung in Erste Hilfe angemeldet. Meine vielen Fragen während der Ausbildung haben wohl den Ausbilder beeindruckt, und er sprach mich an, ob ich nicht aktiv werden wolle. So kam ich zum Deutschen Roten Kreuz.“

Selbst bei der Bundeswehr, Mitte der 60er Jahre in Braunschweig, erkannte man wohl seine Hinwendung zum Helfen: Er wurde als Sanitäter eingeteilt. „Obwohl niemand wusste, dass ich beim DRK war“, erzählt er. „Ich sagte den Offizieren noch: Ich kann kein Blut sehen. Hat mir aber nichts geholfen. Und so kann man sagen: Ich bin in meinem Leben all das geworden, was ich nicht wollte.“

Arrangiert hat sich Peter Hasse mit seinem Schicksal aber sehr wohl. Und wenn man Gelegenheit bekommt, mit ihm über sein Leben zu sprechen, kann man sich nicht vorstellen, dass es ihm keinen Spaß gemacht hat – selbst heute noch, mit 78 Jahren. Denn seine Lehrbefähigung übt er weiterhin aus. „Ich halte so zwei oder drei Lehrgänge im Monat ab“, sagt er.

Natürlich gibt es einige Fälle, die ihm im Gedächtnis geblieben sind: So von der Frau, die bei einer Veranstaltung zusammengebrochen war, weil sie die falschen Tabletten eingenommen hatte, oder dem Mann, der während des Hückeswagener Altstadtfestes eine Herzattacke erlitt und von Peter Hasse erstversorgt wurde. „Dabei konnte ich das Problem eines ‚Laienschocks‘ erleben“, erinnert sich der Ersthelfer. „Die Frau dieses Mannes rief immer wieder: „Mein Mann kann nicht ins Krankenhaus, der muss mich doch nach Hause fahren.“ Das sind Erfahrungen, die Peter Hasse lehrten, dass nur der etwas falsch macht, der nichts tut.

Angesichts des 50-jährigen „Geburtstags“ als Ersthelferausbilder stand ihm der Sinn nicht nach großen Feiern. Aber seiner Familie, allen voran seiner Frau Magdalene, wollte er ein Dankeschön überbringen und lud alle zu einem großen Festessen in ein Restaurant ein. „Die Reaktionen meiner Kursteilnehmer sind mir ansonsten genug Anerkennung“, sagt er bescheiden.

Wobei wir beim dunklen Punkt dieser Geschichte wären, denn Peter Hasse beklagt ein eklatantes Nachwuchsproblem. „Viele Kursteilnehmer sind schon beeindruckt von der Ersten Hilfe“, berichtet er. „Die erste Frage lautet immer: Kann ich das auch lernen? Die zweite: Was bekomme ich dafür? Und wenn ich ihnen dann erzähle, dass ich das im Ehrenamt mache, dann ist das Interesse auch schlagartig erloschen.“ Die Probleme, ehrenamtlich tätige Rettungssanitäter zu bekommen sind groß. „Die aufgebrachte Zeit und die mangelnde Entlohnung sind die größten Hinderungsgründe“, weiß er, fügt jedoch an, dass die Johanniter, die zweite Hilfsorganisation, für die Peter Hasse tätig ist, verzweifelt auch hauptamtliche Rettungssanitäter suchen.

Sieht er eine Lösung des Problems? Er überlegt. „Man könnte arbeitslose Menschen, die daran Interesse zeigen, in diesem Sinne ausbilden“, findet er. „Und sie später vielleicht als 520-Euro-Kräfte einstellen. Da könnte man schon viel tun.“

Zur Person

Peter Hasse, 1944 in Lauenburg geboren, darf seit dem 10. Februar 1973 Menschen zu folgenden Erste-Hilfe-Maßnahmen ausbilden: Erste Hilfe für Erwachsene, Lebensrettende Maßnahmen am Unfallort, Krankenpflege in der Familie, Zulassung für die Berufsgenossenschaft sowie zum Rettungssanitäter. Außerdem ist er Ersthelfer am Tier („Eine Bereicherung.“) und weiß, welche besondere Maßnahmen man ergreifen muss, wenn Kinder Erste Hilfe benötigen. Peter Hasse ist auch im Alter von 78 Jahren ein gerne gebuchter Ausbilder. „Ich habe Termine bis in den November hinein“, verrät er. Und seine Augen leuchten dabei. Er freut sich darauf.

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