Karneval

Rosenmontagszug tourt virtuell durchs Dorf

Man kann es sich zu Corona-Zeiten kaum vorstellen, aber so sah es im Februar 2020 zu Rosenmontag im Dorf aus. Archivfoto: Michael Schütz
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Man kann es sich zu Corona-Zeiten kaum vorstellen, aber so sah es im Februar 2020 zu Rosenmontag im Dorf aus.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Karnevalistin Silke Duhm hatte die Idee und viele jecke Truppen zogen mit.

Wermelskirchen. Ach, was wäre das schön. Wenn wie jedes Jahr auch heute gegen 9.30 Uhr der bunte Zoch in Höferhof Aufstellung nehmen würde, um sich dann wenig später mit viel Alaaf, Kamelle und Jubel durchs Dorf zu schlängeln. Ist aber nicht. Wegen der Corona-Pandemie müssen die Jecken am heutigen Rosenmontag einen gehörigen Gang zurückschalten und weitestgehend daheimbleiben. Erst einmal fiel der Rosenmontagszug im Dorf bisher aus: im Jahr 1991 wegen des damals tobenden Golfkrieges.

Eine Impression des jecken Treibens, das die Dabringhauser heute online verfolgen können.

Dass aber die Karnevalisten der zahlreichen aktiven Vereine in und um Dabringhausen nun komplett auf Rosenmontag verzichten müssen, das wollte Silke Duhm so nicht akzeptieren. Die bekennende Karnevalistin ist seit Jahren Mitglied der Jecken Wiever und schießt während der Session die Fotos für den Festausschuss. Dann, so dachten sich Silke Duhm und ihr guter Freund Oliver Koglin, müssen wir den Rosenmontagszug eben virtuell auf die Reise schicken. „Wir haben daraufhin sämtliche Vereine und Gruppen, die sonst am Zug teilnehmen oder bei den Veranstaltungen in der Dabringhauser Mehrzweckhalle mitmachen, angeschrieben“, erzählt Silke Duhm. Die Resonanz war für die beiden Initiatoren ähnlich überwältigend wie die Kreativität, die die jecken Dawerkuser an den Tag legten. „Einer kam mit dem Quad vor die Kamera, ein anderer mit einem kleinen Lkw. Das ist schon sehr lustig.“

„So ganz ohne Karneval. Das hätten wir dann doch zu traurig gefunden.“

Silke Duhm, Initiatorin des Online-Spektakels

Aber das Ganze hat auch einen roten Faden. Die Dabringhauserin Zoé spielt die Hauptrolle im zwölfminütigen Streifen, den die Rosenmontagszug-Fans heute am Frühstückstisch genießen dürfen. Die 13-Jährige ist auch im wirklichen Leben Tänzerin bei den Grunewaldern. Im Film wacht sie auf, es ist Rosenmontag, aber traurig muss der Teenager feststellen, dass es ruhig ist auf den Straßen und sich nicht wie sonst die Wagen längst postiert haben und es gleich losgeht. Aber dann geht es ja doch los. Mit den Aktiven, die sich für den Film gemeldet und aktiv mitgewirkt haben: Die Jecken Wiever sind dabei, die Dawerkuser Altstadtgarde, Rut-Wiess Dabringhausen, Die Grunewalder, das Blasorchester Dabringhausen, die Klüngelsköpp Dawerkusen, der Dabringhauser Festausschuss und viele mehr. Zoé kann am Ende nur begeistert sein – sich vor allem aber auf das kommende Jahr freuen, wenn auch karnevalistisch hoffentlich wieder alles normal läuft.

„Wir sind uns bewusst darüber, dass die Corona-Pandemie ein ernstes Thema ist“, unterstreicht Silke Duhm. „Viele waren oder sind ernsthaft erkrankt, einige stehen vor den Scherben ihrer Existenz oder bangen mit ihrem Unternehmen ums Überleben.“

Vor diesem Hintergrund habe sie sich überlegt, ob denn das „Halligalli-Machen“ angebracht sei. „Aber wir haben uns dann gedacht, dass wir das unserem Karneval, den wir jedes Jahr mit so viel Liebe und Herzblut engagieren, auch schuldig sind. So ganz ohne den Karneval, das hätten wir dann doch zu traurig gefunden.“

Standpunkt

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga-online.de

Jecke Töne, fröhliche Lieder, farbige Kostüme, Punschballen und jede Menge Spaß – geht dieses Jahr leider nicht, werden Sie vielleicht denken. Doch, geht. Mit ein bisschen Kreativität, wie sie Silke Duhm und die vielen karnevalistischen Gruppen aus Dabringhausen und Umgebung bewiesen haben. Ein tolles Trostpflaster für ein ganz anderes, stilleres Karnevalsfest. Und für viele passionierte Karnevalsfans sicher eine schöne Abwechslung. Gleichwohl die Zeiten unsicher sind. Denn unsicher ist derzeit auch, ob die karnevalistische Session 2021/22 stattfinden kann, ob das Dreigestirn im Oktober vorgestellt, der Prinz proklamiert werden und schließlich der Zug sich in Bewegung setzen kann. Zurzeit noch völlig unklar. Es heißt also abwarten. Wie so oft in diesen Tagen. Warum also nicht ein Gläschen Sekt zum Frühstück, einen süßen Punschballen zwischen die Zähne, ins Kostüm geworfen und von Rosenmontag geträumt. Natürlich nur für jene, die sich den heutigen Montag freigenommen haben. Alle anderen können ja in der Pause mal reinschauen, in den Karnevals-Stream aus Dawerkusen. Lohnt sich sicher.

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