Konzert

Ron Minis setzt Haus Eifgen unter Strom

Ron Minis bei der Arbeit. Schön zu sehen sind die vielen Effektgeräte auf dem Flügel.
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Ron Minis bei der Arbeit. Schön zu sehen sind die vielen Effektgeräte auf dem Flügel.

Israelischer Musiker präsentierte seinen „Brutal Jazz“ vor 30 Zuhörern.

Von Peter Klohs

Wermelskirchen. Ron Minis, kompromissloser Musiker aus Israel, der seine Musik als „Brutal-Jazz“ bezeichnet, war zu Gast in Wermelskirchen – und das Haus Eifgen hat es überlebt. Schon vor dem Konzert von Minis’ Trio waren die dreißig Besucher vorgewarnt: Unter dem Flügel lag ein Pedal-Board, das jedem Heavy-Metal-Gitarristen zur Ehre gereicht hätte. Auf dem Flügel stand eine Armada an speziellen Geräten, die Instrumente verzerren können oder elektronische Gimmicks erzeugen. Neben dem Klavier wartete eine E-Gitarre auf ihren Einsatz.

Denn der Pianist wollte eigentlich Rock-Gitarrist werden, was er auch zu Beginn des Konzertes bewies: Er schnappte sich die hauseigene „Fisch-Gitarre“ und begann mit einem Trash-Metal-Riff, das den Grundstein für die folgenden 75 Minuten lieferte: energiegeladene, spannende, brachiale Musik.

Eine Jazz-Ballade, bei der sich die Musikrichtung verändert

Obwohl Minis der unbestreitbare Mittelpunkt des Trios ist, darf man seine Mitmusiker keineswegs vergessen: Bassist Bar Filipowicz fegt wie ein Derwisch über die vier Saiten seines Instruments, und der famose Drummer Yogev Gabay spielt scheinbar unbeeindruckt selbst hoch komplexe Rhythmusstrukturen: Ein 9/8-Takt, gefolgt von einem 15/8-Rhythmus, gefolgt von einem 7/4-Takt, alles das in zehn Sekunden. Immer wieder schafft es die Band, kleine Oasen der Ruhe zu kreieren. Dann klingt das Trio wie Pink Floyd unter Strom oder wie ein verrückt gewordener Jean Michel Jarre, elektronisch erzeugte Klangflächen beherrschen dann das Eifgen, oder Minis hat Lust auf eine Jazz-Ballade, die er zart anspielt, in deren Verlauf sich jedoch die Musikrichtung diverse Male verändern kann.

Erstaunlich ist, dass diese Stilvielfalt nicht wie zusammengebastelt wirkt, sondern wie aus einem Guss von der Bühne kommt. Es ist kein „Standard-Jazz“ mit den bekannten Abläufen Thema, Bridge, Thema, Solo. Jedes Stück folgt einer anderen Architektur: Leise begonnene Tracks entwickeln sich zu groovigen Rocknummern mit verzerrtem Piano, andere, die brachial begonnen haben, bestechen durch einen lyrischen Mittelteil. Auch Minis Heimat scheint immer wieder durch. Manche seiner Themen erinnern an nahöstliche Musik, an die ostinaten Spannungsbögen des armenischen Pianisten Tigran Hamasyan, an Familienfeiern in der israelischen Wüste.

Im Konzert sampelt sich Minis selbst, spielt einige Töne auf dem Klavier, die mit gutem Willen als Thema zu bezeichnen sind, und lässt sie endlos wiederholen, während er auf der Gitarre dazu Verzierungen hinzufügt, die immerzu drängender und lauter werden, so dass aus den versprengten Anfangstönen letztendlich eine Hymne geworden ist, zu deren Entstehung Bass und Schlagzeug entscheidend mitgewirkt haben.

Ron Minis findet nicht nur Genregrenzen überflüssig, sondern auch die Titel seiner Musikstücke, die er nicht erwähnt. Nur der Kenner weiß, dass „The Aggregate“ am Anfang des Konzertes gespielt wird und in „Zalow“ die elektronischen Spielereien den Höhepunkt erreichen. Die Kraft dieser Musik ist durch einige Youtube-Videos leicht nachzuvollziehen.

Die 75 Spielminuten reichen dann auch. Bei aller Spielfreude: Das Zuhören ist lohnend, aber auf Dauer anstrengend.

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