Interview der Woche

„Rock’n’Roll zieht sich quer durch die Generationen“

In der Tanzschule von Sascha Kabeck kann man den Modetanz auch lernen.
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In der Tanzschule von Sascha Kabeck kann man den Modetanz auch lernen.

Wermelskirchen. Tanzlehrer Sascha Kabeck spricht über die Faszination der 70 Jahre alten Musikrichtung – Am Samstag wird ein Gedenktag gefeiert.

Das Gespräch führte Wolfgang Weitzdörfer

Herr Kabeck, können Sie selbst Rock’n’Roll tanzen?

Sascha Kabeck: Ja, tatsächlich kann ich das recht gut. Der Rock’n’Roll-Tanz ist auch deswegen unfassbar beliebt, weil die Kombination stimmt – jeder mag die Musik, auf die man eben auch in sehr vielfältiger Weise tanzen kann. Die Schritte sind nicht überragend schwer, so dass man es auch relativ schnell erlernen kann, und es macht tierisch Spaß. Für manche ist es aber ein wenig zu akrobatisch und sie sehen lieber zu als selber zu tanzen – Salto hier, Springen her. . . Aber es geht auch durchaus brav.

Und kann man den Tanzstil bei Ihnen auch erlernen?

Kabeck: Ja, es gibt bei uns in der Tanzschule auch Rock’n’Roll-Kurse. Da gibt es unterschiedliche Modelle. In 70 Prozent der Fälle nehmen die Leute aber Privatstunden, da sie dann den Tag, die Uhrzeit und vor allem auch den Unterrichtsinhalt selbst bestimmen können. Denn im klassischen Gesellschafts-Tanzkurs kommen auch Rock’n’Roll-Tänze vor – Boogie oder Jive etwa -, aber es ist eben ein Modetanz und kein Gesellschaftstanz. In den Sommerferien bieten wir – erstmals seit Corona – wieder unsere Sommeroffensive an, da kann man in drei Tagen jeweils einen Tanzstil recht intensiv erlernen.

Was ist daran das Besondere?

Kabeck: Rock’n’Roll ist komplett faszinierend! Das hört man auch immer wieder von jungen Leuten, die ganz erstaunt und fasziniert sind, dass dieser Tanzstil mit allem, was dazugehört, auch 70 Jahre nach seiner Erfindung immer noch da ist. Die Damen finden die Bekleidung toll – etwa die Petticoats –, während die Herren es natürlich schön finden, dass sie ihre Partnerin bei der einen oder anderen Springfigur auch mal auf dem Schoß haben. Der Rock’n’Roll ist ein Tanz, der sich quer durch die Generationen zieht. Mir persönlich fällt da auch nichts Vergleichbares ein.

Welchen Stellenwert hat der Rock’n’Roll heutzutage in den Tanzschulen?

Kabeck: Einen dementsprechend großen, würde ich sagen. Das merkt man beispielsweise dann, wenn in einer Tanzparty oder einer Kurseinheit mal ein kleiner Durchhänger da ist, dass der Rock’n’Roll sofort wieder für gute Laune und Freude bei den Tänzerinnen und Tänzern sorgt.

Gibt es eine Szene, die sich diesem Tanzstil verschrieben hat?

Kabeck: Ja, wenn das auch bei uns in der Region eher seltener der Fall ist. Aber es gibt natürlich Leute und Gruppen, die komplett in dieser Zeit leben. Und dann gibt es auch Vereine, die den Rock’n’Roll zwar nicht ausschließlich, aber schon sehr viel tanzen. In Köln ist etwa ein Verein, der sich dem Boogie Woogie verschrieben hat. Das ist natürlich auch das Faszinierende an dieser Musik – es gibt den Rock’n’Roll, auf den man gefühlt zehn verschiedene Tänze tanzen kann. Daran sieht man übrigens auch die große Beliebtheit – denn ansonsten hätte man sich wohl kaum die Mühe gemacht, so viele unterschiedliche Tänze und Tanzstile zu entwickeln. Es gibt da etwa neben dem Rock’n’Roll den Jive, den Boogie Woogie oder den Swing.

Was ist für Sie das Besondere am Tanzen allgemein?

Kabeck: Da möchte ich gerne ein Zitat meines ehemaligen Chefs anbringen: Tanzen ist die einzige Sache, bei der beide Partner gewinnen. Wenn ich Tennis oder Badminton spiele – das macht auch sehr viel Spaß, fraglos –, dann gibt es am Ende einen Gewinner und einen Verlierer. Beim Tanzen ist das anders: Hier steht die Harmonie im Vordergrund. Wenn Dame und Herr das gemeinsam meistern, gehen beide als Gewinner nach Hause.

Tanzen alle Altersgruppen bei Ihnen?

Kabeck: Bei uns ist es so, dass es von Anfang 20 bis Mitte 90 reicht – da sind also locker drei, wenn nicht sogar vier Generationen vertreten. Was wir weniger machen – nicht, weil wir es nicht gut finden würden, sondern weil Wermelskirchen in dieser Hinsicht einfach sehr gut aufgestellt ist –, sind Kinder und Jugendliche. In Wermelskirchen kann wirklich jeder alles tanzen – von Ballett, Hip Hop bis zu den Gesellschaftstänzen, von Kindern über junge Erwachsene bis zu Senioren.

Möchten diese unterschiedliche Tanzstile erlernen?

Kabeck: Wir hatten mal ein Pärchen, das 500 Meter von der Tanzschule entfernt lebte – und für diese 500 Meter brauchten sie eine knappe Dreiviertelstunde, weil sie eben nicht mehr so gut zu Fuß waren. Ein anderes Pärchen ist mir ebenfalls in Erinnerung geblieben, beide schon Ende 80, das wollte Wiener Walzer lernen. Ich habe hier in der Schule ja die Möglichkeit, die Musikgeschwindigkeit anzupassen. Die Dame, schon fast in den 90ern, sagte dann zu mir: Herr Kabeck, Sie können die Musik ruhig schneller machen, wir sind noch nicht alt! Grundsätzlich ist es schon so, dass ältere Menschen eher gesetzter tanzen wollen. Aber es ist eben alles möglich – wir hatten schon mal ein älteres Paar, das um die Ecke kam und noch einmal Charleston tanzen lernen wollte. Auch das gibt es.

Ist Gesellschaftstanz eigentlich auch ein Thema für Jugendliche?

Kabeck: Ich glaube schon, dass das ein Thema ist. Ich denke, dass der entscheidende Faktor ein ganz anderer ist. Ich sage es immer so - sind die Leute einmal hier, dann bleiben sie auch hier. Sie stellen oftmals fest, dass das Bild von der verstaubten Tanzschule, dem alten Tanzlehrer und der antiquierten Orchestermusik einfach nicht stimmt. Aber eben erst, wenn sie bei uns gewesen sind.

Im Gegenteil, kann man doch so einmal in der Woche seine Diskothek haben, mit guter Musik, guter Laune und Stimmung. Die Herausforderung ist einfach, die Leute einmal zu dem Punkt zu bringen, in die Tanzschule zu kommen. Wir sehen das ja auch an den rund 95 Prozent Weitermeldungen für den nächsten Kurs. Das ist bei Schülern nicht anders als bei Erwachsenen – abgesehen davon, haben Jugendliche heutzutage ja kaum noch Freizeit, da muss man es als Tanzschule schaffen, sich wichtig genug zu präsentieren.

Gilt das klassische Klischee, dass Männer nicht gerne tanzen auch heute noch?

Kabeck: Ungefähr hälftig, würde ich sagen. Aber auch hier gilt, dass ein Großteil der Herren zufrieden ist, wenn sie mal hier sind. Das hängt allerdings auch ganz extrem von den Tanzlehrern ab. Ich sage es immer so, für die Herren ist das erste Mal Tanzschule wie der Besuch beim Zahnarzt. Man weiß, man muss da hin, man weiß, es wird unangenehm – aber dann ist der Tanzlehrer in der Pflicht, es so angenehm wie möglich zu gestalten.

Haben Sie selbst einen Lieblingstanz?

Kabeck: Die Frage höre ich nicht zum ersten Mal – aber tatsächlich lautet die Antwort: nein. Es gibt sicherlich den einen oder anderen Tanz, den ich nicht so gerne mag, aber grundsätzlich hat jeder Tanz seine Besonderheit. Es ist die Bandbreite, die’s macht.

Hintergrund

Gedenktag: Hierzulande kennt man den US-amerikanischen Moderator Dick Clark kaum. Er hat am 9. Juli 1956 die legendäre Musikshow „American Bandstand“ übernommen. Weil er darin vor allem die neuen Rock’n’Roll-Bands gezeigt – und die Bewegung damit großgemacht hat – wird ihm zu Ehren der 9. Juli als Gedenktag gefeiert.

Tanzschule: Kabeck’s Dancing and More, Kölner Straße 60, Tel. (01 59) 06 74 92 12 www.tanzschule-kabeck.de

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