Wasserversorgung

Rinnsale liefern fast kein Löschwasser

Feuerwehrleute des Wermelskirchener Löschzugs III aus Eipringhausen, Dhünn und Halzenberg wollen es genau wissen: Bei ihrem Training stellen sie eine Wasserversorgung aus der Dhünn her.
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Feuerwehrleute des Wermelskirchener Löschzugs III aus Eipringhausen, Dhünn und Halzenberg wollen es genau wissen: Bei ihrem Training stellen sie eine Wasserversorgung aus der Dhünn her.

Feuerwehren aus Dhünn, Eipringhausen und Halzenberg trainierten an der Dhünn.

Von Stephan Singer

Wermelskirchen. Wenn es im Wald brennt, steht die Feuerwehr vor besonderen Herausforderungen. Die Erreichbarkeit des Einsatzortes steht dann genauso im Fokus wie eine andere bedeutende Frage: Woher holen wir das Löschwasser? Angesichts der aktuellen Wetterlage, die die Waldbrandgefahr auf höchste Stufe hebt, müssen sich die Brandbekämpfer diese Fragen derzeit täglich stellen, um nicht im Ernstfall erst „suchen“ zu müssen.

Mit einem Aspekt der Wasserversorgung setzten sich nun Freiwillige Feuerwehrleute des Wermelskirchener Löschzugs III, den die Löschgruppen Dhünn, Eipringhausen und Halzenberg bilden, bei einem Trainingseinsatz auseinander. Das Ziel: eine Wasserversorgung aus einem der Bergischen Flüsse herzustellen – im Fall dieser Übung aus der Dhünn. Ein Fazit der Übung hatten die Floriansjünger bereits befürchtet und bewahrheitete sich letztlich: Die vergangenen Wochen mit zu wenig Regen haben die Wasserläufe fast zu Rinnsalen verkümmern lassen.

Die Folge: Bei der Übung ließen sich mit einer Elektrotauchpumpe über einen Zeitraum von rund fünf Minuten zwischen 1000 und 1200 Liter Wasser pro Minute aus der Dhünn entnehmen. Danach floss nicht mehr genug Wasser in ausreichender Geschwindigkeit nach. Bei einer Fortsetzung des Betriebs hätte die Pumpe Luft gezogen, wäre trocken gefallen und die Wasserversorgung zumindest an dieser Stelle zusammengebrochen.

„Die nahe liegende Reaktion in so einem Fall ist, eine zweite Pumpe einzusetzen. Das hätte jedoch nichts gebracht, weil schlicht nicht genug Wasser da ist“, bilanziert Max Lietzau, stellvertretender Löschgruppenführer Eipringhausen, am Ende der Übung. Diese hatte Lietzau mit dem Halzenberger Löschgruppenführer Robert Schmitz organisiert. Sein Eipringhausener Amtskollege Helmut Preyer stellt grundsätzlich fest: „Die neuen Fahrzeuge sind mit deutlich mehr Gerät ausgestattet als die alten – das ist super geplant. Genauso ist die Übung super geplant, denn wir müssen uns mit den Gerätschaften praxisnah auskennen.“

Wenn wir im Ernstfall nur auf die Versorgung aus dem Bach angewiesen wären, hätten wir ein Problem.

Ingo Mueller

In Sachen Wasserversorgung ist für Preyer klar: „Bei einem größeren Waldbrand muss ein Pendelbetrieb eingesetzt werden, denn an anderen Stellen gibt es genug Wasser.“ Damit hebt der Löschgruppenführer nicht nur auf das in den Löschfahrzeugen (LF) bevorratete Wasser für den sogenannten Erstangriff ab, sondern auch auf eine Vereinbarung mit den ortsansässigen Landwirten, die der stellvertretende Feuerwehrleiter Ingo Mueller erläutert: „Im Einsatzfall bringen uns die Landwirte mit ihren Güllefässern Wasser.“ Und weiter: „Wenn wir im Ernstfall nur auf die Versorgung aus dem Bach angewiesen wären, hätten wir ein Problem.“ Aber: „Die extremen Wettersituationen nehmen zu, entsprechend verbessern wir Konzepte.“

Dazu gehören Ausstattungsvarianten mit 2000 Meter Schlauch, um längere Entfernungen schnell überbrücken zu können. Obendrein sind die neuen Löschfahrzeuge (LF) beispielsweise von Eipringhausen und Dhünn mit speziellen Körben beziehungsweise Taschen ausgestattet: Diese lassen sich an Griffen einfach von der Seite aus den LF holen und sind mit einem 30 Meter langem, ziehharmonikaartig gefalteten Schläuchen nebst fest montiertem Übergangsstück und Strahlrohr ausgestattet.

Den Schlauch schließt der Brandbekämpfer an die Wasserzufuhr an und läuft mit dem Korb in der Hand oder der Tasche über die Schulter los während sich der Schlauch von selbst abwickelt. Diese Schläuche sind mit 25 Millimetern vergleichsweise dünn (D-Schläuche). „Der Durchmesser reicht für die Bekämpfung eines üblichen Waldbrandes aus“, erläutert Mueller. Ein weiteres Ausstattungsdetail nehmen die 13 an dem Training beteiligten Brandbekämpfer ebenfalls in Betrieb. Es erinnert an einen kleinen Swimmingpool, ist jedoch ein faltbarer Zwischenspeicher, der im mit Wasser gefüllten Zustand eigenständig steht und mit Anschlüssen für Feuerwehrschläuche versehen ist.

„Der Hauptgrund für den Einsatz eines solchen Zwischenspeicherpools ist die anhaltende Sicherstellung der Wasserversorgung. Zum Beispiel im Fall eines defekten Schlauchs auf der Strecke zwischen Wasserquelle und Puffer – denn nur mit einer anhaltenden Wasserversorgung kann der Waldbrand bekämpft werden und können sich die Einsatzkräfte selbst gegen das Feuer verteidigen“, betont Ingo Mueller.

Die Herstellung einer Wasserversorgung sei bei einem Waldbrand arbeitsintensiv und zeitraubend im Vergleich zu einem Anschluss an einen Hydranten in bebauten Bereichen. Auf diese spezielle Herausforderung stellt sich die Wermelskirchener Feuerwehr immer mehr ein. So gehörten die beiden in Dhünn und Eipringhausen stationierten LF zu den neuesten Fahrzeugen im Stadtgebiet. Letzteres sei mit zusätzlicher Ausrüstung speziell für Vegetationsbrandeinsätze ausgestattet. Das LF aus Dhünn ist baugleich mit dem der hauptamtlichen Kräfte auf der Feuerwache Vorm Eickerberg und ist ein HLF, was weniger Wasser, aber mehr Ausrüstung für technische Hilfeleistung mit sich führt.

Gewässerschutz

Grundsätzlich darf aus Gründen des Gewässerschutzes kein Wasser aus beispielsweise dem Eifgen oder der Dhünn entnommen werden. „Im Training gehen wir natürlich nicht aufs Ganze“, sagt Ingo Mueller: „Im Einsatz und bei Gefahr gehen wir an jedes Gewässer, um genug Wasser zu bekommen.“

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