Prozess

Erneuter Betrug: Gericht entscheidet milderes Urteil

Symbolbild Gericht.
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Die Angeklagte verkaufte ein iPhone 12 ProMax - der Käufer erhielt die Ware nicht.

Eine 29-Jährige stand erneut vor Gericht. Wegen der Vorstrafen wäre eigentlich eine Haftstrafe fällig.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Wermelskirchen. In der Verhandlung gegen eine 29-jährige Frau aus Wermelskirchen vor dem Amtsgericht ging es wirklich um etwas. Das stellte auch der Verteidiger der jungen Frau fest. „Wir sprechen hier im Fall einer erneuten Bewährungsverletzung von einer mehrjährigen Gefängnisstrafe“, sagte er.

Diesmal ging es um ein über eBay angebotenes iPhone 12 ProMax, das sie an einen 21-Jährigen für 830 Euro verkauft hatte. Der junge Mann überwies das Geld, erhielt aber nie eine Sendung mit dem gekauften Handy. Im zweiten Fall ging es um einen vermeintlichen Gutschein. Die 29-jährige solle einen 100-Euro-Gutschein für das Modegeschäft H&M für 70 Euro ebenfalls verkauft und trotz Überweisungseingang nicht versendet haben.

Im Rahmen der Verhandlung wolle seine Mandantin keine Angaben machen, daher konnte sich das Gericht nur an den Aussagen der beiden als Zeugen geladenen Geschädigten orientieren. Da es jedoch in der Anklageschrift um den Vorwurf des gewerbsmäßigen Betrugs ging, sah sich die Staatsanwältin vor allem die Kontobewegungen ganz genau an. Aus denen wurde ersichtlich, dass die Angeklagte ein ganz normales Leben auf finanziell recht niedrigem Niveau führte.

Was hingegen vorhanden war, waren seit 2010 viele Eintragungen im Bundeszentralregister, bei denen es immer wieder um den Vorwurf des Betrugs ging. Es lagen zwei Verurteilungen vor: Einmal zu zehn Monaten und einmal zu einem Jahr auf Bewährung. Gegen die noch laufenden Bewährungen, hat die 29-Jährige mit den nun verhandelten Fällen aus dem April und November 2021 verstoßen.

Einschätzung des Bewährungshelfers hilft bei der Entscheidung

Die junge Frau stand bereits seit 2015 unter Bewährung – immer mit dem gleichen Bewährungshelfer, der ebenfalls zur Verhandlung dabei war. Der schilderte eine Persönlichkeit, die schon seit ihrer Kindheit viel Schlimmes erlebt habe. Für ihn sei die einzige Lösung ihrer Probleme, dass sie sich in eine stationäre Therapie begebe. „Sie hat schon viele Versuche der ambulanten Therapie hinter sich gebracht – das hat nie zum Erfolg geführt. Wohin die Angeklagte jedenfalls nicht gehört, ist ins Gefängnis. Daher bitte ich das Gericht darum, sie noch einmal zu einer Bewährungsstrafe zu verurteilen – mit der Auflage einer stationären Therapie“, sagte er. Nur so könne die junge Frau endlich zur Ruhe kommen, denn sie sei extrem getrieben.

Eigentlich sei eine Gefängnisstrafe unumgänglich, sagte die Staatsanwältin mit Blick auf die umfangreichen Vorstrafen und die Verstöße gegen die Bewährungsauflagen. Sie sei aber von der guten Sozialprognose, die vom Bewährungshelfer gegeben worden sei, überzeugt. Daher sehe die Staatsanwaltschaft es „als letzte Chance für Sie“, wie sie in Richtung der 29-Jährigen sagte. Daher fordere sie neun Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung mit Wiedergutmachung der Schulden und zusätzlich absolvieren einer stationären Therapie als Auflagen.

Der Rechtsanwalt ging damit fast einher, forderte allerdings sechs Monate Haft auf Bewährung. Er begründete die Forderung nach einem geringere Strafmaß damit, dass seine Mandantin schon wesentlich unauffälliger geworden sei. Dennoch sehe er auch die Lösung in einer stationären Therapie.

Der Richter entschied letztlich auf neun Monate Haft auf Bewährung. Um die Therapie müsse die Angeklagte sich selbst kümmern. Das hatte die 29-Jährige auch als ihren großen Wunsch geäußert.

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