Wegen Baustelle

Retter rücken von Große Ledder aus

Der Rettungsdienst der Feuerwehr Wermelskirchen ist jetzt in Große Ledder stationiert.
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Der Rettungsdienst der Feuerwehr Wermelskirchen ist jetzt in Große Ledder stationiert.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Sanitäter sind derzeit in Hotelzimmern untergebracht – Ende Juli ziehen sie in Container.

Wermelskirchen. Rettungssanitäter Florian Müller und Notfallsanitäter Vincent Malaika haben an diesem Morgen noch nicht lange ihren Dienst angetreten, als der Alarm läutet. Die Brandmeldeanlage am Seniorenheim Carpe Diem in Dabringhausen hat ausgelöst. Weil bei einem solchen Einsatz immer die Gefahr besteht, dass Bewohner Rauchgas eingeatmet haben, fährt neben dem Brandschutz-Team auch immer ein Team des Rettungsdienstes mit.

Allerdings rücken die beiden Männer der aktuellen Rettungswagenbesatzung nicht wie üblich von der Hauptwache der Feuerwehr in Vorm Eickerberg aus. Sie sind aufgrund der Sperrung der L 101 in Dabringhausen wie bereits berichtet derzeit im Thüringerhaus des Konferenzzentrums Große Ledder untergebracht. „Wir schlafen jetzt eben nicht in gewöhnlichen Zimmern, sondern in Hotelzimmern“, sagt Florian Müller, nachdem die beiden vom Einsatz zurückgekehrt sind. Zum Glück ist nichts passiert im Seniorenheim; die Brandmeldeanlage hatte vorsichtshalber ausgelöst.

„Wir haben schon früh unsere Bedenken und Bedingungen angemeldet.“

Alexander Groß, Koordinator Rettungsdienst

Die Einsätze in Dabringhausen seien nicht so häufig wie an der Hauptwache, so dass den Kollegen viel Zeit dazwischen bleibe, berichtet Vincent Maleika.

Ein Rettungswagen, eine Leihgabe der Feuerwehr Bergisch Gladbach, ist mit dabei und parkt – mit Stromversorgung für die Innenausstattung des Fahrzeugs – vor der Unterkunft.

Die Unterkunft in Große Ledder war nötig, weil die Anfahrtszeiten von Wermelskirchen bis Dabringhausen über die Umleitungen einfach zu lang gewesen wären.

„Es sind immer zwei Kollegen für jeweils 24 Stunden vor Ort“, berichtet Alexander Groß, der für die Feuerwehr den Rettungsdienst koordiniert. „Dienstbeginn ist allerdings morgens in Wermelskirchen; dort ist dann noch Einsatzbesprechung – und dann fahren die Kollegen los Richtung Dabringhausen.“

Voraussichtlich Ende Juli werden die Container-Module an der Mehrzweckhalle im Dorfkern fertig und der Rettungsdienst dort stationiert sein. Alexander Groß: „Das sollte ursprünglich die Lösung sein; das konnten wir aber nicht so schnell realisieren.“ Erst spät sei die Kommunikation zwischen Feuerwehr und dem Baulastträger Straßen NRW in Gang gekommen. Groß: „Wir haben schon früh unsere Bedenken und Bedingungen bezüglich der Vollsperrung der L 101 angemeldet; aber dann kam erst mal nichts. Ich kann verstehen, dass dort viel Überlastung herrscht, aber wir hätten uns eben Entscheidungen etwas früher gewünscht, um besser planen zu können.“

Nun sei die Wehr indes gewappnet. Was die Brandeinsätze angehe, sei die Ausrückfolge verändert worden. „Wir sehen zu, dass in den jeweiligen Bereichen immer ausreichend freiwillige Wehrleute vor Ort sind“, erklärte Alexander Groß bereits vor einigen Wochen. Das geschehe mittels einer Art GPS-System. Groß: „Man sieht nicht, wo sich der Einzelne aufhält, sondern eben nur, wie viele im betreffenden Radius verfügbar sind. Wir nutzen das schon länger, jetzt in der Ausnahmesituation nutzen wir es dann zweimal täglich.“ Ein Feuerwehrkollege sei extra dafür abgestellt, sich während der Zeit der Vollsperrung um den ständigen und direkten Kontakt zu den Bauleitern zu mühen. Extra dafür hat die Feuerwehr eine Koordinationsstelle eingerichtet.

Bei den Kosten für die Container-Module, die auf dem Parkdeck der Mehrzweckhalle stehen sollen, tritt die Stadt in Vorleistung. Später soll der Kreis als Träger des Rettungsdienstes dann die genauen Kosten für die Krankenkassen ermitteln. „Wir sind uns bewusst darüber, dass das alles ein großer Aufwand ist“, räumt Alexander Groß mit Blick auf den Rettungswagen, der einsam im malerischen Erholungsgebiet steht, ein. „Aber es ist alternativlos, denn wir können ja nicht riskieren, durch zu lange Anfahrtszeiten Leben zu riskieren.“

Rettungsdienst

28 Mitarbeiter gibt es derzeit beim Rettungsdienst der Wermelskirchener Feuerwehr, darunter sind sowohl Rettungs- als auch Notfallsanitäter. Sie arbeiten in 16- beziehungsweise 24-Stunden-Schichten. Die Feuerwehr Wermelskirchen bildet auch Sanitäter selbst aus.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Flexible Feuerwehr

anja.siebel@rga.de

Den Verantwortlichen der Feuerwehr war schnell bewusst, dass die Sperrung der L 101 über mehrere Wochen und Monate zu Problemen bei Rettung und Brandbekämpfung führen würde. Die Wehrleute können sich eben nicht darauf verlassen, dass es „schon gut gehen“ wird. Denn das wird es im Zweifel nicht. Die Anfahrtswege für die Einsatzfahrzeuge wären mit den Umleitungen einfach zu lang.

Angedacht war deshalb schon früh, Container-Module einzurichten, die als vorübergehende Unterkunft der Retter im Einsatz im Dabringhauser Ortskern dienen. Die können aber nicht von heute auf morgen aufgestellt werden.

Allein der Flexibilität und dem Improvisationstalent der Feuerwehr Wermelskirchen ist es zu verdanken, dass mit der Interims-Unterkunft in Große Ledder eine kurzzeitige Alternative gefunden werden konnte. Hätten die Wehrleute eine ähnlich lange Leitung gehabt wie Straßen NRW, man möchte sich die Konsequenzen nicht ausmalen.

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