Prozess

Totschlag-Prozess: Gericht hört erste Zeugen

Das Städtische Krankenhaus Wermelskirchen in der Außenansicht. Foto: Lena Hogekamp
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Das Städtische Krankenhaus Wermelskirchen in der Außenansicht.

Am zweiten Verhandlungstag kamen ein Arzt und zwei Sanitäter zu Wort

Von Wolfgang Weitzdörfer

Wermelskirchen/Remscheid. Zweiter Prozesstag vor dem Landgericht Köln gegen einen 48-jährigen Krankenpfleger: Dem Mann wird vorgeworfen, in der Nacht vom 16. auf den 17. April 2019 einen 79-jährigen Mann auf der Station Innere Medizin im Krankenhaus Wermelskirchen erwürgt zu haben.

Am Donnerstag kamen erste Zeugen zu Wort. Ein 65-jähriger Rettungsassistent aus Remscheid wurde als erster Zeuge gehört.

Verteidiger lässt sich Griff zum Umlagern zeigen

Der Mann war am späten Nachmittag des 16. April mit einem Kollegen in einem Rettungstransportwagen zum Seniorenheim gerufen worden, aus dem der 79-Jährige ins Krankenhaus gebracht wurde. „Sein Allgemeinzustand habe sich verschlechtert, hieß es – das kann alles bedeuten. Er saß im Rollstuhl, wirkte schläfrig und erschöpft, war aber grundsätzlich ansprechbar“, sagte der 65-Jährige.

Der Patient habe aber mehrfach vor sich hingemurmelt, dass er keine Luft bekomme. Der Einschätzung des Zeugen nach könne es sich dabei um ein beginnendes Lungenödem gehandelt haben. Die gemessene Sauerstoffsättigung sei aber mit 97 Prozent so gut gewesen, dass keine Sauerstoffgabe nötig gewesen wäre. Der Transport sei insgesamt völlig ruhig verlaufen, irgendwelche Verletzungen oder auch Aggressionen des Patienten seien nicht bemerkbar gewesen. Auch der Kollege des 65-Jährigen, ein 31-jähriger Rettungssanitäter aus Wermelskirchen, wurde als Zeuge vernommen. Er schilderte einen „sehr unspektakulären“ Einsatz, der vom Seniorenheim ins Krankenhaus führte.

Insgesamt konnte er sich aber nicht mehr wirklich an den Einsatz von vor zwei Jahren erinnern, was deutlich wurde, als ihm seine etwas abweichende Aussage bei der Polizei vorgehalten wurde. „Damals war das alles auch viel präsenter, da konnte ich mich noch wesentlich besser dran erinnern“, sagte er.

Der Verteidiger ließ sich im weiteren Verlauf der Zeugenaussage von dem 31-jährigen Rettungssanitäter zeigen, wie der Griff funktionierte, der beim Umlagern des Patienten vom Rollstuhl auf die Trage angewendet wurde. Im Anschluss sagte er: „Der Zeuge ist von kräftiger Statur und ich habe jetzt schon einen sehr starken Druck empfunden. Das sollte man vielleicht im Hinterkopf behalten.“

Arzt beschreibt Angeklagten als sehr zuverlässig

Dabei ging es auch um das Vorhandensein möglicher Verletzungen schon vor der Einlieferung ins Krankenhaus. Ein weiterer Zeuge war der 32-jährige Assistenzarzt, der den 79-Jährigen bei der Aufnahme ins Krankenhaus Wermelskirchen erstuntersucht hatte. Er habe das als nicht ganz einfach empfunden, da der Patient zwischen sehr ruhig und sehr aufbrausend schwankte, immer wieder über Luftnot klagte, dann aber wieder rief, dass er Hunger habe und in sein Zimmer wolle. „Ich habe eine entwässernde Therapie eingeleitet, mein Dienst endete dann aber um 19 Uhr.“

Am nächsten Tag habe er die Leichenschau mit einer Kriminalbeamtin vorgenommen – daran könne er sich aber nicht mehr gut erinnern. Die Richterin zeigte daher Bilder der Leichenschau, auf denen auch ein Hämatom am Auge zu sehen war. „Ich denke, dass es mir aufgefallen wäre, aber da er einen dunklen Hautton hatte, kann es sein, dass es am Vortag auch schon da gewesen ist“, sagte der Arzt.

Ansonsten beschrieb er den Angeklagten als sehr zuverlässig, von „großer Ruhe und Sicherheit“. Man habe als junger Assistenzarzt ein gutes Gefühl gehabt, wenn man mit ihm Dienst gehabt hätte.

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