Nachhaltig

Regionale Produkte haben viele Fans

Martin Jäger ist Filialleiter beim Obsthof Oderwald.
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Martin Jäger ist Filialleiter beim Obsthof Oderwald.

Während anderswo viele Biomärkte schließen, läuft im Obsthof Oderwald das Geschäft immer noch gut.

Von Anja Carolina Siebel

Gerade ist Apfelernte für Matthias Kuppel und sein Team. Der Inhaber des Obsthofs Oderwald setzt in seinem Markt in Neuenhaus auf möglichst regionale Produkte. Und dazu gehören eben auch die 13 Apfelsorten, die an rund 10 000 Bäumen auf einer acht Hektar großen Obstplantage wachsen, sowie eine Birnen- und fünf Zwetschgen-Sorten.

Aber auch bei den anderen Produkten in seinem Sortiment achtet Matthias Kuppel darauf, dass sie möglichst aus der Region stammen. „Manchmal geht das nicht“, räumt er ein. „Aber bei tierischen Produkten schaue ich, dass es den Tieren gut geht, da wo sie leben, und bei allen meinen Waren ist mir wichtig, dass es schmeckt.“ Dafür steht er auch schon mal stundenlang auf dem Kölner Großmarkt und probiert Obstsorten. „Bis ich unter 110 Händlern eine Sorte gefunden habe, die wirklich schmeckt.“

Bei seinen eigenen Anbauten setzt er auf Handarbeit. Jeder Apfel wird selbst gepflückt. „Das fängt mit einer bestimmten Sorte an und zieht sich dann weiter fort bis Ende Oktober, dann endet die Erntezeit für unsere Äpfel“, erklärt der Unternehmer.

„Bei ‚regional‘ kann man schon mal Abstriche machen, bei Qualität allerdings nicht.“

Matthias Kuppel, Unternehmer

Der „Braeburn“ ist die letzte Apfelsorte, die die Obstbauern Ende Oktober von den Bäumen holen. „Danach verkaufen wir aber noch einige Monate unsere Äpfel“, sagt Kuppel. „Das geht im Prinzip bis ins Frühjahr. Durch gute Kühlung halten wir sie so lange frisch.“

Die Kunden, die nicht nur aus Wermelskirchen und Burscheid, sondern auch von weiter zum Obstmarkt kommen, wissen die Regionalität und die Frische der Produkte zu schätzen. Gleichwohl die Qualität ihren Preis hat. „Klar, auch bei uns merkt man, dass der Betrieb ein wenig nachlässt, dass einige Kunden ausbleiben“, räumt der Oderwald-Chef ein. „Aber wir können uns noch nicht beklagen. Die Stammkunden kommen sowieso auch weiterhin zu uns. Sie wissen unsere frischen Produkte zu schätzen.“

Vor 14 Jahren eröffnete die Familie den Laden „Obsthof Oderwald“ direkt an der B 51. Schon der Großvater setzte auf den Obstanbau, Matthias Kuppel führt das Geschäft nun weiter. Zum Teil arbeitet er auf seiner Obstplantage, zum Teil verkauft er im Laden – oder sitzt im Büro. Früher betrieb die Familie Kuppel Landwirtschaft, irgendwann beschränkte sie sich auf Äpfel, Birnen und Zwetschgen. Anfangs hätte er noch auf Wochenmärkten verkauft und auf dem eigenen Hof in Bergisch Neukirchen, sagt Matthias Kuppel. Da sei die Nachfrage aber eher gering gewesen und so setzte Familie Kuppel auf den Obstmarkt zwischen Burscheid und Wermelskirchen. Auch das sei anfangs nicht ganz einfach gewesen. Inzwischen hätte er aber seine Kundschaft gewonnen, berichtet Kuppel. Seine Produkte haben viele Fans.

Kartoffeln, Eier, Gemüse, Fleisch, Geflügel und Milchprodukte, Wurst- und Fleischwaren, aber auch Süßes und Blumen finden die Kunden im Oderwald. „Möglichst regional“, lautet die Devise von Mathias Kuppel. „Da muss man schon mal Abstriche machen, wenn es das eine oder andere eben in der Nähe nicht gibt. Die Qualität ist uns aber sehr wichtig.“

So geht es auch seinen Kunden. „Natürlich schauen jetzt viele auf den Preis und überlegen sich eher, was sie wo kaufen“, hat er beobachtet. „Deshalb ist der Betrieb auch bei uns rückläufig.“ Nachhaltigkeit, so vermutet der Obstbauer, sei den Menschen jetzt vielleicht nicht mehr so wichtig wie noch vor drei Jahren. „Die steigenden Preise und die unsichere Situation zwingen sie, den Cent umzudrehen“, sagt Kuppel. Und doch füllt sich dann wieder der kleine Laden, wenn es beispielsweise im Frühjahr frischen deutschen Spargel oder jetzt, im Frühherbst, knackige Äpfel aus der Bergischen Region gibt. „Probleme wie Bio-Supermärkte, dass die Kunden gänzlich ausbleiben, haben wir nicht“, sagt Kuppel.

Obstanbau

Die Familie Oderwald-Kuppel baut bereits in der vierten Generation 20 verschiedene Apfel-, Birnen- und Zwetschgensorten auf ihrem Hof in Leverkusen-Bergisch Neukirchen an. Beim Anbau verzichten sie fast gänzlich auf Pflanzenschutzmittel. Zur Freude der Kunden.

Standpunkt: Erfolgreiches Konzept

anja.siebel@rga.de

Der Bio-Supermarkt in der Telegrafenpassage hat bereits aufgegeben, der Besitzer des Krämerladens an der Kölner Straße dachte ebenfalls vor einiger Zeit mal übers Aufhören nach – mangels Kundschaft. Kurz: Das Thema Nachhaltigkeit scheint vielerorts in den Hintergrund gerückt. Vielleicht auch deshalb, weil viele schlicht nicht mehr das Geld übrig haben, was sie für die doch merklich teureren Lebensmittel aufbringen müssen. Beim Obsthof Oderwald indes scheinen die Menschen ihr Geld immer noch gern auszugeben.

Zumindest herrscht in dem kleinen Ladenlokal fast immer reger Betrieb. Möglicherweise liegt es an dem Vertrauensbonus, den sich die Familie Kuppel im Laufe der Jahre bei ihren Kunden verschaffen konnte. Und vielleicht auch daran, dass Matthias Kuppel besonders auf eines Wert legt: den guten Geschmack. Dafür steht er auch gern mal selbst probierend beim Hersteller oder auf dem Markt. Die Kunden danken es ihm.

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