Katt

Referent: Menschen möchten etwas leisten

Führte in der Katt ins Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen“ ein: der Soziologe Prof. Dr. Sascha Liebermann. Foto: Roland Keusch
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Führte in der Katt ins Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen“ ein: der Soziologe Prof. Dr. Sascha Liebermann.

Soziologe Liebermann beschreibt in der Katt Möglichkeiten, ein bedingungsloses Grundeinkommen zu finanzieren.

Von Monika Steinmetzler

Die kleine Halle in der Katt-winkelschen Fabrik war mit immerhin etwa 60 Menschen gefüllt, die sich für das Thema des „Bedingungslosen Grundeinkommens“ interessierten. Begrüßungsworte fand Kolja Pfeiffer, Organisator der Kinderstadt, wo man auch das System des „bedingungslosen Grundeinkommens“ im kleinen Bereich praktiziert:

Jedes Kind soll pro Woche 10 Katt-Taler bekommen, die es individuell sparen oder ausgeben kann. Darüber hinaus ist aber auch die Möglichkeit des Hinzuverdienens für besondere Wünsche gegeben.

Professor Dr. Sascha Liebermann führte ins Thema ein. Er schilderte die Probleme unserer „Ellenbogen-Gesellschaft,“ wo bereits im Kindergarten die Kleinen auf Bildung und Leistung getrimmt werden; dies beginne schon mit der Sprachfähigkeit und der Sauberkeit, wo man aber bei keinem Kind eine feste Regel ansetzen kann, da jedes Kind unterschiedlich reagiert.

Die Eltern hingegen sind dem „Druck“ des Kindergartens ausgesetzt. Das Prinzip der Leistung setzt sich in der Schule weiter fort, wo Eltern die Kinder immer noch zu besseren, höheren Abschlüssen drängen, um ihren Kinder noch bessere Verdienstmöglichkeiten in der späteren Erwerbstätigkeit zu geben.

Da bleibe wenig Freiraum für Neugierde und Entdeckungen der Welt. Auch schon vor dem Kindergarten, sei es wichtig, dass Kinder bei ihren Entdeckungen die Aufmerksamkeit der Eltern erfahren, sich als positiv empfinden. Kinder möchten auch helfen – bei der Hausarbeit etwa. Sie möchten dabei sein, dazugehören, ohne dass man sie dazu drängt.

Was hat das alles mit bedingungslosem Grundeinkommen zu tun? Der Soziologie-Professor der Alfter-Hochschule bei Bonn erläuterte: Ziel ist es, jedem Bürger einen gewissen Sockel-Betrag zuzugestehen, und zwar lebenslang „von der Wiege bis zur Bahre“. Das erlaube, auf Erwerbstätigkeit vorübergehend zu verzichten und an-dere Dinge zu tun, sich beispielsweise voll der Elternschaft zu widmen, was ja auch eine Nonstop- Tätigkeit ist.

Dadurch würden viele Krankheitssymptome wegfallen

Oder man könnte sich ohne Rücksicht auf seine Einkommensverhältnisse ein Ehrenamt leisten, da nicht mehr die Erwerbsfähigkeit im Vordergrund stünde, sondern die Freiheit, sich andern Dingen zuzuwenden. Fähigkeiten, die schon lange in einem schlum-mern, endlich ausleben zu können, was man bisher aus finanziellen Gründen nicht konnte.

Viele Krankheitssymptome würden wegfallen, weil Menschen heute Tätigkeiten nicht aus Freude ausüben, sondern aus einem Zwang heraus Einkommen zu erzielen. Ein weiterer positiver Punkt ist die „Binnenkaufkraft“, die verlässlich immer wieder durch das Grundeinkommen gestärkt wird. Ängste, dass Menschen „rumhängen“ und nichts tun, müsse man nicht haben, da die meisten Menschen Tätigkeiten suchen. Man könne das gut bei vielen Rentnern feststellen, die in eine Krise geraten, weil sie das ganze Leben in einem Arbeitsprozess waren, nun aber neue Aufgaben suchen.

Finanzieren lasse sich das Grundeinkommen über Umverteilung: Auch heute bekomme man Transferleistungen – bei Krankheiten oder Arbeitslosigkeit. 96 Milliarden Stunden wenden Menschen für Haushalt und ehrenamtliche Tätigkeiten auf; ohne könnten kirchliche Organisationen, die Freiwillige Feuerwehr und viele andere nicht existieren.

Nur ein Anteil von 56 Milliarden Stunden wird über Löhne aufgebracht. „Nur wenn wir Güter erstellen und verkaufen, sind wir in der Lage, ein Grundeinkommen bereitzustellen,“ befand Liebermann, ehe er mit dem Publikum diskutierte.

Wolfgang Riedl fand diese Vorstellung eine schöne Vision, in der Praxis sicherlich nicht ohne Probleme durchzusetzen. Für Holger Häde dagegen war diese Vorstellung durchaus umsetzbar, wenn man einen Wandel im Denken akzeptiert und Leute es wollen.

SCHWEIZ SAGT NEIN

HOCHSCHULE Soziologieprofessor Sascha Liebermann setzt sich für das „Bedingungslose Grundeinkommen“ ein. 

VOTUM Die Schweizer haben da- rüber gerade abgestimmt. Sie haben es zu 78 Prozent abgelehnt. Die Befürworter fanden jedoch mit 22 % mehr Zustimmung als zuvor erwartet.

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