Landgericht Köln

Rechtsmedizinerin: Axt war die Tatwaffe

Ein Mediziner aus Solingen steht ab heute vor dem Wuppertaler Landgericht.
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Ein Mediziner aus Solingen steht ab heute vor dem Wuppertaler Landgericht.

Beim sechsten Verhandlungstag gegen einen 29-Jährigen, der seine Eltern im Schlaf lebensgefährlich verletzt haben soll, wurde die Tatwaffe bestätigt.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Es war ein eindrucksvoller Ablauf des sechsten Verhandlungstages gegen einen 29-jährigen Wermelskirchener, der in der Nacht auf den 1. Oktober 2021 seine Eltern im Schlaf mit einer Axt lebensgefährlich verletzt haben soll, und sich selbst anschließend von der Autobahnbrücke über der A 1 bei Hünger gestürzt hatte. Bevor die Rechtsmedizinerin ihr Gutachten über die medizinischen Folgen der Attacke verlas, präsentierte der Vorsitzende Richter die am Tatort sichergestellte Axt.

Alle Anwesenden – die beisitzenden Richter, die Schöffen, die Verteidigerin, der Staatsanwalt, die Rechtsmedizinerin und die psychologische Gutachterin – nahmen das Werkzeug in die Hand. Es wurde deutlich, dass es sich um ein schweres, stabiles und daher gefährliches Werkzeug handelte. „Die Axt ist 65 Zentimeter lang, hat ein Kopfgewicht von rund einem Kilogramm sowie ein Gesamtgewicht von 1,6 Kilogramm“, sagte der Richter.

Als im Anschluss die Rechtsmedizinerin ihr Gutachten verlas, während parallel dazu die Bilder der Untersuchungen der geschädigten Eltern auf der Leinwand zu sehen waren, wurde überdeutlich, dass die Axt nicht nur potenziell gefährlich war – sondern potenziell tödlich. Beide Elternteile, so das Fazit der rechtsmedizinischen Untersuchungen, hätten die Attacke ohne ärztliche Behandlung nicht überlebt – wobei der Vater deutlich schwerere Verletzungen erlitten hatte.

Deren Ausmaß wurde deutlich, als die Rechtsmedizinerin sie nach und nach aufzählte. „Zwei Wunden mit einer Länge von zwölf beziehungsweise 14 Zentimetern am Schädel, die zu mehreren verschobenen Schädelfrakturen mit inneren Blutungen und Knochenstücken, die ins Schädelinnere eingedrungen waren, geführt haben. Dazu massive Hirnschwellungen, Schnittwunden am Ohr und am Handgelenk“, erklärte sie. Es sei zu erwarten, dass der Geschädigte bleibende Schäden erdulden müsse.

Die Verteidigerin wollte wissen, wie schnell die Wunden unbehandelt zum Tod geführt hätten. „Das hängt von der Schwellung ab. Es handelt sich um mehrere Minuten bis wenige Stunden“, sagte die Ärztin. Die Attacke habe mit großer Wucht ausgeführt werden müssen, was die Art und Beschaffenheit der Wunden gezeigt habe. Was zudem eindeutig belegt sei, sei die Tatsache, dass die am Tatort gefundene Axt auch die Tatwaffe gewesen sein müsse.

Die Mutter hatte deutlich weniger Verletzungen, die wegen ihrer Medikation allerdings in der Konsequenz unbehandelt ebenfalls tödlich verlaufen wären. „Sie nahm ein Blutgerinnungsmittel, was wegen einer venösen Blutung zum Verbluten geführt hätte.“ Auch hier sei die Axt als Tatwaffe eindeutig zuzuordnen.

Ebenfalls untersucht habe sie den Angeklagten, der sich als Folge des Sprungs von der Autobahnbrücke aus zehn Metern Höhe ein massives Polytrauma mit schweren und schwersten Verletzungen zugezogen hatte. „Dabei wurden der Ober- und Unterkiefer ebenso gebrochen wie das Nasenbein, die rechte Hüftpfanne, der linken Unterschenkel, mehrere Rippen und Lendenwirbelkörper. Dazu erlitt er eine Lungen- und Leberprellung. Diese Verletzungen waren insgesamt betrachtet konkret lebensbedrohlich, auch er hätte ohne ärztliche Behandlung den Sturz nicht überlebt“, sagte die Rechtsmedizinerin.

Der Angeklagte, der noch heute im Rollstuhl sitzt, verfolgte die Schilderungen äußerlich regungslos – auch als er sich selbst verletzt und ohne Bewusstsein im Krankenhaus auf der Leinwand zu sehen bekam.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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