Abrissarbeiten

Realschule ist fast dem Erdboden gleich

Wo einst gemeinsam gelernt, gegessen, Theater gespielt und getobt wurde, herrscht schon seit Jahren gähnende Leere.
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Wo einst gemeinsam gelernt, gegessen, Theater gespielt und getobt wurde, herrscht schon seit Jahren gähnende Leere.

Im September will das Abrissunternehmen Linkamp mit den Arbeiten an der Rot-Kreuz-Straße fertig sein.

Von Anja Carolina Siebel

Ein Teil des Bauschutts wird entsorgt, andere Materialien werden von der Stadt zum Recyceln gegeben.

Zwei schwere Bagger stehen zwischen Bauschutt und Trümmerhaufen. Und im Hintergrund ein entkerntes Gebäude. Ein fast trauriger Anblick, der sich derzeit an der Rot-Kreuz-Straße bietet – dort, wo einst Kinder und Jugendliche der Real- und später der Sekundarschule herumtollten und lernten, die Volkshochschule kurzfristig beheimatet war.

Thorsten Blasse findet den Anblick weniger traurig als vielleicht viele Wermelskirchener, die sich nostalgisch an alte Wermelskirchener Realschulzeiten erinnern. Der Projektleiter der Anröchter Firma Linkamp GmbH ist täglich mit etwa zehn Arbeitern auf dem ehemaligen Schulgelände beschäftigt. Seit Januar. Auf einer Gesamtfläche von 7500 Quadratmetern haben die Abrissunternehmer die Arbeiten in zwei Schritte aufgeteilt.

Abrissbirne kommt nicht zum Einsatz

Stellen den Fortschritt der Abrissarbeiten vor (v. l.): Chiara Wipperfeld (Gebäudemanagement), Bürgermeisterin Marion Lück, Sonja Amend (Gebäudemanagement), Thorsten Blasse (Firma Linkamp) und Hartwig Schüngel (Leiter Gebäudemanagement) freuen sich über die Fortschritte.

Spektakulär wurde es an der alten Realschule aber zu keiner Zeit. Statt Sprengung oder spontanem Abbruch mit der Abrissbirne gingen die Arbeiter behutsam vor. Und das aus gutem Grund: „Mit einer Abrissbirne arbeitet man in der Regel heute auch nicht mehr“, sagt Thorsten Blasse. Gesprengt hätte er indes ganz gerne. Aber das war aufgrund der hohen Schadstoffbelastung nicht möglich. „Zuerst haben wir die Schadstoffentfernung vorgenommen“, berichtet Blasse. Die ist inzwischen fast abgeschlossen. Einzig der ehemalige Pavillon ist noch in Folie gehüllt. „Da findet die Schadstoffsanierung noch statt“, sagt Blasse.

500 Kubikmeter künstliche Mineralfaser, 50 Tonnen asbesthaltige Dämmmaterialien, neun Tonnen gebundener Asbest-Zement, 4,5 Tonnen PCB-haltige Abfälle, eine Tonne PAK-haltige Abfälle, 16 Tonnen Bitumengemische, 33 Tonnen Polystyrol und 25 Tonnen Altholz wollten erst einmal ordnungsgemäß entsorgt werden.

Nun geht es vordergründig ans Recyceln und Trennen der Materialien: „750 Tonnen Beton, 2250 Tonnen Bauschutt, 50 Tonnen Metall und 2,5 Tonnen Eisen und Stahl werden wir wiederverwenden lassen“, zählt der städtische Gebäudemanager Hartwig Schüngel auf. Zudem stehen aber auch einige Container parat, um Unrat zu sammeln. Schüngel: „Es blieben einige Holz- und Schuttreste übrig, die nicht wiederverwendbar sind.“ Da müssen die Arbeiter auch schon mal mit den Händen im Schutt wühlen, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

Eigentlich hatte das Anröchter Unternehmen Linkamp, das einen Zweitsitz in Wesseling hat, bis Oktober mit den Abbrucharbeiten an der Rot-Kreuz-Straße fertig sein wollen. „Wir werden es aber wohl bis September schaffen“, peilt Thorsten Blasse an. Parallel zum Abriss werden ein Mischwasserkanal und eine Trafostation errichtet.

Das ehemalige Hauptgebäude der Realschule steht noch. Vier Stockwerke plus Keller sind im oberen Teil des Geländes noch abzureißen. „Das wird oben schnell gehen“, prognostiziert der Abrissunternehmer. „Für den Keller werden wir dann länger brauchen. Das ist ein ehemaliger Bunker, da ist richtig viel Beton drin. Und das wird auch noch mal laut werden, wenn wir das entfernen.“

Bisher haben die Nachbarn an der Rot-Kreuz-Straße geduldig mitgemacht. Bürgermeisterin Marion Lück hofft, dass das so bleibt. „Sie fragen schon mal nach dem Stand der Dinge, sehen ja aber jetzt, dass es zügig vorangeht.“

Wenn im Herbst das Gelände fast plan sein und das Abrissunternehmen seine Arbeit getan haben wird, bleibt die Frage, was dann kommt. Zuletzt hatten sich die Politiker darüber gestritten, ob eine Sekundarschule denn überhaupt noch zeitgemäß sei. Die Anmeldezahlen für dieses Jahr waren wie berichtet niederschmetternd: Waren es für das Schuljahr 2019/20 noch über 90, sind es jetzt gerade einmal 53. „Wir hoffen, dass es zeitnah eine Entscheidung geben wird“, hält sich Marion Lück vorerst bedeckt. | Standpunkt

Sekundarschule

Fest steht jetzt schon: Es wird einen neuen Schulentwicklungsplan geben, um den Bedarf der Familien für eine neue Schule zu ermitteln. Nötig ist die neue Version vor allem, weil die Sekundarschule, so wie sie ursprünglich geplant war, in Wermelskirchen offenbar gescheitert ist. Waren es seinerzeit noch 17 Prozent von Schülern, die nicht mehr in Wermelskirchen zur weiterführenden Schule gehen, sind es jetzt 32 Prozent. Das Ziel, die Zahl der Abwanderer zu minimieren, hat die Stadtverwaltung offenbar nicht erreicht.

Standpunkt: Zeit für eine Entscheidung

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Das Gebäudemanagement der Stadt hat seine Hausaufgaben gemacht. Die Abrissarbeiten am ehemaligen Realschulgebäude sind im Zeitplan, auch das neue Gebäude ist längst nach den Vorgaben der Politik geplant. Was danach kommt, steht indes seit einiger Zeit leider wieder in den Sternen. Seit klar ist, dass die Anmeldezahlen an der Sekundarschule längst nicht an das heranreichen, was man sich beim Beschluss vor neun Jahren mal vorgenommen hatte, steht die Schulform grundsätzlich in Frage. Soll man überhaupt noch eine neue Sekundarschule bauen? Stellt man derzeit diese Frage, erntet man an vielen Stellen bei Politik und Verwaltung ein Achselzucken. Dabei wird es höchste Zeit für eine Entscheidung. Schüler und Eltern der Sekundarschule sind verunsichert, aber auch jene, die ihre Kinder erst im nächsten oder übernächsten Jahr auf eine weiterführende Schule schicken müssen. Wohin denn jetzt, wenn nicht aufs Gymnasium? Vielen bleibt nur das, was eigentlich vermieden werden sollte: das Abwandern in eine andere Stadt. Das ist bitter. Also muss jetzt eine Entscheidung auf den Tisch.

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