Glückwunsch

Rats-Apotheke feiert ihren 100. Geburtstag

Udo vom Stein feiert mit seinen Mitarbeiterinnen und den Kunden das 100-jährige Bestehen des Betriebs.
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Udo vom Stein feiert mit seinen Mitarbeiterinnen und den Kunden das 100-jährige Bestehen des Betriebs.

Drei Besitzer in einem Jahrhundert: Heute gehört sie Udo vom Stein, der viel investiert hat.

Von Theresa Demski

Udo vom Stein blickt auf das historische Foto. „Es hat sich viel verändert“, sagt er, „und es verändert sich weiter.“ Dann deutet der 71-Jährige auf seine Apotheke. Umbauten, technische Herausforderungen, dann die Pandemie: Stillstand gebe es nicht.

Jetzt feiert die Rats-Apotheke an der Oberen Remscheider Straße ihr 100-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum hat vom Stein nicht nur Luftballons aufgehängt und Kuchen kredenzt – er hat auch alte Briefe durchstöbert und die Urkunde unter die Lupe genommen, die den runden Geburtstag belegen. „Wir dachten immer, August Ziesche habe das Gewerbe am 13. Dezember 1922 angemeldet“, erzählt er. Aber jetzt habe er in einem Brief von Ziesches Witwe entdeckt, dass ein Regierungsrat die Apotheke bereits am 7. Dezember 1922 offiziell eröffnet habe – die Bestätigung der Gewerbeanmeldung sei dann eine Woche später eingetroffen. Der Brief erzählt dann gleich von Umbau und Vergrößerung Ende der 1920er Jahre. 1951 übernahm Erich Cramer die Apotheke.

1972 schlug dann Udo vom Stein zum ersten Mal in der Apotheke auf. „Damals hatte ich gerade mein Vorexamen in einer Apotheke in Remscheid bestanden.“ Eigentlich wollte der junge Udo vom Stein nach der Schule ein Handwerk in der Baumschule lernen. „Die Berufsberatung hat mich im letzten Moment davon abgebracht“, sagt er. Stattdessen ließ er sich zum Apotheker ausbilden. Noch während er nach dem Vorexamen auf seinen Studienbeginn wartete, griff er entscheidend in die Zukunft der Rats-Apotheke ein.

Dort hatte Erich Cramer ihn inzwischen angestellt: Und als Udo vom Stein eines Tages mit Bruder Manfred die Apotheke betrat, begannen die beiden an EDV-Lösungen für die Apotheke zu tüfteln. Erich Cramer ließ seinem jungen Mitarbeiter diesen Raum: vom Stein entwickelte ein Datenverarbeitungsprogramm für Apotheken. „In meinem Leben begegnete ich immer mal wieder lieben Menschen“, sagt vom Stein heute, „sie ermöglichten mir, viel zu lernen.“ Dazu gehörte die Computertechnik: Als Autodidakt schrieb vom Stein die Apotheken-EDV, meldete eine Selbstständigkeit an, verkaufte sie an 162 Apotheken und betreute die Kunden auch – während er parallel das Studium zum Apotheker absolvierte. „Ich schreibe viele Programme heute noch selbst, die wir im Apothekenalltag brauchen“, sagt er, „es ist hilfreich, wenn man ein Grundverständnis dafür hat.“

Am 1. Januar 1987 kaufte er die Apotheke: Er übernahm Apothekerin Renate Linden. Schon 1995 baute er die Apotheke um, gab ihr ein modernes Gesicht und bemühte sich, Ärzte im Haus anzusiedeln. Mit Erfolg. 2003 stand der nächste Umbau für die Praxisräume in der 1. Etage an. 2019 schuf er in der 2. Etage einen Seminarraum und eine kleine Wohnung für den Notdienst.

Menschenfreundlichkeit trifft auf Geschäftssinn: „Das eine fördert das andere“, sagt er und erzählt von jenem Jahr, als er den Botendienst ins Leben rief. Er wollte Kunden das Angebot machen können, Medikamente auch vorbeizubringen. „Heute haben wir vier Fahrer und zwei Autos.“ Gelegentlich übernehme er selbst diese Aufgabe. „Ich brauche einfach den Kontakt zur Basis“, sagt er. Immer wieder gebe es neue gesetzliche Anforderungen. Erst Rabattverträge, dann Impfzertifikate, dann die Engpässe beim Personal: „So viele Erschwernisse“, sagt er. Inzwischen hat er neue Abläufe geschaffen und auch in der verwinkelten Apotheke neue Arbeitsplätze und technische Möglichkeiten geschaffen. 17 Mitarbeiter sind in der Rats-Apotheke im Einsatz.

Im Moment richte er die Apotheke auf mögliche Stromausfälle ein, sagt er. Die Liebe zur Technik hat er sich erhalten. Allerdings hat sich vom Stein mit seinen Mitarbeiterinnen gegen den Roboter entschieden, der die Medikamente per Knopfdruck bringt. „Das machen wir lieber selbst“, sagt er. Auch im 100. Jahr des Bestehens.

Hintergrund

Zum Jubiläum machte sich Udo vom Stein auf die Suche nach historischen Bildern: Claus Füllhase brachte ihm eine Postkarte aus den 1960er Jahren und ein Motiv aus der Nazizeit. Auch Volker Ernst vom BGV wurde fündig: „Eine Fotografie, die vor dem 20. April 1933 aufgenommen worden sein muss.“ Damals trug die Straße noch ihren alten Namen.

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