Rainer Bleek will mit Augenmaß zum Ziel

Rainer Bleek (SPD) möchte die Herausforderung als Bürgermeister von Wermelskirchen noch einmal annehmen und einige Projekte angreifen. Foto: Doro Siewert
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Rainer Bleek (SPD) möchte die Herausforderung als Bürgermeister von Wermelskirchen noch einmal annehmen und einige Projekte angreifen. Foto: Doro Siewert

Der Bürgermeister hat in fünf Jahren Amtszeit gelernt, worauf es im Rathaus ankommt

Von Anja Carolina Siebel

Herr Bleek, Sie haben ihr Wahlkampfmotto bewusst ausgewählt. Es heißt „Mit Augenmaß und Leidenschaft“. Was bedeutet das genau?

Rainer Bleek: Das bedeutet, dass ich mit viel Leidenschaft hinter der Aufgabe als Bürgermeister stehe und viele Ideen auch für die neue Amtszeit habe. Das bedeutet aber auch, dass ich nach fünf Jahren als Bürgermeister in Wermelskirchen weiß, dass man in dieser Position nicht immer dicke Bretter bohren muss, sondern manchmal auch dünnere (lacht). Es gibt eben Projekte, die realistisch rasch umsetzbar sind. Über manche muss man aber vielleicht erst einmal diskutieren, sich mit anderen abstimmen oder, wenn möglich, Fördermittel akquirieren. Das kommt immer auf das Vorhaben an. Es ist jedenfalls immer eine Gratwanderung, Neues zu entwickeln. Gerade in einer Stadt im Haushaltssicherungskonzept.

Entsprechend werden Sie ihr Programm für die nächsten fünf Jahre aufgestellt haben. Was sind die wichtigsten Ziele?

Bleek: Wir wollen auf jeden Fall ein neues Hallenbad. Wir müssen bezahlbaren Wohnraum schaffen, denn wir wollen unsere Bürger in unserer Stadt halten und neue gewinnen. Zudem ist ein wichtiges Ziel, die Schulen auf den neuesten Stand zu bringen. Wir sind ja damit schon auf einem guten Weg. Beispielsweise konnten wir mit der neuen Mensa an der Schwanenschule und der Erweiterung in Hünger mehr Platz schaffen. Auch an der Grundschule St. Michael hat sich mit dem Ausbau des Dachgeschosses einiges getan. Ziel ist aber, wirklich alle Schulen auf einen baulich guten Stand zu bringen. Einiges zu tun haben wir beispielsweise noch am Standort Tente der Grundschule Am Haiderbach.

Was gibt es sonst zu tun?

Bleek: Weiterer wichtiger Punkt ist das Brandschutzkonzept. Das heißt vor allem, die Modernisierung der Gerätehäuser der Freiwilligen Feuerwehren. In Dabringhausen gehen die Bauvorarbeiten gut voran. Wir arbeiten dort mit einer Blaupause, so dass andere Häuser später auch nach diesem Modell gebaut werden können. Wir werden allerdings gehalten sein, einige Löschgruppen-Stützpunkte zu vereinigen. Zudem ist mir die Weiterentwicklung des Öffentlichen Nahverkehrs mit Anbindung an die Rheinschiene wichtig. Und ich würde mir wünschen, dass wir das Rhombus-Gelände doch noch mit öffentlichen Mitteln entwickeln können.

Zurzeit sieht es nicht aus, dass die Eigentümer mit der Stadt zusammenarbeiten wollen. Zumindest haben sie den Verkauf des Geländes abgelehnt und planen jetzt dort Veranstaltungen wie einen Oldtimertreff, einen Markt der Möglichkeiten oder ein Weihnachtsdorf. . .

Bleek: Ich finde den Absprung der Eigentümer vom Kaufvertrag sehr bedauerlich. Und für uns sind die Pläne, die die Eigentümer derzeit verfolgen, ein großes Buch mit sieben Siegeln, weil sie mit uns darüber bislang nicht gesprochen haben. Ich sehe in den Projekten, die sie laut Berichterstattung der Tageszeitungen planen, aber auch keine Lösungen, die ich als brauchbar für die Innenstadtentwicklung erachte. Was jetzt auf dem Plan steht, kann allenfalls eine Zwischenlösung sein. Ich würde gerne innovative Wohnräume und Arbeitsplätze schaffen, etwas, was unsere örtliche Wirtschaft unterstützt.

Schüler, Lehrer und Eltern der Sekundarschule warten auch auf eine endgültige Lösung – auf ihr neues Schulgelände an der Rot-Kreuz-Straße. Zurzeit werden sie in Containern am Weyersbusch unterrichtet. Alle waren froh, dass nach dem Umzug in das Interims-Quartier etwas Ruhe einkehrte. Dann kam von Bürgermeisterkandidatin Marion Lück der Vorschlag, das Schulmodell noch mal zu überdenken, weil es wenig Anmeldungen gibt. Was denken Sie darüber?

Bleek: Ich halte davon nichts. Unser Credo als Stadtspitze war es eigentlich immer, die Sekundarschule aus der politischen Diskussion herauszuhalten.

Warum?

Bleek: Weil es unnötige Unruhe in den Schulbetrieb bringt. Die Schule hatte in der Aufbauphase mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen, baulicher und organisatorischer Art. Erst jetzt hat sie ruhigeres Fahrwasser erreicht. Und das Argument, dass viele Dabringhauser Schüler zur weiterführenden Schule nach Odenthal wechseln, zieht für mich nicht. Das ist natürlich dem kurzen Weg und der bestehenden Busverbindung dorthin geschuldet.

Also sind das Thema Abwanderungsquote und der mögliche Wunsch einiger Eltern nach einer Gesamtschule für Sie kein Thema?

Bleek: Doch. Ich bin durchaus der Meinung, dass wir die Abwanderungsquote im Blick haben und auch nach Ursachen forschen sollten, warum die Anmeldezahlen an der Sekundarschule im Vergleich zu Schulen in anderen Städten bisher noch nicht ausgeschöpft werden. Aber das müssen wir ja nicht unter Einbezug der Öffentlichkeit machen. Ob der Wunsch nach einer Gesamtschule besteht, weiß ich nicht, aber ich sehe in Wermelskirchen kein Potenzial für eine dritte Oberstufe. Und die hätten wir ja dann, wenn man Gymnasium und Berufskolleg mitrechnet. Zudem wäre es ein immenser Aufwand, das Gebäude völlig neu zu planen. Die Planung für die Sekundarschule steht ja jetzt nun mal.

Ein großes Projekt Ihrer Amtszeit ging dieser Tage sozusagen in die Vollendungsphase: Der Bau des Jugendfreizeitparks begann am Dienstag mit dem ersten Spatenstich. . .

Bleek: Ja. Wir hätten uns zwar eine etwas schnellere Umsetzung gewünscht, aber auch hier mussten wir realistisch bleiben. Es nahm Zeit in Anspruch, Spenden zu akquirieren und schließlich auch Unternehmer für den Bau zu finden. Günstig ist, dass parallel die Weiterführung der Balkantrasse läuft, so dass schließlich wohl beides zusammen an den Start gehen kann.

Und auch ansonsten konnten Sie die meisten Ihrer Pläne umsetzen.

Bleek: Ja, wir haben die Sportplätze modernisiert und sind auch mit der Schulertüchtigung sowie beim Arbeitsprogramm für städtische Gebäude ein ganzes Stück weitergekommen. Einiges steht noch an. Aber ich habe ja auch hoffentlich noch fünf weitere Jahre Zeit.

Zur Person

Rainer Bleek (SPD) ist seit 2015 hauptamtlicher Bürgermeister in Wermelskirchen. Der Diplom-Sozialwissenschaftler war in Bergisch Gladbach Bereichsleiter einer Krankenkasse. Ab 1989 war Rainer Bleek Mitglied des Kreistages im Rheinisch-Bergischen Kreis und ab 2004 Mitglied des Rates.

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