Radevormwalder hat seine Familie erstochen

Nachbarn und Anwohner stellten Kerzen auf, legten Blumen nieder, und auch Kuscheltiere wurden vor dem Haus abgelegt. Foto: Tim Oelbermann
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Nachbarn und Anwohner stellten Kerzen auf, legten Blumen nieder, und auch Kuscheltiere wurden vor dem Haus abgelegt.

Obduktionsbericht der Staatsanwaltschaft bringt Gewissheit

Von Anja Carolina Siebel

Die Passantin, die am Samstagmittag mit ihrem Hund an dem weißen Haus an der Elberfelder Straße entlanggeht, bringt es auf den Punkt: „Es ist bedrückend. Man findet einfach keine Worte.“ So geht es wohl vielen Menschen, die von der grausamen Tat, die sich am Freitagabend in Radevormwald-Herbeck ereignet hatte, erfuhren. Noch an jenem Abend hatte es geheißen, dass bei einem Wohnungsbrand fünf Leichen entdeckt wurden. Die Polizei hatte aber von Anfang an von einem Kapitaldelikt gesprochen.

Der Obduktionsbericht der Staatsanwaltschaft Köln brachte am Samstagnachmittag dann traurige Gewissheit: Der 41-jährige Familienvater, ein Bundeswehrsoldat, habe seine 37 Jahre alte Ehefrau, die laut RGA-Informationen als Berufsschullehrerin am Berufskolleg in Wermelskirchen angestellt war, die ein und vier Jahre alten Töchter und die 77-jährige Schwiegermutter am Freitag um kurz nach 17 Uhr mit einem Messer getötet, heißt es darin. Anschließend zündete der Bundeswehrsoldat das Haus an und brachte sich selbst ebenfalls mit einem Messer um. Tatmotiv sollen laut Polizeibericht Eheprobleme des Paares gewesen sein.

Radevormwalds Bürgermeister Johannes Mans zeigte sich am Wochenende stark bestürzt über die Bluttat. „Es ist unvorstellbar. Vor allem für die Rettungskräfte, die ausgerückt waren, um einen Brand zu löschen und Menschen zu retten, war das ein grausamer Schock.“ Er versicherte, dass auch Eltern und Kinder der beiden Kindertageseinrichtungen, die die vier- und einjährigen Töchter der Familie besuchten, seelsorgerische Betreuung bekommen sollen.

Nachbarin: „Sowas traut man doch auch keinem zu“

Am Samstagmittag erscheint das grausame Geschehen vom Vortag fast unwirklich. Hin und wieder kommen Menschen vorbei und legen Blumen und Kerzen vor dem Grundstück ab. So wie Daniela Ehrenreich und ihre Kinder. „Wir kannten die Familie nicht, aber es sind ja kleine Kinder zu Tode gekommen. Das lässt einen einfach nicht kalt“, sagt die Radevormwalderin und zündet eine rote Kerze an. Schweigend stehen sie eine Weile da.

In der Radevormwalder Facebookgruppe haben die Moderatoren aus Rücksicht und Respekt vor den Angehörigen der Toten diverse Beiträge bereits gelöscht. Die meisten wollen aber einfach nur ihr Bedauern und ihre Erschütterung zum Ausdruck bringen. So wie die Nachbarin, die gegenüber der verstorbenen Familie lebt, nicht genannt werden möchte.

„Natürlich liest man viel Quatsch bei Facebook“, räumt sie ein, „aber irgendwie und irgendwo müssen die Leute wohl auch ihre starken Emotionen zum Ausdruck bringen. Ich kannte das Paar und die Kinder nur von Spaziergängen mit den Hunden. Sie waren auf den ersten Blick angenehm, nett. Aber dass sowas bei uns in der Nachbarschaft passiert, das ist total unbegreiflich. Das traut man doch auch keinem zu.“

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