Queen brachte ihn zum Schlagzeug

Mit 14 Jahren hatte Jens Mayland ein Schlüsselerlebnis: Er besuchte ein Konzert von Queen – und Roger Taylor weckte seine Leidenschaft fürs Schlagzeug. Foto: wow
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Mit 14 Jahren hatte Jens Mayland ein Schlüsselerlebnis: Er besuchte ein Konzert von Queen – und Roger Taylor weckte seine Leidenschaft fürs Schlagzeug.

Jens Mayland spricht über sein Arbeitsleben – Musikschullehrer ist seit 1992 professioneller Musiker

Von Wolfgang Weitzdörfer

Herr Mayland, wie sind Sie zum Schlagzeug gekommen?

Jens Mayland: Ich habe relativ spät, mit vierzehneinhalb Jahren, damit angefangen. Das Instrument – und seine Spieler – hatte ich hingegen schon früher bewundert. Ich war am Gymnasium in Wermelskirchen, dort gab es eine Schulband. Und den Schlagzeuger fand ich richtig gut. Ein Schlüsselerlebnis war für mich dann, dass ich mit 14 Jahren Queen live sehen durfte. Na ja, von diesem Moment an war klar: Ich wollte Roger Taylor werden! 

Konnten Sie zu Hause üben oder hätte das Probleme mit den Eltern gegeben?

Mayland: Es hat durchaus ein bisschen Überzeugungsarbeit gekostet, aber meine Eltern haben mich dann schon sehr unterstützt, als sie merkten, dass es mir ernst mit der Musik ist. Das haben sie auch daran gemerkt, dass ich bereit dazu war, die Hälfte der Unterrichtskosten selbst zu zahlen. Wir haben dann den Heizungskeller zum Übungsraum umgebaut, so dass ich nicht im Wohnzimmer spielen musste…

Wann haben Sie sich dazu entschieden, Musiker/Musiklehrer zu werden?

Mayland: Für mich war klar, dass ich Schlagzeuger werden wollte. Ich bin mit 18 Jahren von der Schule abgegangen und habe dann bei der Bundeswehr Musik studiert. Dort war ich zum einen im Ausbildungsmusikkorps und auch in diversen Bundeswehr-Orchestern dabei. Und seit 1992 bin ich freiberuflicher Musiker, unterrichte in den Musikschulen in Wermelskirchen und Burscheid – und spiele in allen möglichen Kapellen: Von Rock, über Egerländer und Schlager bis Heavy Metal war schon alles dabei.

„Rhythmus begleitet uns Menschen von Anbeginn unseres Lebens.“

Was muss man mitbringen, um Schlagzeug zu lernen?

Mayland: Ein ganz klein bisschen Birne ist wichtig. Man muss wissen, wo die Fäden der Koordination beim Schlagzeugspielen zusammenlaufen – und das ist eben im Kopf. Wenn man in der Lage ist, bis vier zu zählen, dann kriegt man eigentlich auch einen simplen Schlagzeuggroove mit drei oder sogar auch vier Gliedmaßen hin. Man muss einfach die Methodik dahinter verinnerlichen und verstehen. Ich behaupte, dass ich unter diesen Voraussetzungen wirklich jedem die Schlagzeuggrundlagen beibringen kann. Man muss halt dabeibleiben und sich nicht frustrieren lassen. Das Schlagzeug ist arbeitsintensiv, weil es Bewegungsabläufe beinhaltet, die nach und nach verinnerlicht werden müssen – wie beim Fahrradfahren. Oder beim Gehen. Da sagt doch auch kein Kind, ach, nee, das ist mir jetzt zu kompliziert, damit höre ich jetzt auf. Dranbleiben – und dann funktioniert es.

Ist es ein besonders anspruchsvolles Instrument?

Mayland: Ja, das schon. Denn es hat unglaublich viele Facetten. Es fängt mit der Koordination an, dann gibt es aber so viele unterschiedliche Soundmöglichkeiten, die man durch unterschiedliche Bewegungen und verschiedenen Gliedmaßen erreichen kann. Letztlich ist der ganze Körper am Schlagzeugspiel beteiligt.

Kann man Rhythmusgefühl erlernen?

Mayland: Definitiv – wobei erlernen das falsche Wort ist.

Wachkitzeln?

Mayland: Ja, genau. Denn Rhythmus begleitet uns Menschen von Anbeginn unseres Lebens. Das erste, was wir mitbekommen, wenn wir geboren werden, ist der Rhythmus unseres Herzschlages. Ja, wachkitzeln passt gut – und das geht bei jedem Menschen.

Wie viel Sport ist Schlagzeugspielen?

Mayland: Es gibt sicherlich Leute, die das als Sport betreiben. Natürlich ist es ein sehr körperliches Musizieren. Wenn man etwa im Heavy Metal unterwegs ist, bei dem man etwa sehr viel Doublebass mit beiden Füßen spielt, dann kann das durchaus auch eine Joggingeinheit ersetzen.

Haben Sie viele junge Leute, die sich für dieses Instrument entscheiden?

Mayland: Ja, tatsächlich sind es viele junge Menschen. Es geht so im Alter von sieben Jahren los – im Einzelunterricht. Wir haben auch Grundschulprojekte, da sind die Kinder noch jünger. Und nach oben sind keine Grenzen gesetzt – mein ältester Schüler ist 56. Der hat von Null angefangen, möchte sich im Schlagzeugspiel verwirklichen und hat vor ein paar Wochen mit dem Unterricht angefangen.

Wie viel Zeit muss man ins Üben investieren?

Mayland: Kommt auf den eigenen Anspruch und die eigene Zielsetzung an. Als Lehrer setze ich die Schüler nie unter Druck. Jeder hat sein eigenes Lerntempo und will unterschiedliche Dinge erreichen. Wenn ein Siebenjähriger zu mir kommt, der das Instrument erlernen will, und sich zehn Minuten am Tag damit auseinandersetzt – dann bin ich als Lehrer glücklich. Wenn man aber in den Profibereich kommt, dann muss man sagen: Wenn ich den Anspruch habe, das Schlagzeugspielen als Beruf auszuüben – wie viele Stunden arbeitet ein normaler Angestellter am Tag? Sieben? Acht? Die muss man dann eben auch ins Üben, ins Auseinandersetzen mit der ganzen Materie, investieren.

„Für den Anfang tut es auch ein gebrauchtes Schlagzeug, der Markt ist groß.“

Was kostet ein gutes Instrument?

Mayland: Ein akustisches Drumset, das man auch guten Gewissens als solches bezeichnen kann, gibt es ab etwa 500 bis 600 Euro. Für den Anfang tut es auch ein gebrauchtes Schlagzeug, der Markt ist entsprechend groß, mit ein bisschen Suchen und Know-how findet man da auch gute Instrumente.

Sind Sie eher der spartanische Schlagzeugspieler oder muss Ihr Instrument viele Becken und Trommeln haben?

Mayland: Das kommt ganz auf die jeweilige Musik und ihre Bedürfnisse an. Wenn die Rolling Stones anrufen und wollen, dass ich sie bei „Satisfaction“ unterstütze, dann spiele ich – wie der im Vorjahr verstorbene Stones-Drummer Charlie Watts das getan hat – auf einem eher minimalistischen Schlagzeug. Ruft mich hingegen Metal-Ikone King Diamond an, dann wird das Schlagzeug eher so aussehen, wie bei dessen ehemaligem Drummer Mikkey Dee – viele Becken, viele kleine Toms und Trommeln, jede Menge Schnickschnack. Ich sehe mich persönlich als Band-Schlagzeuger, ich sehe zu, dass ich mit meinem Spiel den jeweiligen Song bereichere und unterstütze.

Welcher ist ihr Lieblings-Schlagzeuger?

Mayland: Grundsätzlich gibt es in jedem Genre die entsprechenden Koryphäen. Was mich am meisten inspiriert und beeindruckt, sind die Allrounder, die man in jeden Kontext setzen kann und sie klingen immer wie sie selbst – egal, ob sie nun in der Big Band spielen, im Jazz-Trio oder in der Heavy-Metal-Kapelle. Gregg Bissonette ist so ein Schlagzeuger, auf den genau das zutrifft. Der kann alles spielen – und den bewundere ich sehr für das, was er spielt und was er macht.

Gibt es ein Schlagzeugsolo oder einen Schlagzeugpart, der sie fasziniert?

Mayland: Der ebenfalls bereits verstorbene Foo-Fighters-Schlagzeuger Taylor Hawkins fasziniert mich mit allem, was er in dieser Band gespielt hat. Das sitzt vom ersten Moment und Ton an und klingt perfekt. Daher würde ich ihn für sein Gesamtwerk als faszinierend beschreiben. Einzelne Parts oder Solos gibt es aber tatsächlich nicht, die ich im Sinn der Frage bewundern würde.

Hintergrund

Unterricht: An der Musikschule Wermelskirchen gibt es sieben Fachbereiche. Das Portfolio des Angebots umfasst: Pop, Talentspirale SVA (Musiktheorie), Klavier, Elementar, Blasinstrumente, Gitarre und Streichinstrumente.

Schlagzeug: Wer Schlagzeuspielen erlernen will, kann sich an den Fachbereich Pop wenden, Leiter ist Jens Mayland. Seine E-Mail-Adresse lautet:

jens.mayland@musikschule-wermelskirchen.de

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