Interview der Woche

Programm soll fortgesetzt werden

Der Bergische Fahrradbus gehört zu den Vorzeigeprojekten, die von Leader unterstützt wurden.
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Der Bergische Fahrradbus gehört zu den Vorzeigeprojekten, die von Leader unterstützt wurden.

Martin Deubel, Regionalmanager von Leader, blickt auf die geförderten Projekte in Wermelskirchen.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Herr Deubel, was verbirgt sich hinter dem Begriff LEADER ?

Deubel: LEADER ist ein europäisches Förderprogramm für den ländlichen Raum. Der Begriff ist eine französische Abkürzung von „liaison entre actions de développement de l‘économie rurale“. Das bedeutet frei übersetzt: „Verbindung von Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft“. In fast allen Ländern der europäischen Union gibt es das Programm in ländlichen Räumen. „Ländlich“ wird zum Beispiel dadurch definiert, das weniger als 30 000 Menschen in der Kommune leben.

Sie warten derzeit auf eine wichtige Entscheidung aus dem Umweltministerium ?

Deubel: Jeden Tag kann die E-Mail kommen, ob unser Förder­programm auch nach dem ­­31. Dezember 2022 weiter geht. Wir haben uns zusammen mit 45 anderen neuen und alten Regionen beworben – und alle sind jetzt sehr gespannt. Wir hoffen sehr, dass es mit unser Region Bergisches Wasserland weitergeht. Falls es klappt, können wir bis 2029 eine Förderung anbieten.

Was genau ist das Förderprogramm eigentlich ?

Deubel: LEADER kann Projekte in fast allen Bereichen fördern – etwa Wirtschaft, Wohnen, Tourismus, Dorfentwicklung, Lebensqualität, Prävention, Integration und Klimawandel. Unsere Region „Bergisches Wasserland“ ist eine von 28 LEADER Regionen in Nordrhein-Westfalen. Bei LEADER gibt es bei der Zielsetzung, der Auswahl der Projekte und der Organisation immer eine sehr starke Einbindung der Bürger nach dem „bottom-up“-Prinzip. Vereine oder andere Akteure bewerben sich mit einer Idee. Und wenn diese nach Ansicht des Auswahlgremiums zu den Zielen vom Bergischen Wasserland passt, wird das Projekt mit 65 Prozent der Kosten gefördert. Die Förderung kommt im Erstattungsprinzip. Der Verein muss also erstmal Geld ausgeben und bekommt danach die Förderung.

Und was ist der Verein Bergisches Wasserland ?

Deubel: Der Verein ist der Träger des Förderprogramms LEADER in den acht Kommunen, die in unserem Gebiet liegen. Eine davon ist Wermelskirchen. Der Verein hat etwa 50 Mitglieder. Der Vorstand besteht gerade aus 19 Mitgliedern, die darüber entscheiden, welche Projekte förderwürdig sind. Dazu hat der Verein ein möglichst transparentes und gerechtes Punktesystem entwickelt. Meine Kollegin Céline Zahn und ich arbeiten für den Verein und haben in Burscheid ein kleines Büro an der Höhestraße.

Welche Projekte wurden in Wermelskirchen schon gefördert ?

Deubel: Wir bieten eine Förderung mit LEADER-Mittel und eine zweite mit dem Regionalbudget an. Nimmt man beide Fördertöpfe zusammen, haben wir bisher 14 Projekte mit einem Bezug zu Wermelskirchen ausgewählt, die aber noch nicht alle fertig sind. Vollendet sind etwa die Projekte „Aufbau eines öffentlichen Bücherschranks“, „Energiewende im Freibad“ und der „Kauf einer variablen Veranstaltungsbühne“ in Dabringhausen, „Torffreie Jungpflanzen“ in Bremen, eine Ausstellung zur Wasserlandschaft Dhünn in Lindscheid oder der Bergische Feierabendmarkt in der Innenstadt. Auch der „Bergische Fahrradbus“ und „JUCA auf Schultour mit Youthnited“ wurden von uns gefördert. Insgesamt sind rund 400 000 Euro für die Projekte mit Bezug zu Wermelskirchen eingeplant.

Wer kann sich für eine Förderung bewerben ?

Deubel: Jeder kann sich bewerben. Die meisten Projekte werden von Vereinen durchgeführt, sechs Projekte von Kommunen oder anderen öffentlichen Trägern und ein paar von anderen Akteuren.

Geht man irgendwelche Verpflichtungen mit einer Förderzusage ein ?

Deubel: Man sollte sich schon gut überlegen, ob man das Projekt auch wirklich durchführen möchte, da man sich selbst mit der Vorbereitung – also etwa dem Einholen der Angebote – Arbeit macht. Man erhält vor dem Beginn des Projektes einen Zuwendungsbescheid der Bezirksregierung. Auch wenn man diesen erhalten hat, kann man sich noch von dem Projekt ohne Folgen zurückziehen. Sobald man aber Geld bekommen hat und dann nicht das Projekt bis zum Ende umsetzt, also das Projekt nicht den Bürgern des Bergischen dienen kann, muss man die Förderung komplett zurückzahlen – das unfertige Projekt kann seinen Zweck ja nicht erfüllen und ist, einfach ausgedrückt, sinnlos. Es gab schon mehrere Projektrückzieher, aber noch nie von einem unfertigen Projekt. Es musste bisher also noch niemand etwas zurückzahlen.

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