Aktion

Private Müllsammler sorgen für Ordnung

Oft ist es Bauschutt von Renovierungen, der irgendwo achtlos abgekippt wird. Archivfoto: Roland Keusch  
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Oft ist es Bauschutt von Renovierungen, der irgendwo achtlos abgekippt wird.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Immer mehr wild entsorgter Unrat sorgt bei der Stadt für Ärger.

Wermelskirchen. Sie treffen sich zum Müllsammeln, weil sie im Alltag mitbekommen, dass es schmuddelig ist auf Wegen und in Wäldern: Immer mehr Vereine, Initiativen, Kollegen in Firmen oder private Gruppen werden aktiv. Volker Niemz, Leiter des städtischen Betriebshofs, freut sich über dieses Engagement. „Wir von der Stadtverwaltung werden oft hingewiesen auf wilde Müllkippen oder auch vereinzelt herumliegenden Müll“, berichtet er. Große Müllmengen werden dann häufig von einem externen Entsorger angefahren. „Aber wir bekommen natürlich nicht alles mit“, räumt Niemz ein.

Was die Leute so in der Botanik wegwerfen? „Nahezu alle“, sagt Niemz. Das reicht vom achtlos weggeworfenen Butterbrotpapier oder Getränkedosen, bis hin zu Müllkippen im Wald oder auf Wanderparkplätzen. Das sind dann oft Autoreifen oder auch Bauschutt von der letzten Renovierung. Oder Grünschnitt.“ Dass die Entsorgung zu teuer wäre, und die Menschen deshalb ihren Unrat wild entsorgen würden, das sei kein Argument, meint Volker Niemz. „Gerade den Grünschnitt könnten sie ja wunderbar am Wertstoffhof an der Albert-Einstein-Straße entsorgen. Uns erschließt sich das nicht.“ Es ärgere ihn maßlos, aber eine dauerhafte Lösung gebe es nicht. „Meist kann man die Müll-Sünder später gar nicht mehr ermitteln und sie kommen entsprechend ungeschoren davon.“

Auf der anderen Seite seien es aber auch immer mehr Initiativen, die sich zusammentun würden, um gemeinsam aktiv zu werden. Niemz: „Ich erinnere mich beispielsweise an eine Lehrerin in Dabringhausen, die das regelmäßig macht und die auch neulich Schülerinnen und Schüler mobilisiert hat, im Wald ein bisschen aufzuräumen.“ Der Bauhof stattet die engagierten Müllsammler dann auch auf Wunsch dauerhaft, mit Müllzangen und blauen Säcken aus. „Die können uns dann sagen, wo sie die Säcke ablegen und wir entsorgen die dann“, erklärt der Betriebshofleiter.

Auch die Firma Steinco initiierte am vergangenen Freitag wie berichtet eine Müllsammel-Aktion mit Auszubildenden. Und die Lebenshilfe zog vor einigen Wochen mit Mitarbeitenden der Werkstatt los.

Auch der Bergische Abfallwirtschaftsverband (BAV) unterstützt wie berichtet die privaten Müllsammler. „Im Frühjahr geht es dem Wilden Müll im BAV Verbandsgebiet an den Kragen – das ist schon fast eine Tradition in vielen Städten und Gemeinden im Oberbergischen Kreis und im Rheinisch-Bergischen Kreis“, heißt es in einer Mitteilung. Die Abfallberatung des BAV unterstütze Verwaltungen, Ortsvereine, Schulen, Kitas und alle anderen Gruppen, die sich gegen wilden Müll einsetzen wollen, mit Sammelutensilien, wie Zangen, Säcke und Handschuhen.

Einkaufswagen, Reifen und Sonderabfall

Bislang hätten sich laut BAV knapp 100 Sammelgruppen aus beinahe allen Städten und Gemeinden des Verbandsgebiets bei der Abfallberatung gemeldet, die mit mehr als 3000 Engagierten durchs Bergische gezogen seien. Dabei wurden sie mit fast 6000 Säcken und 9000 Paar Handschuhen ausgestattet. Die Zangen seien schon über 1000 Mal verliehen worden.

Was bei den Aktionen eingesammelt wurde, ist für manch einen kaum zu glauben: Etliche prall gefüllte Abfallsäcke, Einkaufswagen, Unmengen an Reifen und Sonderabfall - „es gibt beinahe nichts, was es nicht gab“, schreibt der BAV.

Volker Niemz weist darauf hin, dass es echte Hot Spots gebe, wo sich immer wieder gehäuft Unrat fände. Beispielsweise am Busbahnhof, wo viele offenbar auf der Durchreise ihren Abfall auf die Straße werfen. Müllsammel-Aktionen findet Niemz nicht nur deshalb gut, weil es damit sauberer wird im Stadtgebiet und in den Wäldern. „Die Initiatoren vermitteln ja auch eine gewisse Vorbildfunktion. Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist das wichtig. Und die nehmen es auch erfahrungsgemäß besser an. Als ich neulich mit meiner Enkelin spazieren ging, sagte ich Schau mal, da liegt Müll. Das muss der Opa entsorgen. Da sagte sie: Das können wir Kinder doch machen.“

Kontakt

Wer eine private Müllsammlung organisieren will, kann sich beim städtischen Betriebshof unter Tel. (0 21 96) 7 10 9 21 melden. Der stellt dann Müllsäcke und Zangen für die Helfer. Die vollen Müllsäcke werden nach der Sammlung auch von den Mitarbeitenden entsorgt.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Mit gutem Beispiel

anja.siebel@rga.de

So richtig begreifen kann man es nicht. Da entsorgen Leute ihren Unrat, teilweise sogar Autoreifen oder Bauschutt, einfach so im Wald oder auf einem Wanderparkplatz. Häufig sieht man solche wilden Müllkippen auch an Glas- oder Papiercontainern. Dabei kann der meiste Unrat kostenfrei beim Wertstoffhof entsorgt werden.

So ein Verhalten ist unsozial und schlichtweg unterirdisch. Mit gutem Beispiel gehen indes jene voran, die sich zu privaten Müllsammel-Aktionen zusammentun. Inzwischen gibt es viele Schulen, Vereine und Initiativen sowie Firmen, die sich dazu entschließen - und damit nicht nur Vorbildfunktion übernehmen, sondern auch ihre Gemeinschaft stärken.

Dass das den Betriebshofleiter freut, hat übrigens nichts damit zu tun, dass er selbst nicht arbeitet. Er hat genug zu tun, aber den Müllbergen Herr zu werden, das ist schlichtweg unmöglich geworden. Leider auch in Wermelskirchen.

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