Bundestagswahl 2021

Politiker fiebern dem Wahlausgang entgegen

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Am Sonntag wird gewählt.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Viele sagen: Noch spannender als das Ergebnis am Sonntag werden die Koalitionsverhandlungen.

Wermelskirchen. 13 Prozent. „Besser wären natürlich 15.“ In diesem Rahmen bewegt sich jedenfalls die Erwartung von Marco Frommenkord (FDP) für das Ergebnis seiner Partei auf Bundesebene am Wahlsonntag. Frommenkord wird den Wahlabend mit Parteikollegen beim Grillen im heimischen Garten verbringen. „Und dann mal schauen, was passiert. Ich würde Christian Lindner das Direktmandat im Rheinisch-Bergischen Kreis natürlich absolut gönnen. Noch spannender als das Wahlergebnis am Sonntag ist für mich aber, was nach den Wahlen auf Bundesebene passiert, wie die Koalitionsverhandlungen aussehen werden.“

Auch für Henning Rehse (Freie Wähler) sind vor allem die Koalitionsvereinbarungen im Anschluss an die Wahl spannend. „Alles ohne die Grünen kann ich mir vorstellen“, sagt der Wermelskirchener. Denkbar wäre für ihn entsprechend eine Deutschland-Koalition zwischen CDU, SPD und FDP.

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Oliver Platt (Bürgerforum) will sich das Ganze „recht entspannt anschauen“. „Ein wenig schade finde ich, dass es wohl keine klare Mehrheit auf Bundesebene geben wird“, vermutet er.

Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Stefan Leßenich war während der letzten Tage noch mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Hermann-Josef Tebroke auf Tour, um die Wermelskirchener an ihren Haustüren zu begrüßen. „Da haben wir bemerkt, dass viele uns ihre Erststimme geben, aber mit der Zweitstimme noch sehr zögerlich umgehen.“ Mit der Zweitstimme bestimmt der Wähler letztlich das Mehrheitsverhältnis im Parament, was dann auch Auswirkungen auf die Wahl des Bundeskanzlers oder die Bundeskanzlerin hat.

Auch Wermelskirchener CDU war sich uneinig

Leßenich räumt ein, dass es auch unter den Wermelskirchener CDU-Politikern unterschiedliche Prioritäten gegeben hätte, was den Kanzlerkandidaten anging. „Manche waren auch eher für Markus Söder, manche für Friedrich Merz“, berichtet Leßenich. „Aber ich habe immer gesagt, dass wir jetzt hinter unserem Kandidaten stehen müssen. Und das tun wir auch. Wir haben allerdings auch bei den Haustürwahlkampf-Besuchen immer wieder versucht, den Leuten klarzumachen, dass es ja im Grunde ganz entscheidend auch um die Wahlprogramme der Parteien geht. Damit sollte sich jeder Wähler zumindest beschäftigen.“

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Auf eine klare Mehrheit hofft Jochen Bilstein (SPD). Was ist für ihn der Unterschied zwischen Martin Schulz, der 2017 als SPD-Kanzlerkandidat zunächst fulminant auftrat und Sympathien erwarb – und dann in der Wählergunst stark absackte, und dem jetzigen Kandidaten Olaf Scholz? Zur Erinnerung: Die SPD fuhr mit Schulz 2017 das schlechteste SPD-Ergebnis der Nachkriegszeit ein. „Wir rechnen uns jetzt natürlich klar bessere Chancen aus, stehen geschlossen hinter dem Kandidaten“, unterstreicht Bilstein. „Ich denke auch, dass er als Finanz- und zuvor als Arbeitsminister bereits beweisen konnte, dass er jemand mit großer Besonnenheit, aber auch klaren Vorstellungen ist.“

Für Stefan Janosi (Grüne) ist schon heute klar, dass die Kandidatin Annalena Baerbock wohl nicht ins Kanzleramt einziehen wird. „Aber wir rechnen mit einem soliden, guten Ergebnis, hoffen, das von der letzten Wahl verdoppeln zu können.“ Wer als Kandidat überzeugen wird, kann er nicht abschätzen. Als Koalitionspartner könnte sich Janosi die SPD und die FDP vorstellen, also eine Ampel-Koalition.

Wahlkreis

Die Stadt Wermelskirchen gehört zum Wahlkreis 100 (Rheinisch-Bergischer Kreis). Außerdem gehören Burscheid, Leichlingen, Odenthal, Kürten, Bergisch Gladbach, Overath und Rösrath zu diesem Wahlkreis. Das Stadtgebiet ist in 20 Wahlbezirke aufgeteilt und hat 24 Stimmbezirke.

Standpunkt: Bitte unbedingt wählen

Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

In einer Demokratie dürfen wir wählen. Dass das nicht selbstverständlich und ein hohes Gut ist, zeigen Beispiele anderer Länder. Aber war es nicht „noch nie so schwer wie diesmal?“ Ja, zugegeben, die Entscheidung, welche Partei denn nun federführend die Belange des Staates lenken und letztlich die Bundeskanzlerin oder den Bundeskanzler stellen soll, ist diesmal vielleicht besonders schwer. Möglicherweise, weil die Kandidaten Schwächen gezeigt haben, nicht so überzeugend und charismatisch aufgetreten sind wie manche ihrer Vorgänger. Oder vielleicht auch für einige deshalb, weil Angela Merkel große Fußstapfen hinterlässt. Aber es nützt ja nichts. Wir müssen zur Urne. Zumindest jene, die noch nicht per Briefwahl abgestimmt haben. Und selbst wenn es diesmal „so schwer“ fällt: Alles ist besser, als gar nicht zu wählen. Die Entscheidung, wer das Land regiert, kann von wenigen Stimmen abhängen. Im Zweifel von Ihrer. Nicht zu wählen, schadet nicht „den unfähigen Politikern“, sondern letztlich allen Bürgern. Denn wer nicht wählt, erleichtert es Extremisten, Einfluss auf unsere Gesellschaft und die Politik zu nehmen. Und wer will das schon?

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