Pflegebonus sorgt für Freude und Unmut

Ela Glazik, Monika Pranschke und Omar Agzoum (v. l.) von Haus Vogelsang freuen sich über den Pflegebonus.
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Ela Glazik, Monika Pranschke und Omar Agzoum (v. l.) von Haus Vogelsang freuen sich über den Pflegebonus.

Reaktionen auf die Prämie der Bundesregierung fallen in Wermelskirchen unterschiedlich aus.

Von Arnd Janssen

Wermelskirchen. Zu Beginn der Pandemie bekamen Pflegekräfte von Bund und Ländern 1500 Euro Corona-Prämie, dieses Jahr gib es den Pflegebonus. Doch während damals alle Berechtigten Anspruch auf dieselbe Summe hatten, gibt es diesmal durch die strenge Staffelung des Bonus große Unterschiede — vor allem an Krankenhäusern. Das sorgt bundesweit, aber auch in Wermelskirchen für Unmut. „Bei uns gibt es ein hohes Maß an Unverständnis für die Verteilung“, sagt Volker Launhardt, Chefarzt der Inneren Medizin am Krankenhaus Wermelskirchen. Die Prämie erreiche nicht alle Beschäftigten, die unter Corona-Belastungen arbeiten mussten.

Zum Hintergrund: Eine Milliarde Euro, je die Hälfte für Krankenhäuser und Altenheime, will die Bundesregierung an Fachkräfte in Form eines Pflegebonus auszahlen. Im Frühsommer wurde das Paket beschlossen, noch bis Ende Dezember wird es an Einrichtungen überwiesen. In der Altenpflege ist berechtigt, wer zwischen November 2020 und Juni 2022 mindestens drei Monate in einer entsprechenden Einrichtung beschäftigt gewesen ist.

Krankenhäuser sind berechtigt, die auf ihren Intensivstationen im Jahr 2021 zehn Corona-Patienten oder mehr mindestens 48 Stunden beatmet haben. Nicht nur diese Grenze sorgt für reichlich Ärger. „Sie wird nur an bettenversorgende Pflegekräfte ausgeschüttet, auch in Stationen, in denen keine Corona-Patienten waren“, erklärt Launhardt.

Auch in Altenheimengibt es eine Staffelung

Im Klartext bedeutet das: Beschäftigte auf Normal- und Intensivstationen bekommen Geld, Mitarbeiter unter anderem in Notaufnahmen, Operationssälen und Aufwachräumen bekommen nichts. Dazu hat nur Anspruch, wer 2021 mindestens 185 Tage am Stück im Krankenhaus beschäftigt gewesen ist. „Das ist eine eklatante Schieflage. Auch andere Stationen hatten mit Intensivpatienten zu tun und kriegen nichts“, sagt Launhardt, der entweder Willkür oder Unkenntnis vonseiten des Bundesgesundheitsministeriums vermutet.

Denn bei der Verteilung haben die Einrichtungen selbst keine Handhabe. Auch Ärzte oder Beschäftigte in der Verwaltung sind gänzlich ausgenommen. „Für einen Kliniker ist das nicht verständlich. Wir sind nicht glücklich, aber nehmen das professionell auf“, so der Chefarzt.

Auch an Altenheimen gibt es eine Staffelung, sie reicht von 60 bis 550 Euro. Wenn auch teilweise deutlich weniger als Krankenhauspfleger, jeder erhält etwas, was zumindest an Wermelskirchener Einrichtungen für Zufriedenheit sorgt. „Für unsere Mitarbeiter war das sehr positiv, weil es erst hieß, nur die Krankenhäuser bekommen etwas. Dann wurde es erweitert“, sagt Martin Niggehoff, Geschäftsführer der Carpe-diem-Gesellschaft, die Seniorenheime in Wermelskirchen und Dabringhausen betreibt. Die Boni wurden bereits an die Mitarbeiter überwiesen, auch Praktikanten wurden berücksichtigt. „Die Belastung war in diesem Jahr auf einem erheblich reduzierten Level. Allerdings müssen wir immer noch viele Hygienemaßnahmen aufbringen“, sagt Niggehoff. Immer noch werde dicht getestet, immer noch gebe es natürlich personelle Ausfälle durch Corona-Erkrankungen. Aber insgesamt sei die Lage entspannter. Ähnliches hört man vom Evangelischen Altenzentrum Haus Vogelsang. „Wir haben eine Routine entwickelt, am Anfang der Pandemie war noch eine große Unsicherheit da“, sagt Leiterin Heidi Popko.

Ihr seien keine Beschwerden über den Pflegebonus zu Ohren gekommen. „Diskussionen gibt es immer, aber dass einer gesagt, es sei zu wenig, das gab es nicht“, berichtet sie. Sie selbst kritisiert allerdings, dass bestimmte Beschäftigte weniger bekommen. „Die Verwaltung hat auch einen Mehraufwand, wir müssen jeden Besucher auf einen aktuellen Test prüfen. Das ist also aus meiner Sicht nicht gerecht“, so Popko. Am Haus Vogelsang kam die Zahlung bereits im Oktober.

Hintergrund

Krankenhaus: Intensiv-Pflegekräfte erhalten bis zu 2500 Euro vom Bund, steuerfrei könnten Arbeitgeber sogar bis 4500 Euro zahlen. Andere Fachpflegekräfte bekommen bis zu 1700 Euro.

Langzeitpflege:Vollzeitkräfte in direkter Pflege und Betreuung bekommen 550 Euro. Wer vor allem in Verwaltung, Küche oder Haustechnik mitarbeitet, bekommt bis zu 370 Euro.

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