Persische Musik beeinflusst den Jazz

Musik der Extraklasse boten (v. l.): Stefan Rey (Bass), Simon Tressin (Percussion), Rouzbeh Asgarian (Gitarre). Foto: Peter Klohs
+
Musik der Extraklasse boten (v. l.): Stefan Rey (Bass), Simon Tressin (Percussion), Rouzbeh Asgarian (Gitarre).

Roubeh Asgarian und sein Trio bestritten Abend im Haus Eifgen ohne zweite Band

Von Peter Klohs

Das für den Sonntagabend geplante Jazz-Doppelkonzert im Haus Eifgen konnte so nicht stattfinden. Recht kurzfristig musste Michael Dierks, Vorsitzender der Kulturinitiative Wermelskirchen, das Konzert des österreichischen Pianisten David Helbock absagen, da der Vorverkauf für dieses Konzert nicht den allgemeinen Erwartungen entsprach. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Helbock immerhin beim renommierten Jazz-Label ACT unter Vertrag steht und nicht völlig unbekannt ist.

Das ist der deutsch-iranische Gitarrist Rouzbeh Asgarian ebenfalls nicht. Er und sein Trio bestritten den Jazz-Abend im Haus Eifgen ohne zweite Band. 90 Minuten wurde Modern Jazz geboten, in einer weiten Spanne zwischen Ethnoeinflüssen, Funk, freiem Spiel, treibendem Jazzrock und zuweilen deutlichen Anleihen bei der persischen Musik. Rouzbeh Asgarian wurde im Iran geboren und verließ sein Heimatland, als er sechs Jahre alt war. Unter dem Präsidenten Khomeini herrschte Krieg. Zurückgekehrt ist Asgarian nie, träumt aber davon, Iran eines Tages gefahrlos besuchen zu können. Die Liebe zur Musik seiner Heimat scheint in seinen Kompositionen immer wieder durch.

„Ein kleines Publikum benimmt sich immer wie ein großes.“

Michael Dierks, Haus Eifgen

Annähernd 30 Gäste interessierten sich für die Musik des Trios. Michael Dierks dazu: „Ein kleines Publikum benimmt sich bei uns immer so wie ein großes.“ Die ganze Faszination von Asgarians Musik zeigte sich bereits im Opener „New Try“, dessen Thema orientalisch geprägt ist und mit seinem irritierenden 15/8tel eigentlich rhythmisch „holpern“ sollte.

Dagegen hat aber Percussionist Simon Tressin etwas, der beweist, dass ein guter Rhythmiker auch einen ungeraden Beat grooven lassen kann. Zu Tressins Instrumenten gehören diverse Becken, Rahmentrommel und verschiedene Rhythmusinstrumente mit nicht alltäglichen Namen wie Riq oder Cajon, die Tressin mit bloßen Händen, Stöcken oder Besen spielt. Der aus Neuss stammende Musiker scheint sich sehr leicht in die zum Teil abenteuerliche Rhythmik des Trios eindenken zu können: In „Days In“, das später im Programm steht, ist die Herausforderung noch größer: Ein 19/4tel steht an. Keine Aufgabe, die das Trio scheut, das Stück wird lustvoll angegangen. „Ever Change“ entpuppt sich als seelenvolle Ballade, in der Asgarians Solo von für mitteleuropäische Ohren unüblichen Tonsprüngen geprägt ist. Dazu kommt ein an Weite gemahnender Gitarrenton aus der Soundbox.

Im Gesamtklang ergibt sich ein faszinierendes Tonbild zwischen orientalischer Musik und sensiblem Schönklang. Aber das Trio kann auch anders: „Here“ aus dem Album „Waiting“ groovt wie die Hölle. Bassist Stefan Rey hat ein erstes (gestrichenes) Solo mit aberwitzigen Doppelgriffen, dem weitere folgen sollen, alle erzählerisch und trotz hörbar vorhandener Virtuosität nie überladen. Der aus Hückeswagen stammende Rey unterlegt die rhythmischen Finessen der Musik mit einem sehr zuverlässigen Teppich.

In Between klingt fast wie ein Moll-Blues

Rouzbeh Asgarian legt mit „Dilemma“ noch einen Zahn zu, betätigt das Wahwah-Pedal, verzerrt seine Gitarre, die irgendwann so klingt wie eine zornige Oud, und vergisst niemals den Song, die Basis der Musik. Seine beiden Mitstreiter erhalten genug Raum. Asgarian leitet das Trio sensibel. Das Titelstück seiner letzten CD „In Between“ klingt fast wie ein Moll-Blues, in dem der Gitarrist sein Solo langsam aufbaut; er hat Zeit. Und seine Mitmusiker ziehen kongenial mit.

Mit einem langsamen Funkrhythmus beginnt das letzte Stück, das von der dynamischen Entwicklung lebt. Als Zugabe kündigt Asgarian Musik an, die spontan beim Soundcheck entstanden sei und die sich als Midtempo-Groover entpuppt, die mit einer Swing-Bridge für Füßewippen sorgt und in der die Qualitäten von Stefan Rey und Simon Tressin deutlich werden. Ein formidables Trio.

Haus Eifgen

Michael Dierks von der Wermelskirchener Kulturinitiative erklärt sich das noch zögerliche Interesse an Konzerten mit der Vorsicht der Besucher. „Es geht jetzt langsam wieder richtig los.“. Für den 14. April steht die offene Musikkneipe mit „Tante Ernst“ auf dem Programm. Am Montag, dem 18. April, wird ab 11 Uhr Les Searle mit seinen Friends für einen swingenden Ostermontag sorgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Missbrauch: Angeklagter aus Wermelskirchen legt Geständnis ab
Missbrauch: Angeklagter aus Wermelskirchen legt Geständnis ab
Missbrauch: Angeklagter aus Wermelskirchen legt Geständnis ab
Die Sekundarschüler nicht vergessen
Die Sekundarschüler nicht vergessen
Die Sekundarschüler nicht vergessen
Diebe brechen in Wohnung ein und stehlen Uhren
Diebe brechen in Wohnung ein und stehlen Uhren
Diebe brechen in Wohnung ein und stehlen Uhren
Als Mediziner mag er es schmerzfrei
Als Mediziner mag er es schmerzfrei
Als Mediziner mag er es schmerzfrei

Kommentare