Weiterführende Schulen

Periodenprodukte stehen nun bereit

Die Schülersprecherinnen Lina Kronner (l.) und Havin Barisik neben einem der Spender.
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Die Schülersprecherinnen Lina Kronner (l.) und Havin Barisik neben einem der Spender.

An den weiterführenden Schulen gibt es Tampons und Binden aus dem Automaten – Stadt zahlt die Spender.

Von Arnd Janssen

Wermelskirchen. Im September wurde es beschlossen: Ohne Diskussion winkte der Rat der Stadt Wermelskirchen durch, dass die Verwaltung für zunächst ein Jahr kostenlose Menstruationsprodukte an die beiden weiterführenden Schulen bringt. Die Bereitstellung der Hygiene-Produkte jetzt schnell auf den Weg gebracht wird. Das Gebäudemanagement der Stadt hat zwölf Automaten bestellt, je sechs für beide weiterführenden Schulen, wie Rathaus-Sprecherin Kathrin Kellermann bestätigt. Seit dieser Woche sind am Gymnasium vier Spender montiert und in Betrieb. Die Montage der weiteren Automaten soll zeitnah erfolgen.

So reibungslos wie in Wermelskirchen lief es in der nahe gelegenen Landeshauptstadt Düsseldorf im vergangenen Jahr nicht, als die politischen Parteien in der Debatte im Stadtrat sich gegenseitig vorwarfen, das Thema nicht mit der gebührenden Ernsthaftigkeit zu behandeln. Erst nach intensivem Ringen entschloss sich der Düsseldorfer Schulausschuss diesen Sommer, das Projekt nach einer rund neunmonatigen Testphase dauerhaft weiterzuführen. Denn das Pilotprojekt war ein Erfolg, 70 Prozent der teilnehmenden Schulen hatten sich positiv darüber geäußert.

Zuspruch gab es auch in Wermelskirchen, wo die Kosten der Spender von 2500 Euro von der Stadt übernommen werden. Das Füllmaterial, Tampons und Binden, sei auch bestellt worden, die Bestückung der Spender erfolge beizeiten, heißt es aus dem Rathaus. Ein Automat am Gymnasium sei bereits mit bestehendem Material aus dem Sanitätsraum befüllt worden. Über die laufenden Kosten für die Bereitstellung der Produkte kann die Stadt noch keine Angaben machen. Etwa in Düsseldorf gab die dortige Stadtverwaltung laufende Kosten von rund 180 Euro pro Schule während der neunmonatigen Testphase an.

Der stellvertretende Schulleiter des Städtischen Gymnasiums, Martin Burghoff, und Lehrer der Schülervertretung (SV) Sanjin Selimovic hatten die Schüler in ihrem Wunsch begleitet. „Die SV wollte das initiieren. Schon vor den Sommerferien fragte sie Schulleitung und Hausmeister, ob das möglich ist. Wir finden das super, wenn die Notwendigkeit wirklich da ist“, sagt Burghoff.

Unklarheit bestand zuletzt aber noch bei der Finanzierung. Zunächst wollte sich die SV des Städtischen Gymnasium mithilfe des Schulvereins selbst um die Umsetzung kümmern. Der Hintergrund: Die Schüler hätten nichts davon gewusst, dass unabhängig von ihrem Vorhaben im Hauptausschuss der Stadt im September beschlossen wurde, die Verwaltung solle die Produkte kostenfrei an die Schule bringen. Zunächst hatte die SV also selbst angeboten, Sponsoren für das Projekt zu finden. Dies ist jetzt nicht mehr nötig, denn die Stadt kommt für sämtliche Kosten auf.

„Die SV ist auch bereit, sich um Befüllung und Pflege der Spender zu kümmern“, sagt SV-Lehrer Selimovic und erklärt, was die Motivation war, jetzt schnell kostenlose Hygieneprodukte zu fordern. „Die Schüler sind untereinander gut vernetzt, die kennen andere Schulen. Die Idee wurde also über persönliche Beziehungen und soziale Medien weitergetragen“, sagt Selimovic.

Menstruationsprodukte werden zunehmend enttabuisiert

Auch in nahe gelegenen Kommunen wie Hilden oder Haan sollen Menstruationsprodukte künftig kostenfrei verfügbar sein. In einer Sitzung im Februar äußerten die Schülerinnen dann ihren Wunsch. Über die Schulleitung wurde dann der Kontakt zur Stadt hergestellt. Jetzt endlich  sind die Hygieneartikel auf dem Weg. „Die Schülerinnen können es kaum erwarten“, sagt Selimovic. Burghoff rechnet derweil nicht damit, dass Tampons und Co. in Zukunft stark nachgefragt werden. Die meisten Schülerinnen würden selber schon daheim an die Hygieneartikel denken. „Es ist eher für den Fall, dass es jemand vergessen hat. Es gibt eine Sicherheit“, sagt Burghoff.

Wermelskirchen ist nur ein Beispiel für eine Zeit, in der Menstruationsprodukte zunehmend in der Öffentlichkeit enttabuisiert werden. Im August führte Schottland die kostenlose Bereitstellung solcher Artikel in öffentlichen Gebäuden ein. Prompt forderte auch die SPD-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag die Landesregierung auf, es den Schotten gleichzutun. Ein wichtiges Argument, das Befürworter häufig anführen: Mädchen und Frauen, die in ihrem Leben Tausende Euro für Hygiene-Artikel ausgeben, was Männer nicht betrifft, würden so finanziell entlastet.

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