Coronavirus

Pandemie: Vereine fühlen sich unter Druck

Insbesondere beim Hallensport gelten strengste Regeln. Archivfoto: Holger Battefeld
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Insbesondere beim Hallensport gelten strengste Regeln.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Verschärfte Regeln machen das Leben beim Sport zunehmend schwieriger

Wermelskirchen. Das wollen sie sich nicht nehmen lassen, das gesellige Beisammensein in kleiner Runde am zweiten Weihnachtsfeiertag. Der Vorstand von Tura Pohlhausen hat bei der Mitgliederversammlung am vergangenen Montag beschlossen, das Weihnachtsschoppen trotz erschwerter Bedingungen in der Pandemie stattfinden zu lassen. „Die Teilnehmer sind fast alle schon zum dritten Mal geimpft, und da haben wir entschieden, es zu machen“, sagt Vorsitzender Dirk Hohlmann.

Ansonsten ist das Vereinsheim, das zu normalen Zeiten häufig für Feiern gebucht wird, derzeit verwaist. „Sämtliche Partys sind abgesagt“, berichtet Hohlman. Froh sei er, dass die meisten Fußballer sich zurzeit in der Winterpause befinden. „Da müssen wir wegen der verschärften Maßnahmen nicht viel organisieren.“

„Das sind schon erschwerte Bedingungen.“

Karl-Heinz Fleischer, SV 09/35

Das ist bei den übrigen Vereinen zum Teil anders. „Wir stehen zunehmend unter Druck“, sagt zum Beispiel Karl-Heinz Fleischer vom SV 09/35. Denn: Die Sportvereine müssen sowohl beim Training als auch bei Spielen die 2G-Regel beachten – auch im Freien. Fleischer: „Das heißt im Klartext, dass nicht nur die Spieler unserer Mannschaften, sondern auch die Gäste, die Trainer und die gegnerische Mannschaft diese Voraussetzungen erfüllen müssen.“ Das habe ständige Kontrollen zur Folge. „Die Situation macht uns zunehmend mürbe, weil wir ja auch gar nicht wissen, wie es weitergeht.“ Während die Spieler der Seniorenmannschaften zum Großteil bereits durchgeimpft seien, seien es die Mitglieder der A- und B-Jugendmannschaften noch nicht.

„Dann gibt es die Sonderregelung, dass Genesene mit Maske spielen müssen. Und auch ein Übungsleiter, der erst einmal geimpft ist, muss im Kontakt mit anderen die Maske tragen. Das sind schon erschwerte Bedingungen“, schildert Karl-Heinz Fleischer die Situation.

Was beim SV 09/35 aber wieder stattfinden soll, ist der Weihnachtsbaumverkauf, den seit sechs Jahren Geschäftsführerin Kirsten Buchner mit organisiert (siehe Infokasten). „Wir hoffen, dass uns die Pandemie da nicht noch einen Strich durch die Rechnung macht“, sagt sie.

Beim TuS Wermelskirchen war das Ordnungsamt bereits zu Gast, um zu kontrollieren, dass alle Regeln eingehalten werden. „Das war beim Handballspiel der dritten Mannschaft am Wochenende“, berichtet Vorsitzender Norbert Galonska. „Es war alles okay, aber der Aufwand ist natürlich für alle Beteiligten immens.“ Regulär, das betont der Vorsitzende, müsste sich jeder Übungsleiter auch vor den Trainingsstunden in der Halle vergewissern, dass sowohl alle Beteiligten geimpft oder genesen sind, als auch einen entsprechenden Nachweis dabei haben. Galonska: „Das war einigen schon zu viel und zu riskant, sie sind wieder auf Online-Training umgestiegen. Zum Glück haben wir das Equipment ja noch in unserer Geschäftsstelle in Tente aufgebaut, so dass jeder Übungsleiter darauf zurückgreifen kann.

Die Vorstandsmitglieder des Judoclubs (JC) Wermelskirchen haben sich kurzerhand entschlossen, den Trainingsbetrieb, insbesondere für Kinder und Jugendliche bis Weihnachten komplett einzustellen. „Zuerst wollten wir das durchziehen“, räumt Kathrin Seide vom JC ein. „Aber dann haben wir gesehen, wie sich die Situation in den Schulen entwickelt und wollten das Risiko nicht eingehen, dass Familien über Weihnachten in Quarantäne müssen.“

Zuletzt hatten sich Kinder insbesondere an den Grundschulen häufiger mit dem Coronavirus infiziert. „Auch ein Kind von uns, das zuvor am Judotraining teilgenommen hatte“, erzählt Katrin Seide. „Das Ganze ging zwar glimpflich aus, aber uns ist es dann doch lieber, vorübergehend wieder auf Online-Angebote zurückzugreifen.“ Allein für die Wettkampfteilnehmer gebe es nach wie vor Trainingsmöglichkeiten.

SV 09/35

Der SV09/35 e. V. Wermelskirchen verkauft traditionell wieder Weihnachtsbäume im Dönges-Eifgen-Stadion. Das teilt Geschäftsführerin Kirsten Buchner mit. Der Verkauf findet vom 16. bis 19. Dezember statt. Im Umkreis von 20 Kilometern bietet der Verein einen kostenlosen Lieferservice an. Öffnungszeiten sind: Do/Fr: 17-19 Uhr und Sa/So: 11-17 Uhr. Zu jedem verkauften Baum gibt es einen Winzerglühwein gratis. Außerdem selbst gemachten Grünkohl. Es gilt die 2G-Regel.

Standpunkt

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Sport treiben ist gesund. Auch und vielleicht gerade in Zeiten der Corona-Pandemie. Allerdings haben die meisten Vereine derzeit mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen. Müssen sie doch dafür sorgen, dass einerseits der Trainings- und Spielbetrieb möglichst reibungslos weitergeht. Zum anderen müssen sie aber auch die strengen, derzeit geltenden Regeln einhalten. Das heißt vor allem: 2G, sowohl drinnen als auch draußen. Gerade bei Turnieren oder Mannschaftsspielen ist das für alle Beteiligten ein Kraftakt. Und Kontrollen der Ordnungshüter kann es, das hat man am Wochenende beim Spiel der dritten Handball-Mannschaft vom TuS gesehen, jederzeit geben. Wie lobenswert, dass sie allesamt ihren sportlichen Optimismus nicht verlieren und nicht nur weitermachen, sondern auch dafür kämpfen, dass alle im Boot bleiben können. Und letztlich, wie im Falle des JC Wermelskirchen, die Reißleine ziehen, wenn das Risiko einfach zu groß wird. Wir brauchen solche engagierten Ehrenamtler und es wird höchste Zeit, ihnen für ihren tollen Einsatz einmal Danke zu sagen. Denn der ist nicht selbstverständlich.

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