Notruf 112 läuft lange Zeit ins Leere

Normalerweise rückt der Rettungswagen nach einem Notruf rasch aus. Symbolfoto: Roland Keusch
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Normalerweise rückt der Rettungswagen nach einem Notruf rasch aus. Symbolfoto: Roland Keusch

Günter Henkel brauchte Hilfe für seine schwerstkranke Ehefrau – Aber er musste zwei Stunden ausharren

Von Markus Schumacher

Diese Nacht vom 30. auf den 31. März steckt WGA-Leser Günter Henkel (85 Jahre) auch knapp zwei Wochen später noch mächtig in den Knochen. Seine krebskranke Frau Waltraut wurde nachts von Fieberkrämpfen geplagt – doch auf den Notruf „112“ gab es keine Reaktion. Auch die Nummer „19222“ war wie tot. Der Ehemann drohte zu verzweifeln.

Erst nach anderthalb Stunden und mit Hilfe der Polizei tauchte ein RTW auf. „Gegen 5 Uhr morgens verständigte ich zunächst, wie in der palliativmedizinischen Behandlung besprochen, den Pflegedienst Straßburger“, schildert Günter Henkel. Die ihrerseits hätten sogleich den Hausarzt informiert. „Die Pflegerin und der Arzt waren auch beide schnell hier“, berichtet Henkel.

Für den Arzt hätte jedoch schon nach kurzer Untersuchung festgestanden, dass die Frau in ein Krankenhaus musste. Der Arzt habe dann mehrfach über Festnetz und Handy versucht, die „112“ zu erreichen – ohne Erfolg. Er versuchte wohl auch noch die „19222“, doch auch da blieb die Leitung stumm. Erst über die Polizeinotrufnummer „110“ konnte der Arzt jemanden erreichen, die Polizei versprach auch, sich um einen Krankenwagen zu bemühen.

„Die Firma wird eine technische Lösung finden.“

Birgit Bär, Kreissprecherin

Doch es verging eine weitere halbe Stunde, ohne dass ein Krankenwagen auftauchte. „Ich habe dann nochmals die 110 gewählt und mich beschwert“, berichtet Henkel, der zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich mit den Nerven runter war. Der Arzt sei da schon wieder zu einem anderen Einsatz gerufen worden. „Die Polizei sagte mir, dass ein Wagen unterwegs sei“, erinnert sich Henkel. Aber es dauerte noch bis kurz vor 7 Uhr, bis der RTW aus Leichlingen kam.

„Da gab es eine Panne“, räumt Birgit Bär, die Pressesprecherin des Rheinisch-Bergischen Kreises unumwunden ein, „und es ist uns furchtbar peinlich.“ Die Kreisverwaltung habe den Vorgang genau rekonstruiert und unter die Lupe genommen. Dabei wurden Schwachstellen erkannt: „Eine menschliche und eine technische“, erklärt Birgit Bär. Diese werde man abstellen, „so etwas darf nicht wieder vorkommen.“

Die Leitstelle in Bergisch Gladbach bietet elf Plätze in zwei Räumen. Auch nachts oder am frühen Morgen ist sie immer mit mindestens einer Person besetzt. Dort landen schließlich alle Notrufe an die 112, die im Kreis abgegeben werden. Doch an dem vor anderthalb Jahren eingeführten System gebe es ein Knöpfchen, mit dem sich ein Arbeitsplatz auch mal stumm schalten lässt. „Das ergibt auch Sinn, sonst läuten da tagsüber ständig irgendwelche Apparate, die Geräuschkulisse wäre furchtbar“, sagt Bär.

Doch in dieser Nacht sei der Mitarbeiter mal kurz weggewesen, habe das besagte Knöpfchen gedrückt – und dann aber bei seiner Rückkehr vergessen, es wieder einzuschalten. „Der Rechner bleibt dann an, man sieht nicht, dass er stumm ist“, erklärt Bär, „aber das lassen wir jetzt von der Firma, die das System installiert hat, nachrüsten.“

Ein deutliches optisches Signal solle dann zeigen, dass der Rechner stumm ist. Bär versichert: „Die Firma wird eine technische Lösung finden.“ Doch bis dahin wolle man nicht einfach abwarten. „Diese Abschaltfunktion wurde jetzt ausgeschaltet“, erklärt Bär, und das bleibe auch so, bis es die technische Lösung gibt. Des Weiteren wurde auf der Leitstelle nach diesem Vorfall eine Übergabe-Checkliste neu eingeführt: „Darauf wird abgehakt und später unterschrieben, dass der Rechner und das System funktionieren“, erläutert die Pressesprecherin.

Bei der betroffenen Familie habe man sich auch am nächsten Tag schon erkundigt, ob es schlimmere Folgeschäden gegeben habe. „Zum Glück nicht“, sagt Birgit Bär, „die haben ja in der Nacht genug gelitten.“ Es sei auch vollkommen richtig gewesen, den Polizeinotruf 110 zu wählen, als die 112 nicht funktionierte.

Laut Einsatzprotokoll sei der erste Anruf vom Festnetzanschluss Henkels um 5.57 Uhr bei der Leitstelle eingegangen – der Rechner blieb da stumm. Das System verzeichnete weitere Anrufversuche vom Festnetz aus und von zwei Handys, dem des Arztes und dem der Pflegerin. Doch der Fehler lag ja nicht bei den Anrufern. Um 6.36 Uhr sei der RTW losgefahren, um 6.54 Uhr schließlich vor Ort gewesen.

Notrufnummer

Über die 112 erreicht man eine sogenannte Notrufzentrale/Rettungsleitstelle. Dort werden durch geschultes, oft mehrsprachiges Personal alle wichtigen Informationen abgefragt, um die für die jeweilige (Not-) Situation erforderlichen und geeigneten Rettungsmittel einsetzen zu können.

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