Kritische Infrastruktur

Notfallplan sichert Energieversorgung

Ohne den nötigen Strom funktioniert auch der Leitstand des Wasserversorgungsverbandes in Schürholz nicht.
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Ohne den nötigen Strom funktioniert auch der Leitstand des Wasserversorgungsverbandes in Schürholz nicht.

Kritische Infrastruktur der Stadt soll mit Stromaggregaten 72 Stunden aufrecht erhalten bleiben.

Von Stephan Singer

Wermelskirchen. Die Lage auf dem Energiemarkt ist angespannt. Die Preis-Explosionen haben gezeigt: Vieles, was noch vor einem Jahr undenkbar schien, scheint nicht mehr ausgeschlossen. So schätzt Roberto Usai die derzeitige Situation ein.

Der Betriebsleiter des Wasserversorgungswerks in Dabringhausen-Schürholz arbeitet mit seinen Mitarbeitern gerade an einem Plan, wie die Notstromversorgung der Wasserversorgung verbessert und ausgebaut werden kann.

Gleiches machen Stadt- und Kreisverwaltung, wie die Beteiligten auf Anfrage unserer Redaktion bestätigen. „Es ist tatsächlich so, dass wir derzeit die Kernprozesse nach Corona erneut überarbeiten“, sagt Wermelskirchens scheidender Technischer Beigeordnete und Leiter des Stabes für außergewöhnliche Ereignisse, Thomas Marner. Genauso spricht die Sprecherin des Rheinisch-Kreises und Angehörige des Rhein-Berg-Krisenstabes, Brigit Bär, von höchster Aktivität. Alle treibt die Sorge um, wie die sogenannte kritische Infrastruktur im Falle eines Blackouts, einem großflächigen und anhaltenden Stromausfall, aufrecht zu erhalten ist.

„Der Kreis hat seinen Status so ausgerichtet, dass eine Notstromversorgung 72 Stunden, also drei Tage, anhält“, sagt Birgit Bär. Das entspreche den Vorgaben des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: „Das können wir im Großen und Ganzen abbilden.“ Für die Leitstelle, die für das gesamte Kreisgebiet alarmiert, gelte das genauso wie für Rettungswachen. „Es gibt Liegenschaften, wo die Notstromversorgung fehlt oder verbessert werden kann – daran arbeiten wir seit mehreren Wochen“, erläutert die Kreissprecherin: „Wir befinden uns auch in der Neubeschaffung von beispielsweise Funkmasten.“ Allerdings verweist Bär auf ein Problem: „Die Beschaffung ist schwierig, weil sich die Marktlage täglich ändert. Mal sind Geräte verfügbar, mal nicht. Das hängt bei den Notstromaggregaten von der Größe ab. Wir hatten vor einigen Tagen Glück und haben zwölf bestellt und die waren innerhalb von drei Werktagen geliefert.“

Generell seien beispielsweise Rettungswachen – der Kreis ist Träger des Rettungsdienstes – mit einer Notstromversorgung ausgestattet.

Von Lieferschwierigkeiten berichtet auch Thomas Marner, denn die Stadtverwaltung sucht seit Wochen nach einer Lösung, mit der zumindest die Server und zehn bis 15 Arbeitsplätze im Extremfall im Rathaus betrieben werden können. „Das war lange weitgehend erfolglos. Jetzt sieht es so aus, dass wir zeitnah ein Aggregat geliefert bekommen können zu einem marktgerechten, nicht völlig überteuerten Preis“, ist der Beigeordnete zuversichtlich.

Ein solches Gerät mit einer Leistung von 80 bis 120 Kilowattstunden könne eine Grundstruktur aufrecht erhalten: „Dieses Gerät kann auf einem Anhänger transportiert werden.“ Und weiter: „Es geht zum Beispiel darum, dass im Fall eines Stromausfalls weiter Sozialhilfe ausgezahlt werden kann, um diese besondere Not zu lindern.“ Die Betriebsfähigkeit der Feuer- und Rettungswache Am Bahndamm sei grundsätzlich gesichert, sagt Brandoberinspektor Alex Groß von der Wermelskirchener Feuerwehr: „Die Feuerwehrgerätehäuser können sich grundsätzlich selbst mit Strom versorgen. Derzeit laufen bereits regelmäßige Koordinierungsgespräche der Gefahrenabwehr-Organisationen wie Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Gefahrenabwehr des Kreises.“

Den genauen Standort der Notstromversorgung des Wasserwerks will Betriebsleiter Roberto Usai vom Wasserversorgungsverband aus Sicherheitsgründen nicht nennen: „Sie steht natürlich an Pumpstationen.“ Damit habe die Wasserversorgung ein Standbein: „Wir arbeiten aber an Verbesserungen.“ Nach Rücksprache mit Beteiligten und Energieversorgern glaube er nicht an einen anhaltenden Blackout.

Hintergrund

Große Stromausfälle, Blackouts genannt, hat es in Deutschland bisher nicht gegeben, wären aber in allen Lebensbereichen zu spüren, stellt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)

fest. Mehr zum Thema auf der Internetseite des BBK:

t1p.de/3b9bq

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