Corona-Regeln

Noch viele Fragen zu den Lockerungen

Domenic vom Feld (Fit Inn) freut sich auf seine sportbegeisterten Kunden. Archivfoto: Herbert Draheim
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Domenic vom Feld (Fit Inn) freut sich auf seine sportbegeisterten Kunden.

Corona-Regeln aufgeweicht: Gastronomen und Ordnungsbehörden stehen vor Herausforderungen.

Von Anja Carolina Siebel

Viele jubelten am Mittwochabend über die weitreichenden Lockerungen, die die Bundesbürger in den kommenden Wochen erwarten dürfen. Bei einigen gibt es aber auch noch Zurückhaltung oder gar Sorge. Fakt ist: Ab dem Wochenende ist wieder mehr möglich. Die Corona-Infektionszahlen steigen seit Tagen viel weniger stark an als noch vor Wochen, Grund für Bund und Länder, wieder mehr möglich werden zu lassen im öffentlichen Leben.

Ab kommenden Montag dürfen auch in Wermelskirchen wieder unter anderem Freiluft-Sportanlagen, Fitnessstudios und Restaurantbetriebe öffnen. Unter Auflagen. Wie die genau aussehen sollen, steht aber bisher wenn überhaupt nur schemenhaft fest. „Derzeit warten wir auf ein Regelwerk“, sagt Arne Feldmann, Leiter des städtischen Ordnungsamtes. Denn bisher sei beispielsweise nicht geklärt, welche Hygienevorschriften Sportstätten oder Gastronomiebetriebe zu erfüllen hätten. Feldmann: „Wir wissen nur, dass es Hygieneregeln gibt, aber nicht, wie die aussehen sollen.“

Gerade Gastronomiebetriebe stellt das vor ungeahnte Herausforderungen. „Ich muss erst einmal abwarten, was genau verlangt wird und dann schauen, wie wir das möglicherweise umsetzen können“, sagt Christian Warnke (Hotel Zum Schwanen).

Bei der Wermelskirchener Initiative „Wk Hand in Hand“ beschäftigt man sich schon länger mit der Frage. Ergebnis bisher ist ein Konzept, das Antworten auf die aktuellen Fragen der Gastronomen geben soll. Darin geht es zum Beispiel um Sicherheitsabstände, Maskenpflicht und Desinfektionsmaßnahmen, aber es werden auch regionale Lieferanten für Schutzmasken, Standspender und so weiter benannt. Darüber hinaus wird ein QR-Code-System angeboten, über das sich Gäste kontaktlos registrieren lassen können. Bei einer möglichen Infektion lassen sich dadurch zukünftig Kontaktpersonen ermitteln. Und: Die Speisekarte ist darüber abrufbar. Soweit die Theorie. Praktisch stehen die Gastronomen aber noch vor unzähligen Fragen.

„Bisher haben wir beispielsweise noch kein Desinfektionsmittel“, sagt Anna Rita Fanelli (ToscAnna). Und: „Wir müssen uns komplett neu mit Lebensmitteln eindecken, weil wir ja jetzt zwei Monate geschlossen hatten.“

„Wir freuen uns, dass wir wieder loslegen können.“
Domenic vom Feld, Fitnessstudio Fit Inn

Das verursache immense Kosten für Betriebe, die bisher im Lockdown-Modus waren und für die zum Großteil der Neustart am Montag völlig überraschend kam. Fanelli: „Wir hatten frühestens mit Ende Mai oder Anfang Juni gerechnet.“

Ein weiteres Problem: Wegen der geltenden Abstandsregeln können die Gastronomiebetriebe derzeit den Betrieb nicht vollständig hochfahren, also nicht die komplett mögliche Gästezahl bewirten. „Wir müssen aber alle anderen Kosten wieder mindestens zu 90 Prozent hochfahren, beispielsweise die Personalkosten“, sagt Fanelli. Das würde immense Umsatzverluste bedeuten.

Zurzeit sitzt sie zusammen mit dem Team von „Wk Hand in Hand“, um möglichst schnell Lösungen zu finden, „die auch den Kollegen Erleichterung verschaffen.“

Großen Jubel über die weitreichenden Lockerungen gab es bei Domenic vom Feld (Fitnessstudio Fit Inn an der Burger Straße). „Wir freuen uns, dass wir ab Montag wieder loslegen können“, sagt der Unternehmer auf Nachfrage. Er und sein Team sehen sich gut vorbereitet: „Wir haben Glück, dass wir viel Platz in unserem Studio haben und somit keine Probleme bei Einhaltung der Abstandsregeln“, sagt er.

Der Unternehmer ist aber auch realistisch: „Es werden sicher am Anfang nicht alle gleich zu uns stürmen, manche haben vielleicht Bedenken.“ Kündigungen habe es in den letzten Wochen nur wenige gegeben. „Die meisten sind uns treu geblieben.“ | Standpunkt

Corona

Wie der Kreis mitteilt, gab es am Donnerstag einen weiteren bestätigten Corona-Fall im Kreis. Damit steigt die Gesamtzahl auf 439 an. In Wermelskirchen und Burscheid gab es keine weiteren Fälle. Es gibt aber einen weiteren Todesfall. Es handelt sich um einen über 75-jährigen Menschen aus Bergisch Gladbach mit Vorerkrankungen. Fünf Menschen mit einer Covd-19-Infektion liegen derzeit in Kliniken.

Standpunkt: Mut gehört auch dazu

Von Anja Carolina Siebel

Vielen ging es zu schnell. Man hätte doch noch abwarten sollen, noch eine Weile im Shutdown verbringen, um auf Nummer sicher zu gehen, heißt es vielerorts, vor allem in den sozialen Netzwerken.

Aber eine absolute Sicherheit, die gibt es nun mal nicht. Und so ist es gut, dass langsam das alltägliche Leben wieder hochgefahren wird. Selbstverständlich unter nötigen Sicherheitsvorkehrungen. Aber auch mit dem nötigen Mut. Denn ein wenig Mut erfordert es schon, derzeit nach vorn zu blicken und das Leben wieder anzupacken. 

Die Unternehmer des Netzwerks „Wk Hand in Hand“ und viele ihrer Kollegen aus unterschiedlichen Branchen haben diesen Mut. Sie haben während der langen Zeit des Stillstands die Zeit genutzt, um Konzepte zu entwickeln, aber auch, um anderen zu helfen, die in derselben ungewissen Situation waren und sind. Noch ist nichts einfacher und vieles unsicher, gerade auch für die Gastronomen. Und natürlich für jene, die immer noch auf ein Ende ihrer Zwangspause warten. Aber es gibt Licht am Horizont. Und als solches sollten wir die neu gewonnenen Freiheiten auch betrachten.

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