Beruf

Noch immer sind Ausbildungsstellen frei

Die Wermelskirchener Firma Ortlinghaus setzt darauf, ihre Azubis aktiv einzubinden: Sie sollen Eigeninitiative zeigen und sich mit Verbesserungsvorschlägen aus ihrer Praxis einbringen.
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Die Wermelskirchener Firma Ortlinghaus setzt darauf, ihre Azubis aktiv einzubinden: Sie sollen Eigeninitiative zeigen und sich mit Verbesserungsvorschlägen aus ihrer Praxis einbringen.

Firma Ortlinghaus bildet seit über 60 Jahren aus.

Von Lena Steffens

Wermelskirchen. Wer sich mit Bremsen mit hydraulischem Antrieb oder mit Stahl-Lamellen auskennt, die beispielsweise in der Umformtechnik, Marinetechnik oder der Landtechnik eingesetzt werden, dem wird Ortlinghaus ein Begriff sein. Das Unternehmen, das unter anderem einen Standort in Wermelskirchen hat, bildet auch seit mehr als 60 Jahren seinen Nachwuchs selbst aus. Aktuell werden noch drei Auszubildende für August in den Bereichen Lagerlogistik, Zerspanungsmechanik und Industriemechanik gesucht. „Wir hatten lange nicht so das Problem mit dem Fachkräftemangel, weil wir eine sehr geringe Personalfluktuation haben. Aber Auszubildende zu finden, gerade in den gewerblichen Berufen, ist sehr schwierig“, meint Sira Pilz, die sich bei Ortlinghaus um die Ausbildungskoordination kümmert.

Dabei habe Ortlinghaus den Auszubildenden viel zu bieten: „Der beste Anreiz ist eine gute Übernahmechance und die Weiterbildungsmöglichkeit“, sagt Pilz. „Wir bilden für unseren eigenen Bedarf aus, daher wird eigentlich fast jeder Auszubildende übernommen.“

Ausgebildet wird in Zusammenarbeit mit dem Berufsbildungszentrum der Remscheider Metall- und Elektroindustrie (BZI). Dort werden die angehenden Zerspanungsmechaniker für das erste halbe Jahr ihrer Ausbildung hingeschickt, die angehenden Industriemechaniker sogar für ein Jahr, in dem sie Lehrgänge besuchen.

Jean Roder bei seiner Arbeit als Lagerlogistiker.

„Den Beruf des Industriemechanikers kennen viele sicherlich noch unter dem Namen Schlosser“, meint Pilz. Dieser kümmert sich später beispielsweise darum, „Maschinen wieder instand zu setzen. Der Beruf ist bei uns sehr umfangreich“, erklärt Achim Wetzel, Ausbildungsleiter für gewerbliche Auszubildende. Damit die angehenden Industriemechaniker in ihrer Ausbildung möglichst viel mitnehmen, besuchen sie mal Hydraulik-Lehrgänge oder gehen in die Instandhaltung und begleiten den Schlosser bei seiner Arbeit. „Die Auszubildenden sind quasi immer in Bewegung im ganzen Betrieb“, fasst Wetzel die dreieinhalbjährige Ausbildung zusammen.

Um die Qualifikationen der Bewerber vorher abzufragen, besteht der Bewerbungsprozess unter anderem auch aus einem Test, in dem unter anderem Fragen aus der Mathematik gestellt werden. „Daher sollte man in den MINT-Fächern nicht unbedingt Noten im Vierer- oder Fünferbereich haben, um diesen bestehen zu können“, meint Pilz.

Auch zum Zerspanungsmechaniker bildet Ortlinghaus aus.

Außerdem seien unentschuldigte Fehlstunden auf dem Zeugnis auch schlecht bei der Bewerbung. „Das ist ein K.o.-Kriterium für ein Unternehmen.“

Die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik läuft ein wenig anders ab. Sie ist drei Jahre lang und beinhaltet auch kaufmännische Themenfelder. Die Auszubildenden lernen den Zyklus eines Produkts kennen, dazu blicken sie in den Wareneingang, gehen ins Fertiglager und in den Versand. Für diese Ausbildung sind auch EDV-Kenntnisse nötig. Besonders der Ausbildungsplatz zur Fachkraft für Lagerlogistik sei schwer zu besetzen.

Der Auszubildende zum Zerspanungsmechaniker wird nach dem BZI in den Betrieb eingeführt, wie Wetzel erklärt. Dort werden die Auszubildenden zunächst an kleineren Maschinen ausgebildet und lernen, wie man diese rüstet. „Der Zerspanungsmechaniker kriegt eine Zeichnung, und danach muss er die Drehteile (Schrauben oder Achsen), fertigen, kontrollieren, nachmessen und dann für gut befinden“, erklärt Wetzel.

Thema Gehalt: Im ersten Jahr bekommt der Auszubildende etwa 1000 Euro brutto, nach der Ausbildung sind es dann schon rund 3000 Euro brutto bei einer 35-Stunden-Woche, erklärt Pilz. Außerdem bietet das Unternehmen ein internes Programm an, den „Talentpool“, bei dem es darum geht, „dass sich interessierte Mitarbeiter in Projekten beweisen können, um für zukünftige Führungspositionen zu zeigen, was in ihnen steckt.“

Zum Programm bei Ortlinghaus gehört ebenso, dem Auszubildenden zu Beginn seiner Zeit einen Paten zur Seite zu stellen, „den man auch in den beiden Einführungstagen kennenlernt, an denen man beispielsweise eine Rallye durch das Unternehmen macht“, sagt Pilz. Dieser Pate steht einem dann für alle Fragen und Sorgen zur Seite. „Das Wichtigste ist uns aber, dass die Azubis sich trauen, auch mal Verbesserungsvorschläge zu machen oder Dinge zu hinterfragen, also Eigeninitiative zeigen“, meint Pilz. „Wir führen hier ein kollegiales Miteinander, hier soll sich jeder wohlfühlen und einbringen.“

Hintergrund

Ausbildungsbeginn ist der 1. August, bis dahin sollen noch Azubis für Zerspanungsmechanik, Lagerlogistik und Industriemechanik eingestellt werden.

ortlinghaus.com

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