Sport

Ninja-Parcours statt Weihnachtsgeschenken

Joelle (vorne) ist im Parcours unterwegs, Mira und Cara stehen in den Startlöchern. Sonja Robbe ermutigt die Mädchen.
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Joelle (vorne) ist im Parcours unterwegs, Mira und Cara stehen in den Startlöchern. Sonja Robbe ermutigt die Mädchen.

Übungsleiterin Sonja Robbe hat in ihrer Sportgruppe m SV 09/35 auf eine klassische Feier verzichtet.

Von Theresa Demski

Remscheid. Joelle macht den Anfang. Die Sechsjährige saust als Erste durch den Ninja-Parcours, während die Zeit läuft. Konzentriert springt sie über die Kästen, dann über ein Absprungbrett auf bunte Inseln, schwingt mit dem Seil von Bank zu Bank. Sie nimmt Hürde um Hürde und am Ende bewältigt sie auch die schwere Aufgabe am Stufenbarren. Nach einer Minute und 38 Sekunden hüpft Joelle über die Ziellinie. Ihre Mutter und ihre Patentante erwarten sie dort laut jubelnd. Auch die anderen Kinder und Eltern klatschen und belohnen die junge Sportlerin mit Applaus.

Joelle setzt sich etwas schüchtern wieder zurück in die Reihe der Kinder, während nun Cara Aufstellung nimmt. Auch die Neunjährige wird sich durch den Parcours kämpfen – bejubelt vom Papa. Übungsleiterin Sonja Robbe begleitet die Kinder durch den Parcours, gibt Hilfestellung, wenn nötig und ermutigt die Jungen und Mädchen. „Es ist toll, zu sehen, wie viel Spaß die Kinder heute haben“, sagt sie. Genau das habe sie sich gewünscht: einen Nachmittag mit viel Leichtigkeit und Gemeinschaft.

Deswegen habe sie den Eltern ihrer Kindersportgruppen, die sie unter dem Dach des SV 09/35 anbietet, vorgeschlagen, in diesem Jahr auf die klassische Weihnachtsfeier zu verzichten und auch die Geschenke zu streichen. „Die Resonanz war sehr gut“, sagt Sonja Robbe, „denn eigentlich haben wir doch alles, was wir brauchen.“ Mit Blick ins ukrainische Kriegsgebiet und auf die Menschen, die von dort auf der Flucht Wermelskirchen erreichen, sei es ihr nicht richtig vorgekommen, Geschenke zu verteilen wie in jedem Jahr. „Ich dachte: Machen wir uns doch gegenseitig ein Geschenk“, sagt Sonja Robbe, „und verbringen Zeit miteinander.“

Fast alle Kinder haben ihre Eltern mitgebracht

Also lud sie nicht nur die Kinder ihrer Sportgruppen, sondern auch gleich die Eltern ein – zum Ninja-Parcours, zu Waffeln und Weihnachtskeksen. Die Resonanz ist trotz der aktuellen Erkältungswelle in der Pestalozzihalle gut: Fast alle Kinder haben ihre Eltern im Gepäck und versuchen sich im Parcours. „Nach der langen Corona-Zeit ist es schön, dass die Eltern ihre Kinder nicht einfach am Eingang abgeben müssen“, sagt Sonja Robbe. Stattdessen turnen Kinder und Erwachsene heute gemeinsam. Die Sechsjährigen genießen das genauso wie die Elfjährigen. Und die Erwachsenen kommen dabei ganz schön ins Staunen.

Während die meisten Kinder sich nämlich schnell und geschickt durch den Parcours arbeiten, haben die Eltern zuweilen ganz schöne Hürden zu meistern. „Ich habe mich an manchen Stationen richtig unsportlich gefühlt“, sagt Daniela Frost und lacht. Aber mit Patenkind Joelle habe sie die Hürden überwunden. „Es ist schön, etwas mit den Kindern zusammen zu machen“, ist sie sich mit Joelles Mutter Steffie Simon einig.

„Manche Übungen waren eine richtige Überwindung für mich“, erzählt auch Linda Inden, die gerade mit Tochter Mira den Parcours gemeistert hat. Ihr sei es zum Beispiel gar nicht so leicht gefallen, sich vom Kasten am Seil zur gegenüberliegenden Bank zu schwingen. „Das machen wir Erwachsenen ja nicht jeden Tag“, sagt sie. Mira klopft ihrer Mutter unterdessen auf die Schulter: „Aber du hast es trotzdem geschafft“, sagt das Mädchen und macht sich auf in die nächste Runde.

Auch Cara steht schon in den Startlöchern, um nochmal ihr Glück zu versuchen. „Das ist ganz schön anstrengend“, sagt die Neunjährige, „man braucht viel Kraft, aber es macht auch richtig Spaß.“

Nicht erst die Pandemie habe dafür gesorgt, dass Kinder immer weniger Bewegung finden. „Das hat schon in den vergangenen zehn Jahren deutlich abgenommen“, sagt Sonja Robbe. Deswegen genieße sie es, wenn die Kinder hier ihre eigenen Hürden überwinden würden – und dabei auch noch die Freude in ihren Gesichtern zu sehen sei.

Sonja Robbe hat in der Halle eine Spardose aufgestellt: Die Kinderturngruppen sammeln zur Unterstützung des Kinderhospizes Burgholz. Die Arbeit sei es wirklich wert, unterstützt zu werden. Statt beschenkt zu werden, verteilen Kinder und Eltern der Turngruppe so in diesem Jahr selbst Geschenke.

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