Ethno-Comedy

Nikita Miller trifft jeden Humornerv

Nikita Miller bietet eine besondere Facette der Ethno-Komik: einen sowjetischen Hintergrund.
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Nikita Miller bietet eine besondere Facette der Ethno-Komik: einen sowjetischen Hintergrund.

Der Comedian war nach mehrfacher Corona-Verschiebung in der Katt zu Gast.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Wermelskirchen. Ethno-Comedy verbindet man in Deutschland meist mit Künstlern türkischer Herkunft – Kaya Yanar beispielsweise. Doch Nikita Miller bietet mit einem „sowjetrussischen“ Hintergrund eine andere Facette. Er lebt zwar schon seit Anfang der 1990er Jahre in Deutschland, hat aber zumindest noch durch seinen Vater Erinnerungen an die Zeiten, als Russland noch die halbe Erdkugel umspannt hat. Aber es geht nicht um Politik, Millers Programm heißt „Freizeitgangster gibt es nicht“, und es geht vor allem um die Kindheit und Jugend in einer sowjetisch geprägten Familie.

„Wisst ihr, wovor alle Russen Angst haben? Vor ihrem Vater. Du weißt nie, wann er dir eine schmiert“, sagt Miller. Und dann vermischt er munter Popkultur, überspitzte Erinnerungen und eine immer zwischen schwäbischer Behäbigkeit und irgendwie leicht arroganter Überheblichkeit schwankender Stimmfarbe.

Er sitzt auf der Bühne auf einem Barhocker und erzählt launig davon, wie er seinen sowjetischen Vater mit Hilfe „deutschen Weinens“ dazu gebracht hat, ihm, dem Sohn Nikita, seinen Willen zu geben. Man fragt sich zwar, wie viel Wahrheitsgehalt in diesen Erzählungen steckt. Aber egal, selbst wenn man ohne russischen Hintergrund die latente Gewalttätigkeit des Vaters kaum nachvollziehen kann (“Ich sehe, wie sich hier das Publikum spaltet – hier die Deutschen, die das überhaupt nicht verstehen, dort ein paar Russen, die das absolut verstehen“), es hat Komik.

Beim vornehmlich jungen – und fast ausschließlich männlichen – Publikum trifft Nikita Miller so ziemlich jeden Humornerv. Wenn er etwa halb mit russischem Zungenschlag, halb mit schwäbischem von seiner Wahl zum gemeinsamen Klassensprecher zusammen mit seinem Klassenkameraden und Nachbarn Lars berichtet. Und dabei nicht nur wieder teils absurd-komische Weisheiten seines Vaters herbeikonstruiert („Junge, Glück bedeutet Stillstand, Du veränderst dich nicht mehr. Willst du wirklich glücklich sein?“), sondern damit auch für teils ausgelassenes Gelächter in seinem dankbaren Publikum sorgt.

Miller verfügt über das große Talent, nicht nur witzige Stories zu erzählen, sondern auch durch die Art des Erzählens selbst witzig zu sein. Und auf diese Weise schafft der Zuhörende es wie von selbst, zum Wochenabschluss einfach anderthalb Stunden entspannt zuzuhören. Wenn man will, kann man dabei über Fragen wie diese nachdenken: „Wie kommt es eigentlich, dass der Meteorit immer in der Mitte des Kraters liegt?“ Und dann ist man geneigt, Nikita Miller zuzustimmen, der quasi als Running Gag immer wieder verkündet: „Ich therapier‘ euch heute Abend noch!“

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