Nicht verloren gehen

Rolf Haumann über das Jugendwort des Jahres. Archivfoto: RK
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Rolf Haumann über das Jugendwort des Jahres. Archivfoto: RK

Ein Geistlicher macht sich Gedanken

Von Diakon Rolf Haumann, Jugendreferent

Erinnern Sie sich noch an das Jugendwort des Jahres 2020? Einmal abgesehen davon, dass es manchmal nicht so einfach ist, zu verstehen, wie das Jugendwort eines Jahres zustande gekommen ist, kann man aber sagen, dass das Jugendwort 2020 ein sehr zutreffendes war und immer noch ist: es heißt „lost“, kommt aus dem Englischen und bedeutet verloren, ahnungslos, unsicher.

Für die Gefühlslage von Kindern und Jugendlichen in Corona-Zeiten könnte es kaum einen passenderen Ausdruck geben, das Jugendwort bringt die Stimmung auf den Punkt. Vielfach beklagen sie, dass ihre Lebenslagen, Interessen und Bedürfnisse kaum Berücksichtigung gefunden haben und vielfach verloren gegangen sind. Es wurde in vielen Bereichen über sie und ihre Köpfe hinweg entschieden. Von Partizipation und Teilhabe war keine Rede mehr. Die Sichtweise der Erwachsenen stand und steht im Vordergrund, es wird selten danach gefragt, wie sich Kinder und Jugendliche angesichts von Ausfall von Bildung und Betreuung, von Langeweile und Druck in der Quarantäne, vom Wegfall der Begegnungen mit Anderen fühlen. Da kann es kaum verwundern, dass ein Wort wie „lost“ auf einmal Bedeutung bekommt.

Kinder und Jugendliche mit ihren Nöten in den Blick nehmen

Zu Weihnachten erhielt ich einen Gruß von einem Kollegen aus Düsseldorf, neben der Karte war noch eine Alltagsmaske im Umschlag. Auf ihr war ein kurzer Text aus dem Johannesevangelium aufgedruckt: „nicht verloren gehen“ (Johannes 3, 16), das sind zugleich Antwort und Aufruf, mit dem wir Kinder und Jugendliche mit ihren Nöten und Fragen in den Blick nehmen können.

In den Jugendeinrichtungen, Kirchengemeinden und Vereinen wird mit viel Fantasie und großem Einsatz von ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern daran gearbeitet, dass Kontakte, Begegnungen und Gemeinschaft online und offline, natürlich im Rahmen der Schutzverordnungen, ermöglicht werden, um sich nicht „lost“ zu fühlen. Dafür gebührt ihnen herzlicher Dank!

„Nicht verloren gehen“ kann uns daran erinnern, einfach mal die Perspektive zu wechseln, einfach mal Entscheidungen aus der Sicht der Kinder und Jugendlichen zu sehen. Damit sie und auch die Erwachsenen sich nicht mehr lange „lost“ fühlen.

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