Bühne

Nicht alle Zuhörer lassen sich auf experimentelle Musik ein

Ensemble Duo 47f spielte in der katholischen Kirche St. Michael.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Es ist das wohl denkbar stärkste Kontrastprogramm zum leichtfüßigen, belebten und fröhlichen Trubel bei den letzten Ausläufern von „Wermelskirchen A la Carte“ am späten Sonntagnachmittag auf der auch dann noch gut besuchten Telegrafenstraße.

Das Konzert „Zeitsprung“ des Ensembles Duo 47f, bestehend aus Rainer Berger an unterschiedlichen Querflöten und der Harfenistin Ewa Matejewska, präsentierte – nur eine Straße weiter, aber in einem völlig anderen Kosmos – in der katholischen Pfarrkirche St. Michael an der Kölner Straße experimentelle, moderne Klassik, für die man als Zuschauer sich und seinen Geist durchaus etwas öffnen musste. Vielleicht noch nicht einmal, um sie verstehen zu können, sondern vielmehr, um sie überhaupt erst einmal zulassen zu können.

Das Duo musiziert erst seit dem vergangenen Jahr zusammen, Komponist Rainer Berger hatte ein Stipendium der GEMA bekommen, um neue Musik für Harfe und Querflöte zu schreiben. Im Zuge dieses Schreibprozesses war er mit der Harfenistin Ewa Matejewska zusammengekommen, was schließlich zur Gründung des Ensembles geführt hatte. Es war alles andere als massentauglich, was Rainer Berger und Ewa Matejewska dem Publikum – ja, was? – zumuteten? Angesichts eines Stückes mit dem Namen „Kitchen Stories“, das einen Satz mit dem Titel „Löffelbiskuits“ enthielt, bei dem die Harfe nicht unbedingt in der normalerweise erwarteten Form gespielt wurde, während Rainer Berger seiner Bass-Querflöte seltsame Töne entlockte, konnte man durchaus dieses Wort verwenden. Das gefiel auch nicht jedem, mancher verließ nach diesem Werk die Kirche. Aber gut, Kunst muss auch nicht jedem gefallen, moderne und experimentierfreudige Kunst kann das vielleicht sogar gar nicht. Sie polarisiert. Das liegt in ihrer Natur.

Der überwiegende Teil des Publikums blieb aber – und wurde direkt nach den „Küchengeschichten“ mit einem geradezu traditionell klingendem Solo-Stück für die Harfe von Johann Sebastian Bach entschädigt. Er habe erst vor kurzem mit der Komposition für die Harfe begonnen und sei von der Vielfältigkeit und der Komplexität des Instruments nach wie vor ganz und gar fasziniert, sagte Rainer Berger. „Sehen Sie sich das Instrument nach dem Konzert ruhig einmal in Ruhe an“, ergänzte er, ehe er dem Publikum Ausschnitte aus seinem Solo-Zyklus „Papyrus“ für die unterschiedlichen Querflöten präsentierte. Auch hier wurde deutlich, wie vielfältig ein Instrument klingen kann, wenn man nur mit genug Wagemut und Experimentierfreude herangeht.

Die knappe Stunde Programm mit diesen beiden überaus virtuosen Musikern war enorm interessant, vielschichtig – und auf jeden Fall eine Erfahrung, die man als an der Entwicklung von Musik interessierter und offener Zuhörer gemacht haben sollte.

Das bekannte Orgelwerk „Toccata und Fuge in d-Moll“ des Barock-Genies Johann Sebastian Bach, das für die beiden Instrumente arrangiert wurde, ließ den titelgebenden „Zeitsprung“ dann zu Klängen werden, denen sich sicherlich keiner der Anwesenden entziehen konnte. Ein tolles Konzert, in schöner Atmosphäre – bestens geeignet als Einladung an den nun hoffentlich bald wirklich kommenden Herbst.

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