Hünger

Neuer Küster erfüllt sich einen Traum

Der 65-jährige Georg Depner (l.) übergibt das Amt an den zehn Jahre jüngeren Christian Mannheim.
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Der 65-jährige Georg Depner (l.) übergibt das Amt an den zehn Jahre jüngeren Christian Mannheim.

Nach 30 Jahren übergibt Georg Depner seine Aufgaben in Hünger an Christian Mannheim.

Von Theresa Demski

Wermelskirchen. Christian Mannheim zündet die Kerze auf dem Tisch an. Er holt Gläser aus der Küche, stellt Saft und Wasser dazu. Er ist bereits in seinem Element. Er verwandelt den Wintergarten des Gemeindehauses in Hünger im Handumdrehen in einen gastfreundlichen Ort. „Diese Aufgabe hier ist mehr als ein Beruf“, sagt er, „es ist mehr wie eine Berufung.“ Und dann deutet er auf Gemeindehaus und Wiese, Richtung Kirche und Friedhof. Natürlich sei gerade vieles anders und aufregend, ergänzt er. Schließlich habe er seine neue Aufgabe gerade erst angetreten: „Aber ich fühle mich hier richtig“, sagt der 55-Jährige.

Seit dem 1. Dezember ist Christian Mannheim neuer Küster in Hünger. Er übernimmt die Aufgabe von Georg Depner, der vor 30 Jahren bei der Gemeinde anheuerte. Mannheim hat zur Hochsaison übernommen: Weihnachtsfeiern und besondere Gottesdienste stehen an. „Aber wann immer ich eine Frage habe, kann ich bei Georg anklingeln“, erzählt der neue Küster.

Schließlich hat der frisch gebackene Rentner viel Erfahrung im Gepäck. „Als ich hier damals mit meiner Frau angefangen habe, war die Kirche noch grau und dunkel“, erzählt er. Die Renovierung 1999 habe auch ihm einiges abverlangt. „Aber danach hatten wir eine schöne, freundliche Kirche“, sagt er. Plötzlich kamen die Paare aus der ganzen Stadt zum Heiraten nach Hünger. 2004 stand der Umbau des Gemeindehauses an: „Meine Frau hat sich danach um die Organisation der Privatfeiern gekümmert“, erzählt Georg Depner, der Anfang der 90er Jahre aus dem früheren Siebenbürgen nach Hünger kam.

„Ich bin gelernter Dreher“, erzählt er, „davon konnte ich als Küster profitieren.“ Zum Beispiel damals, als er den Verwaltungsleiter der Kirchengemeinde davon überzeugte, einen Schleifstein zu kaufen, statt jedes Jahr das aufwendige Schleifen der Rasenmähermesser zu bezahlen. Oder wenn die Spülmaschine aussetzte und Depner beherzt selbst die Reparatur übernahm. „Vom Platten bis zur Reparatur im Haus: Wenn man Handwerker ist, kann man solche Dinge selber übernehmen“, sagt er.

Dann erzählt er von seinen Lieblingsaufgaben, wenn er im Sommer auf dem Rasenmäher saß und sich um die Außenanlagen kümmerte. „In kurzen Hosen natürlich“, sagt er, „in welchem anderen Beruf ist das schon möglich?“ Manchmal sprachen ihn Friedhofsbesucher an und baten ihn, einen Sack Erde zum Grab zu tragen. Und Depner zögerte nicht. „Ich war auch immer bereit für ein Schwätzchen“, sagt er und lacht.

Er nahm eben Anteil: Das galt für die Hochzeiten, wenn die glücklichen Paare durch seine Kirche schritten und das galt auch für die Beerdigungen, wenn vertraute Gemeindeglieder bestattet wurden. „Da musste ich dann eine Runde um die Kirche drehen, um das auszuhalten“, sagt er. Abstand gewinnen, wurde manchmal zur Kunst – zumal er gemeinsam mit Ehefrau Inge auch in der Wohnung im Gemeindehaus lebte. „Inzwischen habe ich die Schlüssel übergeben“, sagt er, „das hat beim Abschiednehmen etwas geholfen.“

Nun zieht Christian Mannheim ein. „Ich hatte diese Aufgabe als Küster schon lange im Auge“, erzählt er, „schließlich bin ich in Hünger zu Hause.“ Taufe, Grundschule, Konfirmation, CVJM und seine Hochzeit: Er sei zwar bisher kein allsonntäglicher Kirchgänger gewesen, aber doch immer verbunden mit der Gemeinde. „Ab jetzt bin ich natürlich sonntags in der Kirche“, sagt er und lacht. Die Gemeinde wird ihn am Küsterplatz finden. Es sei eine „Gefühlssache“ für ihn gewesen, sich für diese Aufgabe zu bewerben: Schon vor Jahren habe er bei Pfarrerin Almuth Conrad nachgefragt, wann der Posten frei werde. Und dann habe er gewartet und gewartet – während er weiter in seinem Beruf als Sanitär- und Heizungsbauer arbeitete.

„Das Warten hat sich gelohnt“, sagt er jetzt – trotz der Dienste an Festtagen und am Sonntagmorgen. Er habe keine Angst davor, lange und viel zu arbeiten. „Und ich freue mich, nun auf diese Weise Teil der Gemeinde zu sein“, sagt er. Ihn reize die Pflege der Kirche und des Gemeindehauses und er freue sich auf die Begegnungen mit den Menschen. „Ich bin ein geselliger Typ“, sagt er, „und ich glaube, ich bin hier genau richtig.“

„Bald wirst du einen neuen Namen haben“, sagt Georg Depner und lacht: „Dann bist du für die Menschen in Hünger der Herr Küster.“

Hintergrund

Der Bezirk Hünger der Evangelischen Kirchengemeinde Wermelskirchen begrüßt seinen neuen Küster offiziell im kommenden Jahr – und zwar am Sonntag, 22. Januar. Mit dem Gottesdienst und anschließendem Empfang wird Christian Mannheim dann in sein Amt eingeführt. Bereits am ersten Advent verabschiedete sich die Gemeinde von Georg Depner und Ehefrau Inge. Das Paar ist bereits umgezogen – und lebt jetzt im benachbarten Stolzenberg.

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