Pflege

Netzwerk versorgt Kranke zu Hause

Dr. Dilek Kalkan (3. von links), Martin Niggehoff, Geschäftsführ der carpe diem GBS (4. von links) und Elmas Cinar, Pflegerische Leitung (2. von rechts), freuen sich über die positive Resonanz ihres neuen SAPV-Angebotes.
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Dr. Dilek Kalkan (3. von links), Martin Niggehoff, Geschäftsführ der carpe diem GBS (4. von links) und Elmas Cinar, Pflegerische Leitung (2. von rechts), freuen sich über die positive Resonanz ihres neuen SAPV-Angebotes.

Onkologin sorgt mit Kooperationspartnern für palliative Versorgung im Kreis.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Der Bedarf sei groß, sagt Dr. Dilek Kalkan. Die Wermelskirchener Onkologin hat mit Kooperationspartnern das Palliativ Care Team (PCT) „SAPV-Palli-Care Rheinberg“ gegründet. Was fremd klingt, ist sehr menschenbezogen: Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) meint, dass Schwerst- und lebensverkürzt Erkrankte professionell versorgt werden – von Medizinern und Pflegekräften, und möglichst im eigenen Zuhause.

Bisher, kurz nach Gründung des Netzwerks, sind es sieben Patienten, die die Mediziner und Pflegekräfte versorgen. „Es werden aber täglich viel mehr“, sagt Kalkan.

Es war ein langgehegter Wunsch der ambitionierten Medizinerin, die Palliativversorgung in der Stadt und im Kreis auf breitere Füße zu stellen. Das hat sie jetzt erreicht. „Unser Pfund ist, dass wir mit Carpe Diem einen so starken Partner gefunden haben. Wir können aus 3500 Angestellten schöpfen, von denen ein Teil auch schon entsprechend ausgebildet ist“, freut sich Kalkan.

Das multiprofessionelle Team – derzeit fünf Ärzte aus verschiedenen Fachrichtungen, Pflegepersonal, Seelsorger, Hospiz-Mitarbeiter mit unterschiedlichen Weiterbildungen und Fachapotheken - würden bestmögliche Behandlung und Symptomkontrolle ermöglichen. „Und wir wachsen weiter“, sagt Dilek Kalkan. „Anfang des Jahres bekommen wir beispielsweise Ärzte dazu, die zum Großteil allein bei uns angestellt sind.“

Das Versorgungsangebot erstreckt sich über den gesamten Rheinisch-Bergischen Kreis mit Bergisch Gladbach, Burscheid, Overath, Kürten, Odenthal, Rösrath sowie Wermelskirchen und nähere Umgebung. Ziel der Palli-Care Rheinberg ist es, Patientinnen und Patienten mit unheilbaren Erkrankungen im Endstadium zu ermöglichen, bis zum letzten Moment in ihrer gewünschten Umgebung zu leben – ob zu Hause, im Wohnheim oder im Hospiz.

Regelmäßige interne und externe Fortbildungen des Palli-Care-Teams ermöglichen eine Versorgung der Patienten in den eigenen vier Wänden: So können zum Beispiel selbst komplizierte Wunden zu Hause versorgt und mit Ultraschall gesteuerte Entlastungspunktionen der Bauch- und Brusthöhle durchgeführt werden. Schmerzmedikamente können als Dauerinfusion sowohl über die Vene, als auch unter der Haut verabreicht werden.

Elmas Cinar vom Team des Carpe Diem hat die pflegerische Leitung des Palli-Care-Teams übernommen: „Wir werden sehr gut angenommen und bekommen gutes Feedback von unseren Patientinnen und Patienten, die nach eigenen Angaben froh sind über unseren ganzheitlichen Blick auf ihre Bedürfnisse“, berichtet sie im WGA-Gespräch. Die Patienten würden vor allem auch die umfassende Beratung schätzen, die neue Perspektiven biete: „In einem Fall konnten wir einen Patienten gleich zwei Pflegegrade höher einstufen lassen. Das macht für die Familie natürlich einen gewaltigen Unterschied.“

Manche Angehörige, sagt Elmas Cinar, wüssten gar nicht, was ihnen in der Pflege alles zustehe. „Wir sorgen dann natürlich auch für die nötigen Hilfsmittel, mit denen vieles viel einfacher wird.“

„Möglichst symptomfrei“ sei indes das erklärte Ziel der Helferinnen und Helfer für die Erkrankten. Das könnte etwa durch Schmerzmedikation, zum Beispiel bei Krebspatienten, erreicht werden, aber auch durch andere Versorgung, beispielsweise älterer Patienten, die oft an einer gewissen Unruhe leiden würden.

Versorgung rund um die Uhr an sieben Tagen

Die Versorgung der Patienten findet rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche und in enger Kooperation mit den behandelnden Hausärzten statt. Das Ziel: die Vermeidung von unnötigen Krankenhausbehandlungen.

Dilek Kalkan lag das schon lange am Herzen: die Versorgung möglichst vieler Patienten mit lebensverkürzenden Erkrankungen außerhalb einer Klinik. „Die meisten Menschen möchten zu Hause bleiben, im Kreise ihrer Angehörigen. Dazu braucht es aber Unterstützung, die wir jetzt mit geballter Kraft geben können.“

Kontakt

Die Palli-Care Rheinberg GmbH ist ansässig im Sattlerweg 32 in der Kreishauptstadt Bergisch Gladbach. Erreichbar ist das Team unter Tel. (0 22 04) 4 09 47 77 oder per E-Mail: info@pallicare-rheinberg.de. Möglich ist die Kontaktaufnahme für Anwohner des Kreises, aber auch aus der näheren Umgebung.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Riesige Erleichterung

anja.siebel@rga.de

Wer schon mal einen schwer kranken Angehörigen zu Hause hatte und mit der Situation als Laie, dem so etwas bislang noch unbekannt war, völlig überfordert war, der wird das Angebot des Palli-Care-Teams wohl besonders zu schätzen wissen. Denn das Angebot an solcher Hilfestellung für Schwerstkranke und ihre Angehörige war bisher auch hier im Kreis rar gesät. Meist lief es darauf hinaus, dass Angehörige das Handtuch warfen und der Erkrankte bis zu seinem Tod im Krankenhaus oder einem Pflegeheim versorgt werden musste. Für viele ein Alptraum.

Insofern ist das Palli-Care-Team um die engagierte Wermelskirchener Onkologin Dr. Dilek Kalkan eine riesige Erleichterung für Betroffene. Die jetzt schon große Nachfrage zeigt, dass die Entscheidung, eine solche Initiative zu gründen, goldrichtig war. Zu wünschen ist deshalb unbedingt, dass dieses Netzwerk immer weiter wächst und möglichst vielen Menschen helfen kann.

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