Naturschule in Burg nimmt Gestalt an

Vera Niehr ist Geschäftsführerin der geplanten Naturschule.
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Vera Niehr ist Geschäftsführerin der geplanten Naturschule.

Der Betrieb in der ehemaligen Jugendherberge soll im Sommer starten – Die ersten Tiere sind bereits eingezogen

Von Kristin Dowe

Mit flinken Bewegungen springt Ziegenbock Bruce durch sein Gehege auf dem Gelände der ehemaligen Jugendherberge in Burg, während Artgenosse König Gustav, so der blaublütige Rufname des zweiten Ziegenbocks, sich lieber noch etwas scheu in seinem Stall verschanzt. „Die Tiere haben sich schon gut bei uns eingelebt“, sagt Vera Niehr, Geschäftsführerin der künftigen Naturschule in Burg, die seit Wochen immer mehr Gestalt annimmt. Die Böcke seien gerettet worden und wären unter anderen Umständen wohl beim Schlachter gelandet. Nun haben sie noch eine Aufgabe.

Denn die Arbeit mit Tieren ist ein wesentlicher Bestandteil des pädagogischen Konzepts, das Vera Niehr am künftigen Schulstandort in Burg umsetzen will. Neben den Ziegenböcken wird es auch zwei Hunde sowie Pferde geben, die im Unterricht eingesetzt werden. „Wir werden uns gemeinsam mit den Kindern um die Tiere kümmern. So sollen sie lernen, durch den Umgang und die Pflege Verantwortung für sie zu übernehmen“, so Niehr.

Nachhaltig im Einklang mit der Natur zu leben, sie zu respektieren und zu schützen – dies ist das übergeordnete Ziel der Naturschule, das sich wie ein roter Faden durch das Lehrangebot zieht. Nachdem viele zunächst das Aus der Jugendherberge bedauert hatten und lange unklar war, wie es mit der idyllisch gelegenen Immobilie weitergeht, war die Freude groß, dass nun wieder Leben in die Anlage einkehren wird – konsequenterweise mit einem Angebot für Kinder.

Im Gebäude hat sich inzwischen bereits einiges getan: So wurden unter anderem die Räume ausgemistet, die Wände gestrichen und das Mobiliar aufgearbeitet. Zudem soll noch der Brandschutz durch einen geplanten Fluchtweg verbessert und ein Aufzug eingebaut werden, da die Schule möglichst barrierefrei gestaltet werden soll. „Wir haben zum Glück ein großes Netzwerk von Unterstützern“, erklärt Vera Niehr. Die Nachfrage sei enorm, auch die Eltern brächten sich sowohl finanziell als auch mit handwerklichem Know-how in das Projekt ein.

Auf Hilfe von außen ist die gemeinnützige Ersatzschule auch angewiesen. Zwar wird sie zu 87 Prozent durch staatliche Mittel getragen, den Rest muss die Schule aber selbst etwa durch Spenden aufbringen. Eine elitäre Privatschule solle in Burg keinesfalls entstehen, versichert Vera Niehr. Die Naturschule solle für alle erschwinglich sein und mittelfristig auch mit den Einnahmen durch die verschiedenen „Schülerfirmen“ mitfinanziert werden. Geplant sind etwa ein von Schülern geführtes Café, eine Schreinerei, ein Kiosk, ein Hofladen und eine Medienwerkstatt. Mit begleitender Hilfe der Erwachsenen soll so bei den Kindern früh ein Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge geweckt werden. „Die müssen auch ihre Steuererklärung selbst machen!“, kündigt Vera Niehr augenzwinkernd an.

Grundsätzlich wolle die Naturschule sich allen öffnen und strebe Kooperationen mit anderen Solinger Schulen, aber auch mit Unternehmen im Bergischen etwa mit Blick auf Praktika in der Sekundarstufe I an. Auch in puncto Fremdsprachen setzen Vera Niehr und ihr Team auf Praxisnähe. „Wir arbeiten beispielsweise mit einer Schule in der französischen Gemeinde Châtellerault zusammen, die Kinder werden im Unterricht dann per Videokonferenz zugeschaltet. Ich glaube, dass die Motivation viel größer ist, eine Fremdsprache zu lernen, wenn den Kindern bewusstwird, wofür sie das machen.“ Zudem verfügt die Schule noch über einen zweiten Standort in Rodenkirchen, dorthin werden die Kinder je nach Bedarf mit Bussen gebracht.

„Die müssen auch ihre Steuererklärung selbst machen.“

Vera Niehr über die Aufgaben der Kinder bei den geplanten Schülerfirmen

Der Bauantrag sei zurzeit bei der Stadt Solingen in Bearbeitung und auch das pädagogische Konzept muss noch von der Bezirksregierung Düsseldorf genehmigt werden. Vertraglich sei der Eigentümerwechsel mit dem vormaligen Eigentümer Sam Jordan bereits vollzogen. Vera Niehr ist optimistisch, dass der Betrieb zum neuen Schuljahr 2022/2023 starten kann. Bei der Stadt Solingen sei sie mit ihrem Vorhaben von Anfang an auf offene Ohren gestoßen: „Ich bin immer noch baff, wie schnell das alles ging.“

Planung

Klassen: Die Naturschule will zunächst mit zwei Grundschulklassen mit jeweils 25 Kindern starten, aus denen später drei Klassen der Sekundarstufe I und längerfristig auch eine Oberstufe gebildet werden sollen.

Aufnahme: Es sollen maximal 300 Kinder an der Schule angenommen werden – auch im Interesse des Naturschutzes.

Ziegenbock Bruce hat sich in seinem Gehege auf dem Gelände der ehemaligen Jugendherberge schon gut eingelebt.

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