Renovierung

Naturschule in Burg ist auf der Zielgeraden

Dominik Star (v. l.), Vera Niehr und Markus Bergmann können die Eröffnung der Naturschule kaum erwarten.
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Dominik Star (v. l.), Vera Niehr und Markus Bergmann können die Eröffnung der Naturschule kaum erwarten.

Das Team um Leiterin Vera Niehr fiebert der Eröffnung in der früheren Jugendherberge in Burg entgegen. Die Schule hat ein besonderes pädagogisches Konzept.

Von Kristin Dowe

Solingen. In den Räumen der früheren Jugendherberge in Burg hat sich bereits einiges getan. Meterhoch stapeln sich im Flur gut 200 Säcke mit Putz, überall liegen Kabel, Schaumstoff und andere Utensilien verstreut. „Wenigstens sind schon die Fliesen verlegt“, freut sich Vera Niehr, die mit ihrem Unternehmen Vivimos aus Köln das geschichtsträchtige Gebäude von Eigentümer Sam Jordan angemietet hat, um dort eine Naturschule einzurichten.

Ursprünglich hatte das Team geplant, den Betrieb mit dem Beginn des neuen Schuljahres am 10. August aufzunehmen. Zwar müssen die Kölner voraussichtlich mit einem späteren Startschuss rechnen, „ein bisschen feiern werden wir im August aber wohl trotzdem“, versichert Vera Niehr, denn schon jetzt können die Initiatoren einen beachtlichen Etappensieg bei dem Projekt verbuchen. Eine große Eröffnungsfeier werde es später in jedem Fall geben.

Das Brandschutzkonzept hat Vivimos schon beim Bauamt eingereicht, zurzeit warten Vera Niehr und ihre Mitstreiter und weiteren Geschäftsführer Markus Bergmann und Dominik Star noch auf die finalen Genehmigungen, damit es endlich richtig losgehen kann. Schlussendlich muss noch die Bezirksregierung Düsseldorf grünes Licht für das Projekt geben. Schon in der jetzigen Phase der Renovierung ist erkennbar, dass die alte Jugendherberge zwar einen frischen Anstrich bekommt, ihre ursprüngliche Atmosphäre aber erhalten bleibt. So wurden die alten Tische und Stühle aus dem vorhandenen Mobiliar aufgearbeitet, um sie weiter zu verwenden.

Und auch sonst stieß das Team auf so manch amüsantes Relikt aus den Zeiten der Jugendherberge. „Hier heulen alle, ich will nach Hause!“, habe an einem Bett gekritzelt gestanden, erzählt Vera Niehr lachend. An anderer Stelle hatte sich ein Schüler mit dem Kommentar „Hier ist es wie im Altersheim!“ verewigt. Zur Eröffnung planen die Initiatoren eine kleine Ausstellung mit Fundstücken als Hommage an die frühere Jugendherberge.

Ich komme mir manchmal vor wie Sterntaler.

Vera Niehr, Leiterin der Naturschule

Insgesamt habe sie bei dem Projekt von allen Seiten große Unterstützung erfahren, schwärmt Vera Niehr – sei es von den Eltern, der Nachbarschaft in Burg oder von der Stadt Solingen. Das Stadtteilmanagement Burg habe etwa einen Zuschuss für einen geplanten Kneipp-Pfad gewährt. Zahlreiche Helfer hätten bei der Renovierung des Gebäudes außerdem ehrenamtlich mit angepackt und Möbel und andere Utensilien gespendet. Sogar einen Schneepflug und eine Putzmaschine habe jemand zur Verfügung gestellt. „Ich komme mir manchmal vor wie Sterntaler“, sagt Vera Niehr sichtlich gerührt.

Auch die Tiere, allen voran die beiden Ziegenböcke Bruce und Gustav, die Teil des pädagogischen Konzepts sein werden, fühlten sich in ihrem Gehege schon zu Hause. „Das sind unsere biologischen Rasenmäher“, scherzt sie. Vor allem Gustav falle schon mal durch seine Kontaktfreudigkeit auf. „Einmal ist er ausgebüxt und stand plötzlich bei den Nachbarn vor der Tür.“

Auch aufgrund von wohl inflationsbedingten Lieferschwierigkeiten bei einigen Baumaterialien muss sich das Team noch etwas in Geduld üben. Vera Niehr nimmt es gelassen: „Wir lassen jetzt einfach alles auf uns zukommen. Wenn man Gras zieht, wächst es bekanntlich auch nicht schneller.“

Das ist das Besondere an der Schule

Die Nachfrage nach der Naturschule sei bislang sehr zufriedenstellend. In der Primarstufe, bestehend aus drei Klassen, seien rund 50 der insgesamt 75 Plätze am Standort Solingen besetzt – einen weiteren unterhält Vivimos im Kölner Stadtteil Rodenkirchen. Vereinzelte Anmeldungen gebe es auch für die 10. Klasse als Vorbereitung auf die Oberstufe, die später gebildet wird.

Der Bezug zur Natur und künstlerische Kreativität werden wesentliche Eckpfeiler des pädagogischen Konzepts sein. Unter anderem ist ein Café-Betrieb geplant, den die Kinder selbst organisieren werden, sowie eine Medienwerkstatt mitsamt einer Dunkelkammer für analoge Fotografie. Eine Herausforderung besteht für Vivimos darin, das alte Gebäude möglichst barrierefrei umzubauen. Ein Aufzug wird künftig alle drei Etagen miteinander verbinden, zudem wurden die Türen verbreitert, damit Rollstuhlfahrer sie problemlos nutzen können.

Warum Vera Niehr nun keine Zweifel mehr hat, dass die Naturschule ein Erfolg wird? „Als wir hier eingezogen sind, hat in unserem Briefkasten eine Meise gebrütet. Alle Küken haben überlebt und sind inzwischen ausgeflogen. Wenn das kein gutes Omen ist!“

Hintergrund

Geschichte: Bereits 1911 befand sich an dem Standort in Oberburg eine Jugendherberge. 2018 wurde die Einrichtung wegen ausbleibender Übernachtungen geschlossen. Zu den Gästen zählten hauptsächlich Kinder- und Jugendgruppen. Das Haus bot damals 118 Betten.

Unternehmen: Bei dem verantwortlichen Träger „Vivimos ganzheitliche Lebensräume“ handelt es sich um eine gemeinnützige Unternehmergesellschaft. Weitere Informationen über das Unternehmen und das pädagogische Konzept der Naturschulen gibt es unter:
vivimos org

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