Einbußen

Musikschule steht vor finanziellem Aus

Musikalische Früherziehung gab es 2020 nur eingeschränkt. Symbolfoto: cb
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Musikalische Früherziehung gab es 2020 nur eingeschränkt. Symbolfoto: cb
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Einrichtung hat zehn Prozent weniger Neuzugänge als in den Vorjahren

Wermelskirchen. Wie schon vor ziemlich genau einem Jahr war es auch diesmal Anke Schopphoff, die die schlechten Nachrichten überbringen musste. Die Vorsitzende des Musikschulvereins hatte bereits vor einem Jahr im damaligen Kulturausschuss auf die prekäre finanzielle Situation der Musikschule hingewiesen, die sie den Wermelskirchener Ortspolitikern auch am Dienstagabend unterbreitete. Bis 2022, so Schopphoff, könne der Vorstand den Musikschulbetrieb noch auf die bewährte Art aufrecht erhalten; danach würde es „in jedem Fall starke Einbrüche“ geben.

Seit etwa zehn Jahren arbeite die Musikschule latent defizitär. „Nachdem die Stadt ins Haushaltssicherungskonzept rutschte, wurden uns 60 000 Euro gestrichen. Das ist ein eine Menge Geld“, betonte Anke Schopphoff.

Während der vergangenen Jahre habe das Team der Musikschule „an sämtlichen Stellschrauben gedreht, die irgendwie zur finanziellen Erleichterung führen könnten.“ Das Team arbeitet zurzeit mit fünf hauptamtlichen und 28 Honorarkräften. Eine Vollzeitstelle hat nur Musikschulleiterin Celia Spielmann, die anderen Festangestellten arbeiten in Teilzeit.

Anke Schopphoff machte deutlich, dass alles Einsparpotenzial, das vonseiten der Einrichtung herauszuholen sei, bereits ausgeschöpft wurde. „Zu manchem sind wir auch einfach nicht bereit“, sagte sie. „Beispielsweise ist unsere Arbeit in den Kindertagesstätten gekoppelt an die dortige Beitragsstruktur. Wenn Eltern also den höchsten Kita-Beitrag zahlen, bekommen wir auch den höchsten Satz. Zahlen Eltern aber gar nichts, bekommen wir möglicherweise auch nichts. Aber gerade diese Arbeit in den Kitas und Grundschulen möchten wir beibehalten, weil wir dort auch viele Kinder erreichen, die sonst mit Kultur nicht in Berührung kommen würden.“

Bürgermeisterin kann zur Zeit wenig Hoffnung machen

Dass „die Musikschule für alle da“ sei, betonte auch Leiterin Celia Spielmann. Allerdings bereiten auch ihr die finanziellen Einbußen schlaflose Nächte. Hinzu komme: „Wir konnten wegen der Corona-Krise ja nicht so arbeiten wie sonst. Vor allem die musikalische Früherziehung, über die wir viele neue Schüler rekrutieren, fiel weitgehend aus.“ Ergebnis: zehn Prozent weniger Neuzugänge. Sowohl Spielmann als auch Schopphoff führen das „ganz klar auf Corona-Auswirkung“ zurück.

Bürgermeisterin Marion Lück konnte auf Anhieb wenig Hoffnung auf baldige und effektive Hilfe für die Musikschule machen, gleichwohl sie deren Wichtigkeit für die Stadt betonte: „Wir befinden uns immer noch im Haushaltssicherungskonzept und klar ist: Wenn wir an einer Stelle investieren, müssen wir an anderer Stelle kürzen.“

Standpunkt

anja.siebel@rga.de

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

Die Musikschule steht vor dem Aus. Zumindest wird sie schon nach 2022 nicht mehr so arbeiten können wie man es von einer Musikschule gewöhnt ist. Das ist nicht nur eine bittere, sondern auch eine alarmierende Nachricht. Denn eine Musikschule ist für eine Stadt wie Wermelskirchen elementar. Vor allem deshalb, weil sie Kindern und Jugendlichen auf niederschwellige Art Kultur näherbringen kann. Und zwar auch jenen, die von Hause aus ansonsten nie die Möglichkeit dazu hätten. Allein das macht die Arbeit der Musikschule unersetzlich. Es gilt also Lösungen zu finden. Das wird nicht einfach, denn wie die Bürgermeisterin bereits ansprach: Wenn an einer Stelle hineingebuttert wird, muss die andere bluten. Und selbst groß angelegte Spendenaktionen werden langfristig nicht helfen, weil der Verein eine langfristige Perspektive benötigt. Aber wenn man sich die Kreativität so anschaut, die gerade in der Corona-Zeit in der Stadt sichtbar wurde, dann wird sich doch sicher auch für den Fortbestand der Musikschule eine Lösung finden, die für alle praktikabel ist.

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