Unterstützung des Trägervereins

Musikschule soll Finanzen prüfen

In den Bürgerhäusern an der Eich ist die Musischule beheimatet.
+
In den Bürgerhäusern an der Eich ist die Musikschule beheimatet.

30.000 Euro soll die Stadt für eine „Organisationsuntersuchung“ bereitstellen.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Es war ein langes Ringen um eine Entscheidung. Schließlich konnten sie die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses am Montagabend aber doch noch treffen. Es ging - einmal mehr - um die Zukunft der Musikschule. Und im Speziellen darum, wie eine finanzielle Unterstützung des Trägervereins für die Stadt leistbar sein könnte.

Wie berichtet, hatten sich die Fraktionsvorsitzenden bereits am Dienstag voriger Woche zu einem interfraktionellen Treffen verabredet, bei dem der Grundstein für die Vereinbarung gelegt worden war. Gefeilt wurde dann allerdings am Montagabend noch daran. Und zwar an nahezu jeder Formulierung. Nach rund einer Stunde wurde es Friedel Burghoff (CDU) offenbar zu bunt. „Wir haben schon städtische Investitionen in Millionenhöhe in kürzerer Zeit beschlossen“, sagte der Ratsherr. Und schließlich kam es dann doch zu einer Einigung.

Sperrvermerk war das Zünglein an der Waage

Die Fraktionen CDU, Bürgerforum, Freie Wähler und Die Linke im Rat beschließen demnach einen Antrag, aus dem hervorgeht, dass die Stadt Wermelskirchen im Haushaltsjahr 2022 einmalig 30 000 Euro für die Musikschule zusätzlich einstellt. Der Titel werde mit einem Sperrvermerk versehen, den der Haupt- und Finanzausschuss wieder aufheben könne. Dieser Sperrvermerk erwies sich letztlich auch als das Zünglein an der Waage. Denn zunächst sollte offen sein, dass die Stadt den Geldbetrag, je nach Ergebnis der Organisationsprüfung auf Anweisung der Politik zurückziehen kann. Nun soll die Musikschule den Geldbetrag aber bekommen, sobald sie die Prüfung in Auftrag gegeben hat. Die Musikschule wird im gemeinsamen Antrag aufgefordert, eine Organisationsuntersuchung in Auftrag zu geben und die Ergebnisse dann der Stadt zur Verfügung zu stellen.

Weiter heißt es, dass „nach Sichtung der der Stadt vorliegenden Unterlagen bis einschließlich 2020“ aus diesen hervorgehe, „dass die Musikschule noch über Rücklagen in einem sechsstelligen Bereich verfügt. Die in den Unterlagen ausgewiesenen jährlichen Verluste bewegten sich zwischen ca. 6000 bis 20 000 Euro pro Jahr. Insofern ist die Finanzierung der Musikschule, nach den vorhandenen Unterlagen, auch für den Zeitraum der beiden Haushaltsjahre gesichert.“ Stefan Janosi (Grüne) dementierte: „Aus Gesprächen mit der Vorsitzenden des Trägervereins weiß ich, dass diese Rücklagen bewusst zurückgehalten werden müssen, weil in bestimmten Situationen der Vorstand selber haften würde. Und das möchte natürlich keiner riskieren.“ Ihm sei bewusst, sagt Janosi auf WGA-Nachfrage, „dass diese Unterstützung im Grunde keine ist, denn das zur Verfügung gestellte Geld wird ja überwiegend für die Organisationsprüfung benötigt.“ Zähneknirschend habe er dem Antrag zugestimmt.

Ähnlich ging es Jochen Bilstein (SPD). Zusammen mit den Grünen hatte die SPD wie berichtet zuvor den Antrag gestellt, die Musikschule jährlich mit 30 000 Euro zu unterstützen. „Uns war wichtig, dass der Sperrvermerk nicht abhängig von den Prüfungsergebnissen ist. Ansonsten müssen wir jetzt sehen, welche Angebote die Musikschule in fernerer Zukunft noch vorhalten kann.“

Etwas optimistischer sieht es Stefan Leßenich (CDU). Die Christdemokraten hatten zuvor beantragt, die Musikschule einmalig mit 45 000 Euro zu unterstützen. „Jetzt setzen wir zumindest ein Signal“, sagt Leßenich. „Wir haben uns in der Mitte getroffen, alles Weitere muss man sehen.“

Kulturausschussvorsitzender Oliver Platt (BüFo) indes zeigte sich zufrieden: „Es ist eine Chance für die Musikschule, weiterzumachen.“ Trägervereinsvorsitzende Anke Schopphoff hielt sich auf Nachfrage eher bedeckt: „Wir sehen es als Gelegenheit an, alles gründlich prüfen zu lassen, hätten uns aber zu diesem Zeitpunkt sicher nicht selbst dazu entschlossen.“

Wettbewerb

Marie Claire König (Gesang) und das Ensemble „Alte Musik“ (Raphael Bartges, Daniel Esmaeili, Darius Esmaeili und Jana Müller) aus Wermelskirchen qualifizerten sich für den Bundeswettbewerb der Musikschulen . Er findet vom 2. bis zum 9. Juni in Oldenburg statt.

Standpunkt von Anja Siebel: Mit Zähneknirschen

anja.siebel@rga.de

Es ist ein Kompromiss. Den so manch einer, sicher auch die Aktiven der Musikschule, mit Zähneknirschen hingenommen haben wird. Denn: Der Verein hatte dringenden Bedarf an finanzieller Unterstützung angemeldet. Und nun muss sie das Geld, das die Stadt zur Verfügung stellt, dafür aufwenden, eine so genannte Organisationsuntersuchung durchführen zu lassen.

Viel Geld für das, was wirklich benötigt wird, nämlich Personal und Ausstattung, wird so nicht übrig bleiben. Und: Es handelt sich um eine Summe, die in den Doppelhaushalt 2022/23 eingebracht werden soll. Was danach kommt, steht in den Sternen. Es bleibt abzuwarten, wie das Ergebnis aussieht und welche Einsparpotenziale es möglicherweise beim Verein gibt. Wahrscheinlich ist aber, dass die Musikschule in absehbarer Zeit nicht mehr das Angebot vorweisen können wird, was sie derzeit auf dem Plan hat. Und das wird vor allem jene treffen, die sich privaten Musikunterricht nicht locker leisten können.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

BEW beobachtet den Gasmarkt mit Sorge
BEW beobachtet den Gasmarkt mit Sorge
BEW beobachtet den Gasmarkt mit Sorge
Biker spenden für Missbrauchsopfer
Biker spenden für Missbrauchsopfer
Biker spenden für Missbrauchsopfer
Riskantes Fahrverhalten: Polizei verfolgt 24-jährigen Niederländer
Riskantes Fahrverhalten: Polizei verfolgt 24-jährigen Niederländer
Riskantes Fahrverhalten: Polizei verfolgt 24-jährigen Niederländer
Falscher Sparkassen-Mitarbeiter räumt Konto leer
Falscher Sparkassen-Mitarbeiter räumt Konto leer

Kommentare