Prekäre finanzielle Situation

Musikschule: Kooperation als eine Lösung?

Die Musikschule ist seit einigen Jahren in den Bürgerhäusern an der Eich untergebracht. Archivfoto: Michael Schütz
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Die Musikschule ist seit einigen Jahren in den Bürgerhäusern an der Eich untergebracht. Archivfoto: Michael Schütz

Kulturausschussvorsitzender Oliver Platt kann sich mehr Synergien mit Burscheid vorstellen.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Die prekäre finanzielle Situation der Musikschule bewegt wieder die Gemüter in der Stadt. Die Ortspolitiker suchen jetzt nach Möglichkeiten, wie sie die Institution bestmöglich unterstützen können, ohne das Stadtsäckel zu sehr zu belasten.

In der jüngsten Kulturausschusssitzung hatte wie berichtet die desolate Lage der Musikschule erneut auf der Tagesordnung gestanden, weil SPD und Grüne einen Antrag gestellt hatten, in dem sie erbaten, die Musikschule mit 30 000 Euro zusätzlich pro Jahr zu unterstützen. Nur zögerlich hatten die übrigen Fraktionen darauf reagiert; der Antrag wurde als eingebracht erklärt und in den Haupt-und Finanzausschuss verschoben. Anke Schopphoff vom Trägerverein, die in den vergangenen zwei Jahren bereits mehrfach öffentlich auf die Probleme des Vereins hingewiesen hatte, hatte diesmal kein Rederecht bekommen.

Kulturausschussvorsitzender Oliver Platt beruft sich auf die Gemeindeordnung und begründet das so: „Dann müsste ich allen anderen Vereinen und Institutionen, über deren wirtschaftliche Entwicklung beschlossen werden soll, das auch genehmigen.“ Er habe neuerlich erst erfahren, dass er qua Amt als Kulturausschussvorsitzender automatisch Mitglied im Vorstand des Trägervereins der Musikschule sei, berichtet Platt im Gespräch mit dem WGA weiter. „Auch als solcher werde ich mich natürlich einbringen und zusammen mit den übrigen Vorstandsmitgliedern nach konstruktiven Lösungen suchen.“

Engere Kooperation mit Musikschule in Burscheid möglich

Eine könnte seiner Meinung nach zum Beispiel eine engere Kooperation mit der Musikschule in Burscheid sein. „Man könnte beispielsweise musikalische Ensembles der Schulen zusammenlegen, wie das in anderen Städten und auch im Sport beispielsweise schon üblich ist“, sagt Platt und weist auf die ohnehin zwischen den ehemaligen Bürgermeistern Rainer Bleek (Wermelskirchen) und Stefan Caplan (Burscheid) vereinbarte kulturelle Kooperation hin. „Wir haben auch eine gemeinsame Kulturmanagerin; da gibt es also viele Möglichkeiten.“ Oliver Platt findet: „Es muss ja nicht immer finanzielle Unterstützung sein. Denn wenn wir die gewährleisten, müssen wir an anderer, möglicherweise wichtiger Stelle einsparen. Das ist nun mal bittere Realität.“

Bürgermeisterin Marion Lück kann dem nur beipflichten: „Sicherlich hat die Stadt ein Interesse daran, dass die Musikschule weiterhin ihr Programm anbieten kann“, sagt sie auf WGA-Nachfrage. „Es ist aber auch Fakt, dass bereits Steuererhöhungen in 2023 fest eingeplant werden mussten, um einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen zu können. Um es ganz deutlich zu machen: Bei einem 111 Millionen Haushalt in 2023 ist lediglich ein minimaler Überschuss von 228 000 Euro vorgesehen. Das entspricht 0,17 Prozent und ist quasi nichts. Der Haushalt wurde überdies vor dem Ukraine-Krieg geplant, das heißt, diese Herausforderungen sind aktuell noch nicht berücksichtigt. Und eins darf man nicht vergessen: Es sind freiwillige Leistungen, die an anderer Stelle kompensiert werden müssen.“

Stadt bezuschusst Musikschule schon mit rund 200 000 Euro

Derzeit bezuschusse die Stadt die Musikschule bereits mit rund 156 000 Euro jährlich. Außerdem stelle sie unter anderem die Räumlichkeiten inklusive Nebenkosten zur Verfügung, was zusätzlich einer Summe von rund 55 000 Euro entspreche. Insgesamt betrage die Unterstützung für die Musikschule also 211 000 Euro.

Lück will mit Vereinsvorsitzender im Gespräch bleiben

Bürgermeisterin Marion Lück weist weiter darauf hin, dass sie mit der Trägerverein-Vorsitzenden Anke Schopphoff vereinbart habe, weiter zum Thema im Kontakt zu bleiben. Parallel sei aber auch der Vorsitzende des Kulturausschusses, Oliver Platt, mit dem Musikschulverein im Gespräch. Lück: „Hintergrund hierfür ist, dass in der Satzung der Musikschule geregelt ist, dass der jeweilige Vorsitzende des Kulturausschusses der Stadt Wermelskirchen dem geschäftsführenden Vorstand der Musikschule als geborenes Mitglied angehört.“

Hintergrund

Die Musikschule Wermelskirchen setzt sich laut Leitbild zum Ziel, als zentrale Anlaufstelle für alle musikalischen Belange einen unverzichtbaren Beitrag zu Bildung, Kultur und Jugendpflege in Wermelskirchen zu leisten. Seit 2020 weist der Trägerverein auf schlechte finanzielle Bedingungen hin, weswegen bereits vieles in der Musikschule hätte umstrukturiert werden müssen. Nun heißt es: „Mehr als zwei Jahre halten wir ohne Hilfe nicht mehr durch.“
www.musischule-wermelskirchen.de

Standpunkt

Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Die Medaille hat wie immer zwei Seiten. Und so ist es auch mit der Musikschule. Es ist ein kleines Dilemma, das es jetzt gilt, so konstruktiv wie möglich aufzulösen. Denn so sehr sich wohl die meisten Ortspolitiker den Fortbestand der Musikschule wünschen, so müssen sie doch auch auf die städtischen Finanzen blicken. Das erneute Abrutschen ins Haushaltssicherungskonzept möchte jede und jeder wohl irgendwie verhindern. Die Mehrausgaben durch die Corona-Pandemie und die Unterbringung der Geflüchteten des Ukraine-Kriegs sind aber nicht von der Hand zu weisen; ebenso wenig die vielen Investitionen, die in der nahen Zukunft in Wermelskirchen anstehen. Möglicherweise wäre eine Kooperation mit anderen Musikschulen, wie der Kulturausschussvorsitzende Oliver Platt sie unter anderem vorschlägt, tatsächlich eine konstruktive Lösung. Dazu bedarf es aber zunächst an Gesprächen mit dem Trägerverein und es braucht auch detaillierte Einblicke in dessen finanzielle Situation und zu den Stellschrauben, an denen es derzeit so hakt. Zu wünschen wäre, dass das zeitnah klappt.

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