Finanzen

Musikschule: In zwei Jahren kommt das Aus

Die Musikschule Wermelskirchen an der Eich.
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Die Musikschule Wermelskirchen an der Eich.
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Die Leiterin des Trägervereins, Anke Schopphoff, sagt: „Ohne Unterstützung geht es nicht mehr“.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Mit 30 000 Euro jährlich solle die Wermelskirchener Musikschule künftig bezuschusst werden. So lautete ein Antrag, den SPD und Grüne für den Kulturausschuss gestellt hatten. Die Ausschussmitglieder hatten über diesen Antrag aber wie berichtet keinen empfehlenden Beschluss gefasst, sondern ihn in den Haupt- und Finanzausschuss verschoben. Der Tenor im Gremium ging aber eher in Richtung Ablehnung dieser Unterstützung: Die städtischen Finanzen seien endlich, sagte beispielsweise Karl-Heinz Wilke (CDU).

Ein Rederecht wurde der Vorsitzenden des Trägervereins der Musikschule, Anke Schopphoff, diesmal nicht eingeräumt. Sie hatte aber bereits in den Vorjahren immer wieder auf die inzwischen prekäre Situation der Musikschule hingewiesen. Und sagt jetzt auf WGA-Nachfrage ganz klar: „Zwei Jahre können wir die Musikschule, so, wie sie jetzt strukturiert ist, noch aufrechterhalten. Dann nicht mehr.“

Seit dem Institut vor etwa zehn Jahren die städtischen Mittel von damals noch 60 000 Euro gestrichen worden wären, ginge es finanziell stetig bergab, sagt Schopphoff. „Wir versuchen, anhand verschiedener Stellschrauben und Verschiebe-Taktiken, das Ende hinauszuzögern, aber das geht eben nur noch eine gewisse Zeit so.“

„Unsere Musikschule zeichnet sich dadurch aus, dass sie für alle da ist.“

Stefan Janosi, Fraktionsvorsitzender der Grünen

So sei beispielsweise neben den monatlichen Entgelten für musikalischen Unterricht eine Jahrespauschale eingeführt worden, die alle Mitglieder entrichten müssten. Und: „Wir haben die monatlichen Beträge immer wieder erhöhen müssen“, ergänzt die Vorsitzende. Das habe aber zur Folge, dass jene, die sich diese höheren Beiträge nicht mehr leisten können, abspringen würden. „Und das wollen wir ja gerade nicht“, unterstreicht Anke Schopphoff. „Wir möchten ja auch weiterhin eine Musikschule mit einem Bildungsauftrag für alle sein. Für alle Altersklassen, aber eben auch für alle Gehaltsklassen. Nicht nur für finanziell besser gestellte Familien. Das ist seit vielen Jahren schon unser Konzept.“

Kooperationen mit Kindergärten und Schulen würden dieses Konzept abrunden. Schopphoff: „Und da gibt es dann eben einen eigentlich notwendigen Bürostuhl weniger, wenn wir dadurch die Kooperation mit dem Kindergarten weiter fortführen können.“

Anke Schopphoff glaubt, dass „vielleicht vielen der Ernst der Lage gar nicht so bewusst ist“. Dabei sei die Musikschule, wenn sie so wie bisher weiter existieren wolle, dringend auf finanzielle Unterstützung angewiesen. „Ansonsten käme der Vorstand spätestens in zwei Jahren in die persönliche Haftung. „Und das können wir natürlich nicht leisten, wir müssten dann aufgeben.“

Die CDU hatte während der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses angeregt, das Musikschul-Team möge zum Sparen Synergieeffekte nutzen und die interkommunale Zusammenarbeit verstärken. „Das machen wir längst“, räumt Anke Schopphoff dazu ein. So gäbe es beispielsweise einen Austausch von Musikinstrumenten mit der Musikschule Hückeswagen und auch gemeinsame Veranstaltungen.

„Immer wieder wird auch das Beispiel Burscheid genannt. Dort trage sich die Musikschule selbst“, ergänzt Stefan Janosi, Fraktionsvorsitzender der Grünen, einer der Antragssteller für die 30 000 Euro-Unterstützung für die Musikschule. „Das ist aber gerade das, was wir in Wermelskirchen nicht wollen, eine Musikschule, die nur für die da ist, die sich höhere Beiträge leisten können. Unsere Musikschule zeichnet sich ja dadurch aus, dass sie für alle da ist. Und wir haben hier einen klaren Bildungs- und Kulturauftrag.“

Das bestätigt Jochen Bilstein (SPD), dessen Fraktion ebenfalls den Antrag unterschrieb: „Wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass es die Musikschule, so, wie wir sie kennen, ohne Unterstützung in kurzer Zeit nicht mehr geben wird. Und das kann eigentlich keiner wollen.“

Hintergrund

Dass „die Musikschule für alle da“ sei, betonte auch voriges Jahr die Musikschul-Leiterin Celia Spielmann. Allerdings bereiten auch ihr die finanziellen Einbußen schlaflose Nächte. Hinzu komme: „Wir konnten wegen der Corona-Krise ja nicht so arbeiten wie sonst. Vor allem die musikalische Früherziehung, über die wir viele neue Schüler rekrutieren, fiel weitgehend aus.“ Ergebnis: zehn Prozent weniger Neuzugänge. Das sei vor allem auf die Corona-Pandemie zurückzuführen.

Standpunkt

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Drei Mal war Anke Schopphoff, die Vorsitzende des Trägervereins der Musikschule, bereits im Kulturausschuss zu Gast, um über die prekäre Situation der Musikschule zu berichten. Diesmal wurde der 48-jährigen Pädagogin zwar das Rederecht verweigert, an der desaströsen Lage ändert das aber nichts. Fakt ist: Ohne deutliche finanzielle Unterstützung wird die Wermelskirchener Musikschule, wie wir sie seit Jahren kennen, bald nicht mehr existieren können. Dass der Antrag von SPD und Grünen, die Musikschule mit jährlich 30 000 Euro zu unterstützen, nicht zumindest eingehend im zuständigen Ausschuss diskutiert und dort nicht eine entsprechende Empfehlung an den Haupt- und Finanzausschuss abgegeben wurde, ist seltsam. Gerade vor dem Hintergrund, dass sich doch alle in den vergangenen Jahren immer einig gewesen zu sein schienen, dass die Musikschule eine unverzichtbare Institution für Wermelskirchen ist. Anke Schopphoff hat oft genug darauf hingewiesen, dass das Wasser den Betreibern buchstäblich bis zum Hals steht. Bisher waren diese Hilferufe aber vergebens.

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