Bühne

Musik aus der Ukraine rührt zu Tränen

Die Gregorian Voices gaben am Donnerstag ein anrührendes Konzert im Film-Eck. Der Kulturverein hatte zu dem ungewöhnlichen Konzert eingeladen.
+
Die Gregorian Voices gaben am Donnerstag ein anrührendes Konzert im Film-Eck. Der Kulturverein hatte zu dem ungewöhnlichen Konzert eingeladen.

Die „Gregorian Voices“ berühren mit einem unvergleichlichen Konzert im Film-Eck.

Von Theresa Demski

Gelegentlich macht sich an diesem Abend das Staunen Luft: Dann entweicht einem Zuhörer ein „Wow“, als könne er nicht länger die Luft anhalten. Ein anderer schüttelt ungläubig den Kopf, als falle es ihm schwer zu glauben, was hier geschieht. Und manchmal sind es einfach laute „Bravo“-Rufe, die durch den Kino-Saal im Film-Eck an der Telegrafenstraße schallen. Zwei Tage vor Heiligabend sorgt die Gruppe „Gregorian Voices“ für ein Konzert mit Ausnahmewert, für einen unvergesslichen Abend – auf Einladung des Kulturvereins.

Nun mögen Kritiker meinen: Gregorianische Musik neige dazu, eintönig zu sein – im wahren Sinne des Wortes. Sie mögen meinen, der unverstärkte und unbegleitete Gesang sei eher eine musikalische Nische. Spätestens „Gregorian Voices“ stellt alles auf den Kopf – alle Klischees und Vorurteile. Zugegeben: Das Konzert am Donnerstag im Kino scheint irgendwie mit angezogener Handbremse zu beginnen. Die acht Sänger ziehen in ihren Kutten in den Kinosaal ein, sie stimmen geistliche Gesänge an. Cantate Domino und Ave Maria.

So weit so gut. Der Applaus fällt noch etwas verhalten aus – ein bisschen so, als täte man sich schwer, ein Gebet zu unterbrechen. Aber dann wechseln die Männer aus der Ukraine ins modernere Fach. Plötzlich erklingt das „Halleluja“ von Leonhard Cohen. Das Ensemble löst die Handbremse: Ihre Stimmen vollbringen Unglaubliches – die Tiefen genauso wie die Hohen. Die klassisch ausgebildeten Sänger berühren mit ihrem Gesang einen Teil der Seele, der nicht sehr oft herausgefordert wird.  Mit den Sängern löst auch das Publikum die Handbremse: Jubel, lang anhaltender Applaus, die ersten Bravo-Rufe. Nach jedem Stück scheint das Publikum mitzufiebern, welche vertraute Melodie die Sänger als nächstes in gregorianischen Gesang verwandeln: „Sound Of Silence“, dann „I Did It My Way“, schließlich „Angel“ von Robbie Williams – manchmal klingt die Gruppe jetzt fast wie ein ausgesprochen begabtes und ungewöhnliches A-Cappella-Ensemble.

Spätestens bei „I’m Sailing“ fällt dann dem einen oder anderen Besucher wieder ein, dass die Männer aus der Ukraine stammen und dass in ihrer Heimat Krieg herrscht.

„I’m sailing, to be near you, to be free“. Die meisten der Sänger haben jetzt die Augen geschlossen. Und das Publikum fühlt mit. Als die Gruppe längst Weihnachtslieder angestimmt und sich das Publikum mit endlosem Applaus und Jubelrufen bedankt hat, wiederholt sich dieser Moment. Das Publikum will die Gruppe nicht gehen lassen. Es ist die zweite Zugabe.

Und plötzlich stehen einem Tränen in den Augen, ohne genau zu wissen warum. Der eine oder andere Zuhörer ahnt wohl, dass diese fremde Melodie der ukrainischen Nationalhymne entliehen ist.

Fast unbemerkt leuchten dann die Scheinwerfer in blau-gelb. Und so klingt das Konzert aus – mit Tränen in den Augen und stehenden Ovationen.

Programm

„Bin Nebenan - Monologe“ – mit Katharina Heißenhuber, Jutta Seifert und Stefan Rumphorst. 9. Februar im Film-Eck.

Masur`s Variete Spektakel, 20. April, 20 Uhr

„Küss mich als wäre es das letzte Mal“ – eine Komödie von Stephan Eckel, 25. Mai, 20 Uhr

Karten: Tel. (02193) 2694 oderpscheben@web.de

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Missbrauchskomplex: Für ein Doppelleben gab es keinerlei Hinweise
Missbrauchskomplex: Für ein Doppelleben gab es keinerlei Hinweise
Missbrauchskomplex: Für ein Doppelleben gab es keinerlei Hinweise
Als in der Kantine die Hoffnung wuchs
Als in der Kantine die Hoffnung wuchs
Als in der Kantine die Hoffnung wuchs
L 409: Sperrung ab Neuenweg
L 409: Sperrung ab Neuenweg
Vier Gemeinden sollen enger zusammenrücken
Vier Gemeinden sollen enger zusammenrücken

Kommentare