Mülltonne schmälert Blick auf die Kunst

Der Mülleimer zwischen den beiden Bänken stört das Kunstwerk von Lüder Seedorf.
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Der Mülleimer zwischen den beiden Bänken stört das Kunstwerk von Lüder Seedorf.
  • Susanne Koch
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Stadt platziert zwischen die Figurengruppe von Lüder Seedorf vor dem Bürgerzentrum einen Abfalleimer.

Von Susanne Koch

Wermelskirchen. Das Kunstwerk von Lüder Seedorf – eine Sitzgruppe mit zwei Bänken in Form eines Fragezeichens – steht an der Telegrafenstraße vor dem Bürgerzentrum. Auf der einen sitzt eine Frau, eine jüngere steht dahinter. Sie unterhalten sich über eine dritte Frau, die auf der anderen Bank sitzt und ein Kopftuch trägt. 1985 wurde die Skulptur „Begegnung“ auf dem Rathausvorplatz aufgestellt. Doch derzeit verunstaltet ein Mülleimer das Kunstwerk. Zwischen den beiden Bänken ist eine Mülltonne angekettet.

„Der Künstler war schockiert, als wir ihm davon berichtet haben“, sagt Stadtführerin Constanze Thiel. „Wir haben bei ihm einen Atelierbesuch in Leverkusen-Opladen gemacht. Er versicherte uns, dass er auch den Raum zwischen den beiden Bänken bewusst so gewählt hat und der Raum mit zum Kunstwerk gehört.“
Die beiden Frauen des Kunstwerks unterhalten sich über die hochschwangere Türkin. Die Füße der Türkin sind so gesetzt, dass sie jederzeit fliehen kann, während die andere sitzende Frau ihre Füße sicher auf die Erde gestellt hat. Wenn man aus den beiden Fragezeichen einen Kreis bildet, sitzt die Türkin außerhalb des Kreises und die deutsche Frau sicher im Kreis.

„Ich habe schon schriftlich Kontakt mit Frau Nötzel aufgenommen und ihr von der Mülltone erzählt“, sagt Constanze Thiel. „Bisher ist aber nichts geschehen. Petra Ammon, die Vorsitzende der Stadtführer, und ich finden, dass im kommenden Jahr zu 150 Jahre Stadtrechte Wermelskirchen alle Kunstwerke wieder in Ordnung gebracht sein sollten.“ Sie selber plane eine Führung zu Kunst im öffentlichen Raum in Wermelskirchen.

„Acht zusätzliche Mülltonnen hat die Stadt Wermelskirchen über die Sommermonate aufgestellt“, sagt Lina Butzke, die bei der Stadtverwaltung in der Sachgebietsleitung Abwassergebühren sitzt. „Ich werde das sofort innerhalb der Verwaltung ansprechen. Und ich glaube nicht, dass etwas dagegen spricht, dass wir schnell einen anderen Platz für die Mülltonne finden.“ Diejenigen, die die Mülltonne aufgestellt hätten, hätten sicher nicht gewusst, dass dieser Raum für den Künstler auch eine Bedeutung hat.

1983 hatte die Stadt Wermelskirchen einen bundesweiten Wettbewerb ausgelobt: Passend zum Rathaus und Bürgerzentrum sollten Figuren entstehen, die das Zusammentreffen von Menschen symbolisieren. „Als 1985 die Figur vor dem Rathaus aufgestellt wurde, redeten sich manche Wermelskirchener die Köpfe heiß“, erinnert sich Constanze Thiel. „Inzwischen gehören die Figuren zum Stadtbild von Wermelskirchen und kaum einer wird noch wissen, welche Bedeutung die Figurengruppe hat.“

Die Skulptur hat die Stadtrund 90 000 Mark gekostet

Mit seinem Werk habe sich Lüder Seedorf der Ausländerproblematik zugewandt – und das sei heute angesichts der Flüchtlingssituation immer noch aktuell. Lüder Seedorf hat 1985 ein Preisgeld von 2500 Mark bekommen. Das Kunstwerk kostete die Stadt etwa 90 000 Mark. Die Jury hatte damals zehn Stunden für die „Kunst am Bau“ getagt. Zum Schluss erhielt Lüder Seedorfs Bronzeplastik den Zuschlag.

„Ich habe damals eine Türkin ausgesucht, weil Wermelskirchen noch ein Zentrum für Ausländer hatte“, sagte Lüder Seedorf in einer Mail an Lutz Balschuweit. „Die Türkin ist ein Symbol für soziale und gesellschaftliche Randgruppen.“ Der Raum zwischen den Bänken sei als Frage gedacht: „Wer schlägt die Brücke, überwindet die Kluft zwischen den Personen der beiden Bänke“, sagte Lüder Seedorf. „Die ältere Deutsche oder das junge Mädchen? Wie und was denken sie voneinander? “

Der Künstler

Lüder Seedorf wurde 1944 geboren. Von 1967 bis 1970 hat er an der Universität/Gesamthochschule Essen bei Prof. Potthoff und Prof. Dr. Kohn Kunst studiert. Sein Staatsexamina machte er 1970/71. Seither ist er Fachlehrer für Kunst und Design sowie Bildhauer und Objektkünstler. 1984/1985 hat er an der Universität Tübingen Kunstgeschichte gelehrt. Er hat eine Vielzahl von Ausstellungen gezeigt.

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