Fahrrad

Moritz Koll möchte Rad-Profi werden

Vater Thorsten und Sohn Moritz trainieren häufig gemeinsam.
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Vater Thorsten und Sohn Moritz trainieren häufig gemeinsam.

Zehnjähriger kann schon einige sportliche Erfolge vorweisen.

Von Frihtjof Bublitz

Wermelskirchen. Sein Ziel hat der Zehnjährige schon klar vor Augen. „Ich will später Rad-Profi werden“, sagt Moritz Koll. „Langsam, langsam“, entgegnet sein Vater Thorsten Koll: „Bis dahin ist es noch ein sehr weiter Weg.“ Von diesem weiten Weg lässt sich der junge Wermelskirchener aber derzeit nicht abschrecken und erklärt: „Nils Politt ist mein großes Vorbild.“

Der 28-jährige Kölner ist amtierender Deutscher Meister, gewann im vergangenen Jahr die Gesamtwertung bei der Deutschland Tour und eine Etappe bei der Tour de France. Solche Meriten kann Moritz noch nicht vorweisen, aber auch er feierte schon einige große Erfolge: Zweiter bei den Radrennen in Dormagen, Pulheim und Kaarst-Büttgen sowie Vierter bei der Schmitter Nacht in Hürth vor rund 5000 Zuschauern.

Dort konnte sich Moritz, der für den RV Adler Lüttringhausen an den Start geht, auch ein Autogramm von seinem Idol Politt ergattern. Den absoluten Höhepunkt seiner jungen Karriere gab es beim Rennen „Rund um Köln”, dort raste Moritz als Erster über den Zielstrich.

Solche Erfolge geben Mut und Selbstvertrauen und machen die harte Trainingsarbeit erträglicher. „Es geht noch ruhig zu – der Spaß steht ganz klar im Vordergrund“, sagt Vater Thorsten: „Zwei- bis dreimal trainieren wir in der Woche – nicht so wie andere, die schon sechsmal wöchentlich im Sattel sitzen.“ Dabei wird auch auf den Rahmentrainingsplan vom Bund Deutscher Radfahrer geschaut.

Da passt es ganz gut, dass die ganze Familie Koll sportbegeistert ist. Der Vater war ein recht erfolgreicher Mittelstrecken-Läufer im Bergischen, die Mutter fährt Mountainbike und geht mit Tochter Clara zum Reiten. Und die Zwölfjährige hat sich dabei auf die Dressur spezialisiert und stand auch schon mehrere Male bei den Turnieren auf dem Treppchen. Ihr kleiner Bruder begann schon früh mit dem Radfahren. „An meinem ersten Fahrrad gab es noch Stützräder – das wollte ich aber gar nicht“, erklärt er. „Ich wollte mit Papa radeln und der hatte doch auch keine an seinem Rad.“

Und so war seine Leidenschaft geweckt. Andere Hobbys kommen bei dem Zehnjährigen aber nicht zu kurz. „Mit meinem Freund spiele ich öfter Fußball. Das macht auch viel Spaß“, sagt Moritz. Darüber hinaus hält sich der Schüler mit Laufen fit. Und auch da misst sich gerne mit anderen. So wurde er beim diesjährigen Röntgenlauf in Remscheid Zweiter – „trotz meines Sturzes beim Radtraining am Tag zuvor“, sagt Moritz, für den das Radfahren aber klar sein Lieblingssport ist.

Und er beschreibt, warum ihm das so viel Spaß macht: „Weil man da den Wind ins Gesicht bekommt und schnell fahren kann.“ Kein Wunder, denn die 40 Stundenkilometer-Marke knackt er im Training und im Rennen schon das eine oder andere Mal. „Auf gerader Strecke und auch Berg hoch fährt er wirklich toll“, meint der stolze Vater: „Und Berg runter hängt er mich schon ab.“

Es geht aber bei Moritz nicht nur um Geschwindigkeit, sondern er fährt auch Mountainbike, Cyclocross und auf dem Technikparcours, bei dem vor allem Geschicklichkeit gefragt ist. Dabei geht es unter anderem über Hindernisse wie Paletten oder aber über eine Wippe. Beim Heimspiel am Blaffertsberg wurde Moritz Erster im Technikparcours und Dritter in der Gesamtwertung. „Da guckten alle ein bisschen verwundert, weil er das mit einem deutlich schwereren Rad schaffte - im Gegensatz zu seinen Konkurrenten“, erklärt Thorsten Koll.

Bei Vater und Sohn Koll laufen nun die Vorbereitungen auf die kommende Saison, in der Moritz in der nächsthöheren Altersklasse bei den Unter 13-Jährigen an den Start geht. Dafür wird entweder auf der Rolle oder in der Halle in Solingen trainiert.

Das alles ist kosten- und zeitintensiv und bedeutet auch viel Aufwand. Aber die beiden genießen ihre gemeinsame Zeit. „Wenn das Wetter im Winter am Wochenende passt, fahren wir zusammen mit dem Rad durchs Bergische“, sagt Thorsten Koll, der mit seinem Sohn dann schon mal 40 Kilometer weit radelt. Zum ersten Mal hat Moritz jetzt einen Trainingsplan seines Coaches, der explizit für ihn erstellt wurde. „Und in diesen Winter will ich auch mal ins Fitnessstudio gehen“, so Moritz und der Vater stellt sofort klar: „Da trainiert er aber nicht mit Gewichten, sondern nutzt das eigene Körpergewicht.“ Für die beiden soll der Spaß im Vordergrund stehen, denn von drillmäßigen Methoden halten beide nichts.

Mehr als ein Dutzend Pokale sammelte Moritz bereits bei Radrennen ein und es sollen noch viele mehr werden. „Mein Opa hat einen ganzen Schrank voller Trophäen. Das möchte ich auch erreichen.“ Der Großvater ist aber kein Radfahrer, sondern war mehrfacher Welt-, Europa- und Deutscher Meister in der Kanarienvogelzucht.

Hintergrund

„Rund um Köln“ ist das älteste Profi-Rennen Deutschlands und fand erstmalig 1908 statt. Nächster Termin ist am 21. Mai 2023. Dann werden nicht nur die Top-Teams der internationalen Radszene am Start sein, sondern auch Tausende Jedermänner werden sich der Herausforderung der Velodoms 70 und 130 stellen.

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