Viele Hürden gemeistert

Mit viel Kraft vom Flüchtling zum Altenpfleger

Ashfaq Javed lebt seit 2016 in Wermelskirchen. Seit September ist er examinierter Krankenpfleger.
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Ashfaq Javed lebt seit 2016 in Wermelskirchen. Seit September ist er examinierter Krankenpfleger.

Ashfaq Javed hofft nun auf ein Wiedersehen mit seiner Familie.

Von Theresa Demski

Wermelskirchen. Über seinem Schreibtisch hängt ein Zettel mit wenigen Wörtern: „Ich kann es schaffen!“ hat Ashfaq Javed dort notiert. „Und trotzdem habe ich immer gedacht: Wenn du diese Ausbildung erfolgreich beendest, dann ist das ein Wunder.“ Dann lächelt er kurz. Das Wunder ist geschehen. Der 50-Jährige hat Ende September die Prüfungen zum examinierten Altenpfleger bestanden. Eine Woche später unterschrieb er einen unbefristeten Arbeitsvertrag im Alten- und Pflegezentrum „Am Vogelsang“. Noch immer kann er nicht ganz glauben, dass dieses Kapitel seines Lebens so ein gutes Ende gefunden hat. Zu viele Hürden liegen hinter ihm, zu viele vor ihm.

Vor sechs Jahren verließ Javed seine Heimat Pakistan und machte sich auf nach Europa – ohne seine Frau und die drei gemeinsamen Kinder. Er habe nicht in Pakistan bleiben können, ergänzt er dann leise. Viel wolle er dazu gar nicht sagen. Aber er sei Christ und habe in einem islamischen Land gelebt. „Mein Leben war bedroht“, sagt Javed.

Er spricht Urdu, Panjabi und Englisch, war in Pakistan Grundschullehrer. Als er in Deutschland ankam „war alles fremd“, erinnert er sich. „Hier“, sagt er und deutet auf sein Herz, „hier habe ich mich fremd gefühlt.“ Die Anfangszeit waren schwierig. Dann traf er auf „Frau Cornelia“ und die Initiative Willkommen in Wermelskirchen. Cornelia Seng lud ihn zum Sprachkurs ins Gemeindezentrum ein und stellte ihm Brigitte Schopphoff vor. „Ohne die beiden säße ich heute nicht hier“, sagt Javed.

Er lernte mit viel Unterstützung die neue, deutsche Sprache. Ein Job als Grundschullehrer war aber dennoch nicht drin. So entschied er sich erst für ein Praktikum und dann für den Bundesfreiwilligendienst. Morgens lernte er deutsch, nachmittags ging er arbeiten. Und abends telefonierte er mit seiner Familie in Pakistan. Es sei sehr emotional – und seit jenem Tag 2016 auch nicht leichter geworden.

Beruflich ergaben sich oft keine Perspektiven. Daraufhin beendete Javed die restliche Zeit seines Bundesfreiwilligendienstes im „Haus Vogelsang“ – um die Altenpflege kennenzulernen. Etwas, was ihm nicht unbekannt sei. „Ich habe meine Eltern bis zu ihrem Tod versorgt, und es gehört für mich dazu, sich um ältere Menschen zu kümmern.“ Mit wertvollen Erfahrungen im Gepäck schmiedete er einen Plan: Er würde sich zum Altenpfleger ausbilden lassen. „Du brauchst dein Herz für diese Aufgabe“, sagt der 50-Jährige, „dann kannst du sehr zufrieden werden.“ Das Herz brachte er mit.

Und mit Unterstützung der Evangelischen Pflegeakademie Hasensprungmühle in Lennep und der Pflegeeinrichtung am Vogelsang startete er 2019 seine Ausbildung. „Ich war der Opa der Klasse“, sagt er und grinst. Javed kämpfte mit der Fachsprache und den Aufgaben, tat sich mit Prüfungen schwer: „Ich hatte immer ein bisschen Angst, dass ich es nicht schaffe und habe mich geschämt, weil ich nicht alles verstanden habe“, sagt er.

Der größte Wunsch: Wieder mit der Familie zusammenzuleben

Brigitte Schopphoff lernte mit ihm. „Jeden Tag vier Stunden“, erzählt der 50-Jährige. Und er schaffte es: Er war einer von 21 Pflegeschülern, die ihre Prüfungen bestanden. „Es ist ein Wunder. Und diese Kraft war nicht meine Kraft, sondern Gottes Kraft.“ Seine Dankbarkeit richtet sich aber auch an diejenigen, die ihn unterstützten. „Fest steht: Alleine hätte ich das nicht geschafft“, sagt er. Ashfaq Javed bekam sein ersehntes Zeugnis – und als die ehemalige Schulleiterin ihm die Hand gab, flossen ihm plötzlich die Tränen über das Gesicht.

Seit dem Frühling gilt Javed nur noch als geduldet. Er hofft auf eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Nun ist Ashfaq Javed ja eine viel gesuchte und umworbene Fachkraft. Und wovon träumt er im Moment noch? „Mein großer Wunsch ist“, sagt er und wird ganz leise, „dass ich endlich mit meiner Familie zusammenleben kann.“

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