44-Jähriger in Untersuchungshaft

Missbrauchskomplex: Wülfrather chattete mit Marcus R.

39-Jähriger soll mit Wermelskirchener Fantasien über Kindesmissbrauch ausgetauscht haben.
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39-Jähriger soll mit Wermelskirchener Fantasien über Kindesmissbrauch ausgetauscht haben.

39-Jähriger soll mit Wermelskirchener Fantasien über Kindesmissbrauch ausgetauscht haben.

Von Sabine Maguire

Wermelskirchen/Wülfrath. Er weint schon, als er vor dem Prozess vom Aufzug zur Anklagebank gebracht wird. Ein 39-jähriger Wülfrather steht jetzt wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern vor dem Wuppertaler Landgericht. Im Zentrum der Anklage steht ein Chat-Verlauf, den der Wülfrather im Internet mit dem Wermelskirchener Marcus R. geführt haben soll, der zurzeit wie berichtet im Fokus der Ermittler im Missbrauchs-Komplex steht.

Der Wülfrather weint, als er hört, dass seine Frau gleich das Video sehen soll, dass er von seinem Stiefsohn gemacht hat. Und er weint hemmungslos, als der Chatverlauf verlesen wird, den er mit dem Wermelslirchener geführt hat. Auf dem entsperrten Rechner des Wermelskircheners: ein Schriftwechsel mit dem nun ebenfalls wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagten Wülfrather.

Auszüge daraus wurden zum Prozessauftakt gegen den 39-Jährigen am Wuppertaler Landgericht verlesen; in der Strafakte umfasst der Chat mehr als 140 Seiten. Es genügten schon die verlesenen Auszüge, um zu wissen: Die beiden Männer schwelgten ausgiebig in ihren sexuellen Fantasien, die sich vor allem um den Missbrauch von Kindern drehten.

In diesem speziellen Fall war es der achtjährige Stiefsohn des Wülfrathers, der von diesem dreimal beim Baden gefilmt worden sein soll. Der Angeklagte soll die Aufnahmen mit seinem Handy gemacht haben, um sie an den 44-Jährigen zu schicken. Der wiederum hat davon Videomitschnitte gefertigt, um den Chat-Partner in Wülfrath damit zu versorgen.

Die Fantasien beider Männer drehten sich auch darum, mit dem Jungen schwimmen zu gehen und sich vor ihm in der Umkleidekabine entblößen zu wollen. Es folgte der Ratschlag des Wermelskircheners an den Wülfrather Familienvater, sich das Vertrauen des Jungen durch körperliche Nähe zu erschleichen. Wenn er mal schön essen gehen wolle mit seiner Frau, würde er auch den Babysitter spielen. Besonders perfide: Inzwischen weiß man, dass der 44-Jährige etliche seiner Opfer missbraucht haben soll, während er von deren Eltern als Babysitter engagiert worden war.

Angeklagter hatte behauptet, genötigt worden zu sein

Gegenüber den Ermittlern und gegenüber seiner Frau hatte der Wülfrather behauptet, von dem Wermelskirchener zu den Missbrauchstaten genötigt worden zu sein. Nach der Verlesung der Chatprotokolle scheint nun hingegen klar zu sein: So war es nicht.

Nachdem der Wermelskirchener ein Treffen zu dritt mit dem Kind vorgeschlagen hatte, schrieb der Angeklagte zurück, dass er selbst kein sexuelles Interesse an dem Stiefsohn habe. Es gefalle ihm jedoch, wenn er damit die pädophilen Fantasien anderer befeuern könne. Seiner Frau hatte er noch aus der Untersuchungshaft geschrieben, dass er von dem 44-Jährigen erpresst worden sei und ihn „totschlagen“ wolle. Er wisse nicht, wie er an diesen Typen geraten sei, und sogar die JVA-Seelsorgerin würde ihm glauben, dass er mit der Sache nichts zu tun habe.

Nun hoffe er, dass seine Frau zu ihm stehen werde. Und wenn er aus dem Knast komme, wolle er den Jungen adoptieren. Er wolle auch zum Psychologen gehen – aber offenbar nicht, um seine Neigungen therapieren zu lassen. Sondern vor allem, um zu verarbeiten, dass dieses „Dreckschwein“ dem Stiefsohn mit seiner Hilfe beim Baden zugeschaut habe.

Der Achtjährige scheint von den Videoaufnahmen im Badezimmer nichts mitbekommen haben, so zumindest erzählte es die Mutter des Jungen nun im Zeugenstand. Sie liebe ihren Mann indes noch immer und könne sich auch eine Zukunft mit ihm vorstellen. Vorwerfen würde sie ihm vor allem, dass er nicht mit ihr geredet habe.

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