Nach Vorfall

Missbrauch: Kitas setzen auf Prävention

Kinder sollten in Kitas und anderen Betreuungseinrichtungen besonderen Schutz genießen.
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Kinder sollten in Kitas und anderen Betreuungseinrichtungen besonderen Schutz genießen.

Das Personal der Wermelskirchener Kitas wird regelmäßig geschult. Auf Sicherheit in den Gebäuden wird besonderes Augenmerk gelegt.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Es waren vor allem Kleinkinder, die über Jahrzehnte Opfer des 44-jährigen Wermelskircheners und anderer Straftäter geworden waren. Nachdem vorige Woche öffentlich wurde, welch grausames Ausmaß der Missbrauchskomplex hat, den die Ermittler mit „BAO Liste“ überschrieben haben, dessen Hauptbeschuldigter zuletzt in Wermelskirchen-Tente gewohnt hatte, ist die Erschütterung in der Stadt groß – und vor allem bei Eltern auch die Verunsicherung.

„Das schreckliche Ereignis war schon Gesprächsthema, auch bei den Eltern bei uns in der Kita“, berichtet Manuela Wickesberg, Leiterin der Evangelischen Kita Tente, auf Nachfrage. Verunsicherung oder gar Sorge habe sie bei den Eltern indes nicht festgestellt. „Es war ja schnell klar, dass der Hauptbeschuldigte in Wermelskirchen gelebt, sich aber wohl keine der Taten hier ereignet hat.“ Das bestätigt auch Barbara Frank, Leiterin des Jugendamtes, auf Nachfrage: „Nach heutigem Stand haben wir in Wermelskirchen keine Opfer“, sagt sie. „Als Jugendamt würden wir, würde das bekannt, darüber sofort informiert werden.“

Auch unabhängig vom aktuellen Missbrauchskomplex seien Präventionsmaßnahmen gegen sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern seit kurzem fester Bestandteil der Jugendhilfepläne der Kommunen im Rheinisch-Bergischen Kreis, erklärt Jugendamtsleiterin Barbara Frank.

Kinderschutzbund hat vor der Pandemie 184 Präventionsangebote durchgeführt

So gebe es die „Präventions- und Anlaufstelle bei Gewalt gegen Mädchen und Jungen insbesondere bei sexuellem Missbrauch“, deren Träger der Kinderschutzbund ist. Angebote würden für alle Kommunen im Kreisgebiet vorgehalten und gemeinschaftlich finanziert. Die Anlaufstelle solle durch Information und Aufklärung einerseits vorbeugend und anderseits in konkreten Missbrauchssituationen beraten. Aus der Tatsache, dass Vorschul- und Grundschulkinder am stärksten von der Gefahr des sexuellen Missbrauchs betroffen seien, ergebe sich die Notwendigkeit, dass die Präventionsarbeit parallel zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bei Erwachsenen anfangen müsse.

Insbesondere würden daher Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und Berufsgruppen, die mit Vorschul- und Grundschulkindern zu tun haben, angesprochen und regelmäßig geschult.
So sprechen Eltern mit ihren Kindern über Missbrauch

So habe der Kinderschutzbund zuletzt 2019 vor der Pandemie 184 Präventionsangebote und Beratungen durchgeführt, heißt es in einer Vorlage des Jugendhilfeausschusses aus dem November 2021. Hierbei wurden Kinderbetreuungseinrichtungen, offene Ganztagsgrundschulen, weiterführende Schulen, Beratungsstellen, Verbände, ambulante und stationäre Jugendhilfe-Einrichtungen oder auch ehrenamtliche Mitarbeitende und Privatpersonen erreicht.

„Auch unser Team nimmt regelmäßig an Beratungen und Schulungen zum Thema teil“, berichtet Manuela Wickesberg. Dabei gehe es nicht nur um Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern, sondern auch um die Sicherheit der Kita als Gebäudekomplex. Wickesberg: „Wir schauen, wo Schlupflöcher sind, durch die eventuell jemand aufs Gelände gelangen könnte, haben Regeln, wer wann in die Kita kommt, um beispielsweise Kinder abzuholen oder bei uns zu arbeiten.“ Hinzu komme die Bedeutung der kindlichen Privatsphäre, die an Bedeutung gewinne, sagt Wickesberg. „Unser Wickelbereich für die Kleinsten ist beispielsweise mit Vorhängen geschützt, so dass Besucher nicht gleich Einblick haben. Und es darf auch nicht jeder neue Mitarbeitende direkt ein Kind wickeln.“

Auch auf Vernachlässigung wird geachtet

Ihr sei bewusst, dass diese erhöhten Sicherheitsmaßnahmen in vielerlei Hinsicht auch die Unbeschwertheit nehmen würden. „Aber die Erfahrung hat gezeigt, dass die Präventionsarbeit einfach vonnöten ist.“ Und das sei nicht nur im Falle von sexuellem Missbrauch so. „Wir achten beispielsweise auch auf Anzeichen von Vernachlässigung“, sagt die Kita-Leiterin. „Wenn ein Kind mit verdreckten Füßchen und verkrusteten Ohren kommt, macht uns das hellhörig. Da müssen wir dann eventuell Rücksprache mit dem Jugendamt halten.“

Kontakt

Verdacht: Wer den Verdacht hat, dass in seiner Umgebung ein Kind missbraucht, misshandelt oder vernachlässigt wird, kann sich an die Beratungsstelle für Eltern, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene wenden.

Telefon: Terminvereinbarung unter Tel. (0 21 96) 10 22.

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