Fichtensterben

Mischbepflanzung soll den Wald retten

Stadtförster Stefan Springer und Christina Amling vom Regionalforstamt sorgen sich um den bergischen Wald. Foto: Anja Carolina Siebel
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Stadtförster Stefan Springer und Christina Amling vom Regionalforstamt sorgen sich um den bergischen Wald.
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Das Fichtensterben hört nicht auf. Bilanz und Prognose der regionalen Förster sehen auch dieses Jahr eher düster aus.

Wermelskirchen. Jetzt müsste er doch eigentlich weg sein, der gemeine Borkenkäfer. Das denkt sich vielleicht so mancher nach dem vielen Regen im Januar und den eisigen Tagen und Nächten Anfang Februar. Aber weit gefehlt. „Die derzeitigen Temperaturen um die 20 Grad sind für die Käfer ideal. Sie fangen wieder an sich durchzufressen“, sagt Christina Amling. Die Fachgebietsleiterin des Regionalforstamts Bergisches Land äußerte auch in dieser Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Bau einmal mehr ihre große Sorge um den heimischen Wald. Vor allem die Trockenheit der vergangenen Jahre und der damit einhergehende Borkenkäferbefall der Fichten seien erschreckend.

Satellitenbilder des Eifgenbachtals vom September 2020 zeigen das Ausmaß. 126 Hektar Wald haben die Förster in den vergangenen Monaten untersucht. Das erschreckende Ergebnis: 44 Prozent des Fichtenbestandes ist durch den Käferbefall geschädigt oder bereits abgestorben. „Praktisch seit dem heißen trockenen Sommer 2018 und den trockenen Folgejahren leiden die Fichten unter Dauerstress“, beschreibt es die Försterin. Das Problem: Auch ein verregneter Januar wie der zurückliegende würde nicht dazu führen, dass der Boden bis in die Tiefe durchfeuchtet sei.

Das Fichtensterben verursacht enorme Kosten

Stadtförster Stefan Springer zeigte anhand von Videos und Fotos, an welchen Orten das Fichtensterben besonders stark sichtbar ist. Das ist beispielsweise an der K 18 zwischen Dabringhausen und Bechhausen, in Sellscheid sowie am Dortenhof in Dabringhausen der Fall. „Während wir voriges Jahr wegen des Fichtensterbens 5000 Festmeter Gesamteinschlag hatten, kalkulieren wir dieses Jahr schon mit 7.000“, rechnete Springer in seinem Wirtschaftsplan vor. Denn das fortschreitende Fichtensterben bereitet nicht nur Sorge in Bezug auf die Zukunft des Waldes. Auch wirtschaftlich schlägt es zu Buche. „Vor allem die Verkehrssicherungsmaßnahmen, die wir bei großflächigen Baumfällungen vornehmen müssen, sind teuer“, sagte Springer. Aber auch die fehlenden Einnahmen durch den Verkauf von brauchbarem Holz fallen weg. So rechnet Springer für das kommende Jahr mit Einnahmen von 248.000 Euro und dem gegenüber Ausgaben von 350.000 Euro. „Wir arbeiten nicht mehr wirtschaftlich“, erklärt er.

Wermelskirchener können bei Baumpflanzaktionen mithelfen

Ein Teil der Ausgaben, die dann schließlich aber zu etwas Positivem, nämlich der Waldrettung, beitragen sollen, fließen in die Aufforstung an bereits kahl geschlagenen Waldstücken. „Dabei macht’s die Mischung“, sagt Christian Amling. Sie weist darauf hin, dass es bei Neuanpflanzungen künftig darum gehen wird, Mischwälder entstehen zu lassen. Die Pflanzenauswahl sei geschickt zu treffen. „Bei den veränderten klimatischen Bedingungen, die jetzt wirklich nicht mehr zu übersehen sind, bietet es sich eventuell sogar an, nicht heimische Baumarten zu wählen“, sagt Amling.

Größere Baumpflanzaktionen, an denen sich auch Bürger beteiligen könnten, seien in und um Wermelskirchen schon dieses Jahr geplant, kündigte Bürgermeisterin Marion Lück vor den Ausschussmitgliedern an. „Das ist eine schöne Gelegenheit, sich zu beteiligen. Die Sparkasse wird uns dabei unterstützen.“ Genaue Termine wolle die Stadt noch bekanntgeben.

„In Zukunft werden wir uns darüber unterhalten müssen, ob wir den Wald überhaupt dauerhaft erhalten können“, mahnte Christina Amling in ihrem Vortrag. Wegen der veränderten klimatischen Bedingungen müsse man sich auf Phänomene einstellen, „die wir vorher im Bergischen nicht kannten“, zum Beispiel flächendeckende Waldbrände. Amling: „Das wird auch voraussetzen, sich Gedanken über eine bessere Erschließbarkeit der Wälder, zum Beispiel für die Feuerwehr, zu machen.“

Klima

Schon der Klima-Monitoringbericht, den die Bundesregierung Ende 2019 vorlegte, zeigte deutliche Zeichen eines Klimawandels. Demnach hat sich die mittlere Lufttemperatur in Deutschland von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad erhöht. Allein in den vergangenen fünf Jahren stieg diese um 0,3 Grad an. „Die meisten Szenarien für die kommenden Jahre überschreiten die 2-Grad-Marke deutlich“, sagt Christina Amling.

Standpunkt

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga-online.de

Die Fotos und Videoaufnahmen, die Christina Amling und Stefan Springer vom Forstamt im Umweltausschuss zeigten, bereiten Gänsehaut. Und das sicher nicht im positiven Sinn. Kahlschläge und braune, verdorrte Fichten soweit das Auge reicht. Zum Beispiel an der K18 oder in Sellscheid. Im ersten Moment erscheint es so, als müsse man hilflos zusehen, wie zumindest der Fichtenbestand vor sich hin schrumpft. Aber es gibt ein wenig Hoffnung. Mit aufwendigen Aufforstungsaktionen wollen die Förster den Wald retten. Nicht mehr Fichten und Nadelbäume sind dabei vor allem gefragt, sondern die Mischung macht’s. Der Trend geht dabei eher zum Laubbaum. Und das Beste: Die Bürger werden künftig jede Menge Gelegenheiten haben, sich aktiv an der Neugestaltung der bergischen Wälder zu beteiligen. Wie Bürgermeisterin Lück ankündigte, wird es viele Aktionen geben, bei denen jede und jeder gefragt ist, mit an zupacken. Und das sollten wir uns nicht zwei Mal sagen lassen. Und wenn es nur ein symbolisches Zeichen ist, was man damit setzt. Der heimische Wald hat diesen Einsatz verdient und wirklich bitter nötig.

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