Melodien erinnern uns an das Wesentliche und schaffen Lebenskraft

Ein Geistlicher macht sich Gedanken

Von Pfarrer Siegfried Landau, Stadtkirchengemeinde Remscheid

Vor 14 Tagen kam die Meldung: Das Max-Planck-Institut stellt fest, dass Singvögel, durch Verkehrslärm gestört, ihre Melodien nicht mehr an folgende Generationen weitergeben können. Erschreckend, wenn man darüber nachdenkt. Was sagt das über uns Menschen aus? Nicht nur, dass wir Natur und Mitgeschöpf schaden. Es stellt die Frage, welche Melodien außer Verkehrslärm wir denn überhaupt unseren Nachfahren überliefern. Der Medienwissenschaftler Neil Postman beklagt, dass die moderne Gesellschaft ihre identitätsstiftenden Schätze verliere und keine „Erzählung“ mehr habe wie die Bibel, eine Sammlung von Werten und Tröstungen im Strom der Zeit, von Generation zu Generation weitergegeben.

Mir kommt eine Melodie ins Ohr, als Kind gesungen, ein Kanon. Die ersten 3 Worte sind hart und realistisch, die bittere Erkenntnis des Predigers Salomo aus dem Alten Testament: „Alles ist eitel. . .“, heute würde man sagen: Alles ist vergänglich. Der Dichter Gerhardt Fritzsche ergänzte diese 3 Worte 1942 kurz vor seinem Tod: „. . .du aber (Gott) bleibst, und wen du ins Buch des Lebens schreibst“. Essenz unserer Kultur in einem Satz, Lebenskraft in einer Melodie und Worte, die Mut zusprechen: Nicht wir schaffen das Bleibende, sondern allein Gott.

Wir sollten solche Lieder und Traditionen nicht verlernen um hohlen Lärms willen. Sie helfen uns, auf uns selbst und unsere Mitgeschöpfe zu achten. Vielmehr sollten wir diesen und uns selbst die Lebensmelodien erhalten, an denen wir uns aus- und aufrichten können. Sie erinnern uns an das Wesentliche, die Erzählung, aus der wir stammen und die uns trägt. Die Erzählung vom Ewigen, die zusagt: selbst wenn wir Melodie und Worte vergessen sollten, Gott bleibt. Und nur deshalb auch wir. Wahrscheinlich singen genau davon auch die Vögel.

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